Postenbesetzung im ORF-Radio lässt "Alarmglocken schrillen"

ORF-Journalisten planen Proteste für nächste Woche - Parallelen zur "Causa Pelinka" - ORF-Spitze weist parteipolitische Punzierungen zurück

Die Besetzung der Innenpolitik-Leitung im ORF-Radio könnte sich für den ORF zu einer neuen "Causa Pelinka" auswachsen. Grund dafür sind einmal mehr kolportierte Personalwünsche der SPÖ. Für Montag wurde deshalb im ORF-Radio eine Redakteursversammlung einberufen, am Dienstag soll es eine Protestaktion vor dem ORF-Funkhaus in Wien geben. "Es schrillen die Alarmglocken", hieß es am Freitag unter Redakteuren im ORF-Radio.

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz möchte zur umstrittenen Personalbesetzung vorerst nichts sagen. "Es gibt einen Vorschlag des Radiodirektors, kommende Woche gibt es gemäß dem Redakteursstatut ein Gespräch zwischen Generaldirektor und den Redakteursvertretern. Es handelt sich um einen laufenden Recruiting-Prozess, den wir nicht öffentlich kommentieren", erklärte ORF-Kommunikationschef Martin Biedermann am Freitag auf APA-Anfrage.

Der Feiertagsjoker

Im Radio ist der Unmut über die Besetzungspläne unterdessen groß. "Es herrscht der Eindruck, jetzt, wo das große Wahljahr kommt, schicken sie uns einen, der auf uns aufpassen soll", fasste ein Mitglied der Radioinformation die Stimmungslage zusammen. Und man ortet gewisse Parallelen zur "Causa Pelinka". Die Bekanntgabe, dass der frühere SPÖ-Stiftungsrat zum Büroleiter von ORF-Chef Wrabetz bestellt werden soll, war einen Tag vor Weihnachten und vor der Urlaubszeit erfolgt. Auch diesmal wählte man für den Weinzettl-Vorschlag mit dem vergangenen Mittwoch-Nachmittag einen Tag vor einem Feiertag und einem Kurzurlaubswochenende. "Sicher nur Zufall, dass umstrittene Personalentscheidung im ORF wieder vor einem Feiertag veröffentlicht wird", meinte auch Redakteurssprecher Dieter Bornemann auf Twitter.

Die Redakteure sehen in Weinzettl jedenfalls einen "parteipolitisch gewünschten Kandidaten", dem es an innenpolitischer Erfahrung fehle. Unterstützung für diese Sichtweise gibt es offenbar auch von den TV-Kollegen. Bornemann wies darauf hin, dass es wichtig ist, dass der Innenpolitik-Ressortleiter im ORF-Radio etwas von Innenpolitik versteht, und Anchorman Armin Wolf erklärte ebenfalls via Twitter, dass im Super-Wahljahr 2013 "ein Innenpolitik-Routinier als Ipo-Chef wohl selbstverständlich" wäre. "Natürlich müsste eine der besten Ipo-Redaktionen des Landes erfahrene/n Innenpolitiker/in als Chef kriegen", so Wolf.

Offiziell will man von einer parteipolitischen Dimension der Personalbesetzung im ORF nichts wissen. "Generell weisen wir parteipolitische Punzierungen und damit Diskreditierungen von ORF-Journalisten, in welche Richtung auch immer, strikt zurück", so Kommunikationschef Biedermann.

Resolution gegen die Besetzungspläne

Stark belastet scheint unterdessen das Verhältnis zwischen Redakteurssprechern und Weinzettl. Dieser erklärte am Mittwoch via APA, dass er für den Job des Radio-Innenpolitikchefs zur Verfügung stehe, und er von Redakteurssprechern mit der Aussage, er könne den Posten nicht übernehmen, falls ihn Radio-Chefredakteur Aigelsreiter nicht vorschlagen sollte, "falsch zitiert" worden sei. Redakteurssprecher wiesen in einem Mail an ORF-Chef Wrabetz unterdessen darauf hin, dass diese Aussage sehr wohl so gefallen sei.

In der nächsten Woche stehen dem ORF-Radio nun heiße Tage ins Haus. Montagmittag wollen die Radioredakteure mit einer Resolution gegen die Besetzungspläne protestieren. Am Dienstag wird es in der Mittagspause eine Protestaktion vor dem Funkhaus geben. Daneben soll kommende Woche ein Gespräch zwischen Wrabetz und Redakteursvertretern stattfinden. "Vielleicht müssten die ausgezeichneten Radio-Innenpolitikjournalisten Kappacher u. Jölli jemandem eine knallen. Erhöht ev. die Chancen ...", empfahl ein ironisch twitternder Armin Wolf den Radio-Kollegen in Anspielung auf andere ORF-Aufreger dieser Tage. (APA, 2.11.2012)

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