Run auf Master-Studium bringt Probleme

2. November 2012, 17:01
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Wenn weiter über 80 Prozent der Bachelors gleich ein Master-Studium anhängen, entstehe eine große Lücke am Arbeitsmarkt - Personaler haben Bakk-Probleme

"Schmalspurakademiker" - diese weitverbreitete Zuordnung der Jungen, die nun nach drei Jahren akademischer Bildung die Unis als Bachelors verlassen, sitzt offenbar auch in der Personalwirtschaft der heimischen Unternehmen fest. Noch schlimmer: Viele Personalentscheider kennen die aktuelle Studienarchitektur offenbar gar nicht und sagen, dass in fünf Jahren der Diplomabschluss der wichtigste Grad für qualifizierte Einstiegspositionen sein wird - tatsächlich laufen aber sämtliche der noch bestehenden "alten" Diplomstudien gerade für immer aus. Die akademischen Bausteine sind dann Bachelor, Master und Doktorat.

Die Positionierungsprobleme der Bachelors auf dem Arbeitsmarkt sind auch schon längst auf die Jungen zurückgespiegelt: Über 80 Prozent wollen gleich ein Masterstudium anhängen - dazu fehlt an den Unis aber die Kapazität. Die ursprüngliche Idee, wonach Unternehmen Bachelors einstellen und sie dann mit Joberfahrung ins Masterstudium begleiten, hat sich auch erst bei wenigen Firmen durchgesetzt. Dort, wo Bachelors aufgenommen sind, verdienen sie allerdings mit durchschnittlich 2260 Euro brutto im Monat fast so viel wie die Absolventen des "alten" Diplomstudiums, wie eine aktuelle Befragung (telefonisch und online) von über 200 Personalverantwortlichen zeigt, die vom Zentrum für Berufsplanung (zBp) und vom Vizerektorat für Lehre durchgeführt wurde.

70 Prozent der Befragten haben schon Erfahrungen mit Bachelors, also könnte man auch sagen: alles eine Frage der Zeit. Für zBp-Vorstand und WU-Vizerektor Michael Meyer ist die aktuelle Stimmungslage dennoch Grund zur Sorge: "Dass viel zu wenige Bachelors gleich arbeiten wollen, ist ein Problem. Es gibt zu wenige Plätze für die Nachfrage nach Masterstudien, und es entsteht gerade eine riesige Lücke am Arbeitsmarkt."

Weitere Asymmetrie laut Sozialerhebung: Deutlich mehr Männer hängen ein Masterstudium an (87 zu 77 Prozent).

Imagekampagnen als Weg

Zu erledigende Hausaufgaben sieht Meyer diesbezüglich sowohl bei den Universitäten hinsichtlich Schärfung der Curricula in Richtung Employability als auch bei den Unternehmen, die eine aktivere Rolle einzunehmen hätten, als auch beim zuständigen Ministerium, denn: Man habe die Unis mit der Umstellung der Studien alleingelassen und die Umstellung "in den Köpfen" nicht unterstützt. Kampagnen für das Bachelor-Image? "Wieso nicht", sagt Meyer. Kommunikations- und Aufklärungsarbeit hält er für dringend nötig.

Ein Argument: Es würden in den Personalabteilungen Vorurteile zur Kompetenzwahrnehmung von Bachelors im Vergleich mit den "alten" Diplomabsolventen reproduziert, sagt Meyer, also Fähigkeiten erwartet, die kaum jemand mit 21, 22 Jahren haben könne - etwa das transdisziplinäre Denken, der strategische Blick auf größere Zusammenhänge, Reflexionsfähigkeit sowie Spezialisierung.

Die größte Skepsis gegenüber den Bachelors herrscht laut dieser Umfrage in jenen Bereichen, die traditionell eine starke Affinität zu Promovierten haben: volkswirtschaftliche Abteilungen und Rechtsabteilungen.

Die WU darf sich laut eigener Umfrage aber rühmen, dass ihre Bachelors insgesamt recht gut ankommen. Auffallend beim Feedback neben erwartbaren Punkten wie "kürzerer Studiendauer, früherer Praxiserfahrung": geringere Kosten, höhere Formbarkeit und explizit geringeres Anspruchsniveau dieser Jungakademiker, sprich bescheidenere Gehaltswünsche. Dies wiederum in Kombination mit geringerem Verantwortungsberich beim Berufseinstieg im Vergleich mit den Diplomabsolventen. (Karin Bauer, DER STANDARD, 3./4.11.2012)

Hinweis:

Österreichs größte Karrieremesse von zBp, TU und Boku findet am 15. November im ACV in Wien statt.

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