Nigerias Armee tötet dutzende Menschen

2. November 2012, 16:22
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Zeugen berichten von Massaker im muslimischen Nordosten Nigerias

Kano - Die nigerianische Armee hat nach Angaben von Überlebenden über 40 junge Männer in der mehrheitlich muslimischen Stadt Maiduguri im Nordosten des Landes hingerichtet. Zwei Anwohner sagten am Freitag der Nachrichtenagentur AFP, die Soldaten hätten in den Vierteln Kalari, Gwange und zwei weiteren Stadtteilen junge Männer zusammengetrieben und diese noch vor Ort erschossen. Als die Angehörigen der Opfer die Leichen im städtischen Krankenhaus abholen wollten, zählten sie laut einem der Zeugen 48 Tote.

Ein Mitarbeiter des Leichenhauses im Hospital von Maiduguri sagte AFP, Soldaten hätten am Donnerstag 39 Leichen mit Schusswunden eingeliefert. Die Armee lehnte einen Kommentar ab, bezeichnete die Anschuldigungen aber als "unbegründet". Die Stadt gilt als Hochburg der radikalislamischen Rebellengruppe Boko Haram und war zuletzt wiederholt Schauplatz der Gewalt zwischen staatlichen Sicherheitskräften und Islamisten. Amnesty International berichtete am Donnerstag von schweren Menschenrechtsverletzungen der Armee im Kampf gegen Boko Haram.

Präsident offen für Dialog

Nigerias Staatschef Goodluck Jonathan zeigte sich am Freitag offen für einen Dialog mit den Rebellen. Sollten Berichte über ein Waffenstillstandsangebot und die Bereitschaft zu Verhandlungen zutreffen, sei dies eine "willkommene Entwicklung", sagte ein Sprecher von Jonathan. Zuvor hatte sich ein angeblich ranghoher Boko-Haram-Vertreter, der sich Abu Mohammed Ibn Abdulaziz nannte, bei Journalisten gemeldet und Gespräche in Saudi-Arabien vorgeschlagen.

Boko Haram kämpft seit Jahren mit Gewalt für die Errichtung eines islamischen Gottesstaats im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Die Gruppe, die ihre Hochburgen um die nordöstliche Stadt Maiduguri hat, wird für zahlreiche blutige Anschläge auf Behörden, Polizei und Kirchen verantwortlich gemacht. Schätzungen zufolge töteten die Islamisten seit dem Jahr 2010 mehr als 1400 Menschen. (APA, 2.11.2012)

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