Die Anti-Obama-Fraktion ist gescheitert

Analyse7. November 2012, 05:54
273 Postings

Von Anfang an war Mitt Romney nur eine Verlegenheitslösung, die Niederlage war absehbar

Nicht viele wollten Mitt Romney im Weißen Haus sehen. Die immer mehr nach rechts driftenden Republikaner nicht, weil er ihnen zu moderat erschien. Die Demokraten sowieso nicht, weil er eben Republikaner ist. Auch sonst einige nicht, weil er dem umstrittenen mormonischen Glauben angehört. Und dann wäre da ja noch die Sache mit den Cayman Islands und seinem großen Vermögen und den niedrigen Steuern. Trotzdem durfte er gegen Amtsinhaber Barack Obama antreten. Und erlitt eine respektable, aber doch erwartbare Niederlage.

Romney hat ausgesprochen viel unternommen, um gegen Barack Obama zu verlieren. Gerade in den ersten Wochen des Wahlkampfes leistete er sich einen Fauxpas nach dem anderen. Diese Serie an Fettnäpfchen gipfelte schließlich in seinem Sager, dass 47 Prozent der US-Wähler ohnehin für Obama stimmen würden, weil sie von staatlichen Leistungen abhängig seien und sich selbst als Opfer betrachten würden. Spätestens da, erklärten damals viele Experten, sei die Wahl entschieden, und zwar zu Ungunsten Romneys. Die Umfragen kurz danach bestätigten diese Meinung, Obama lag mit relativ klarem Vorsprung in Führung.

Die präsidiale Schlaftablette

Rund zwei Wochen später aber schaffte Romney den Turnaround und lieferte gleichzeitig seine einzige große Eigenleistung ab, wenn auch mit tatkräftiger Unterstützung von Barack Obama. Der ansonsten alles andere als charismatische Republikaner präsentierte sich in der ersten TV-Debatte erstmals als moderater, energischer, kompetenter und damit ernsthafter Kandidat für das Präsidentenamt. Er erschien aber nur deshalb so moderat, energisch und kompetent, weil Obama ihn und seine Flip-Flops gewähren ließ. Weil Obama ausgesprochen hölzern und träge wirkte. Weil sich Obama schlicht und einfach wie eine menschgewordene Schlaftablette präsentierte.

Mitt Romney war wieder im Spiel, er holte in Umfragen auf, zeitweise zog er mit Obama gleich oder überholte ihn sogar. Ernsthafte Hoffnung kam im republikanischen Lager auf. Doch sie währte nur kurz. Obama bewies in den weiteren TV-Debatten, dass er es besser konnte. Bewies, dass dieser eine Auftritt nur ein Ausrutscher war. Das Wahlergebnis des 6. November 2012 ist somit die logische Konsequenz.

Nicht allein Romneys Niederlage

Romneys Niederlage kann und soll man aber nicht allein auf seine persönlichen Schwächen oder Obamas persönliche Stärken zurückführen. Denn genauer gesagt ist es gar keine Niederlage von Mitt Romney, sondern eine der Anti-Obama-Fraktion, die in den letzten Jahren eine gesellschaftliche Spaltung der USA herbeigeführt hat. Selten war der ideologische Graben zwischen Demokraten und Republikanern tiefer, selten das innenpolitische Klima gehässiger als in den letzten vier Jahren. Die ausgestreckte Hand, die Obama vor allem zu Beginn seiner Amtszeit dem politischen Gegner anbot, wurde nicht ergriffen, ihm sollte schlicht und einfach kein einziger Triumph gegönnt werden. Angeführt von den Protagonisten der erstarkenden Tea Party gab es bei den Republikanern nur ein Ziel: Obama muss raus aus dem Weißen Haus, egal wie!

Zähneknirschend versammelte sich also die Anti-Obama-Fraktion mitsamt ihren finanziellen Ressourcen hinter dem ursprünglich moderaten Mitt Romney, weil man ihm die größten Chancen gegenüber Obama einräumte. Diese gewaltige Unterstützung, kombiniert mit einem starken TV-Auftritt und einem ausgesprochen durchwachsenen Wahlkampf Obamas hat aber nicht gereicht, um den Wahlsieg einzufahren.

Die Anti-Obama-Fraktion ist also gescheitert. Ein republikanischer Kandidat, der Obama ernsthaft in Bedrängnis hätte bringen können, war weit und breit nicht in Sicht. Ein republikanischer Kandidat, der sich dem rechten Flügel anbiedert, hat (momentan) keine realistischen Chancen auf das Weiße Haus. Ein republikanischer Kandidat, der realistische Chancen auf das Weiße Haus hat, wird automatisch ein gravierendes Problem mit dem rechten Flügel haben. Die republikanische Partei hat in den nächsten vier Jahren also ein gravierendes Problem zu lösen. Unabhängig davon, wer 2016 für die Demokraten antreten wird. (Kim Son Hoang, derStandard.at, 7.11.2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Nicht viele wollten Mitt Romney als Präsidenten der USA sehen. Nun ist er es auch nicht geworden.

Share if you care.