Was hat es mit "Sekuhara" auf sich?

Leopold Federmair, 4. November 2012, 10:00
  • "Studieren wird unsinnlich, keimfrei. Es gibt keine Gefahr mehr, aber 
auch kein Vergnügen. Keine  pädagogische Lust, und keine Lust an der  
Pädagogik."
    foto: epa/kazuhiro nogi

    "Studieren wird unsinnlich, keimfrei. Es gibt keine Gefahr mehr, aber auch kein Vergnügen. Keine pädagogische Lust, und keine Lust an der Pädagogik."

Sexuelle Belästigung ist ein reales Problem an japanischen Unis. Die Art und Weise, wie man dagegen angeht, ist aber keine Lösung, sondern man schüttet das Kind mit dem Bade aus

"Sekuhara" gehört zu den Wörtern der japanischen Sprache, die aus dem amerikanischen Englisch übernommen und dabei in Aussprache und Schreibweise stark verändert wurden. "Sekuhara" heißt auf Englisch: "sexual harassment", auf Deutsch: sexuelle Belästigung. Höre ich das japanische Wort, und das ist in vergangener Zeit öfter geschehen, klingt es verschämt, eher eine Ablenkung von der bezeichneten Tatsache als eine Hinlenkung zu ihr. Im Mund der Leute wirkt es wie etwas Zerbrechliches, auf dem man nicht kauen darf, oder wie ein fettes Fleischstück, das man nicht hinunterschlucken und nicht ausspucken kann und von einem Winkel in den anderen schiebt.

An dem Universitätsinstitut, an dem ich Deutsch unterrichte, gab es unlängst zwei Fälle von "Sekuhara". Beide Professoren hatten junge Studentinnen belästigt, beide wurden entlassen. Die beiden Männer sind ganz verschiedene Typen. Ein selbstbewusster Schönling der eine, der von seiner Frau und seinen erwachsenen Kindern getrennt lebte; ein etwas behäbiger, leicht verschrobener Junggeselle der andere.

Der Schönling wurde von den meisten Studentinnen bewundert. Sie saßen in seinen Vorlesungen und staunten ihn an oder machten ihm schöne Augen. Eines Tages berichtete er mir von einem Problem, das es mit dem anderen Professor, dem Komplexler, gebe: Er mache immer wieder Studentinnen unschickliche Anträge (so etwa drückte er sich aus). Eine Studentin sagte mir später, er habe sie mehrmals stundenlang, bis spätabends, in seinem Zimmer festgehalten, ohne eigentlich etwas Besonderes zu tun; Angst habe ihr die Situation trotzdem gemacht. Der Mann war von der Fakultätsdirektion schon öfter verwarnt worden, es hatte Beschwerden gegeben, und jetzt geriet das Fass zum Überlaufen.

Er war selbst einsichtig genug und nahm den imaginären Hut (für reale Accessoires hatte er keinen Sinn). "Ich habe eine Dummheit begangen", sagte er mir in der Kneipe, bevor das Ganze öffentlich wurde; oder halb öffentlich, denn wirklich offen spricht man über diese Dinge nicht.

Der Schönling wurde wenige Monate später gefeuert. Das kam für alle überraschend. Der Aussage der Studentin vor der Polizei zufolge hatte der Professor sie in sein Haus gelockt, ihr Wein zu trinken gegeben, der ein Betäubungsmittel enthielt, und sich an ihr vergangen. Der Professor sagte mir unter vier Augen, er habe eine Dummheit begangen, aber Zwang habe er keinen angewendet, die Studentin sei aus freien Stücken zu ihm gekommen. Es kam zu einer Art Gerichtsverhandlung an der Fakultät, man glaubte in den meisten Punkten der Studentin.

Beide Männer habe ich nie als Ungetüme erlebt. Dem Komplexler hätte man helfen müssen, indem man ihn zu einem guten Therapeuten schickte. Und beim Schönling, was hätte man da tun können, tun sollen? Keine Ahnung. Ich halte es für möglich, dass er mir gegenüber, unter vier Augen, die Wahrheit gesagt hat. Warum hätte er nicht mit einer Studentin ins Bett gehen sollen? Von mir aus, bitte. Der Dekan hielt damals, nachdem der Professor plötzlich weg war, eine Ansprache vor den Studentinnen (fast alle weiblich) und den verbliebenen Lehrern, unglaublich trocken, das Wort "Sekuhara" in der Mundhöhle hin und her schiebend.

Um nicht konkret werden zu müssen, ließ er sich darüber aus, dass die belästigte oder missbrauchte Studentin minderjährig sei, bekanntlich dürften Minderjährige keinen Alkohol trinken, der Professor habe sie jedoch dazu verleitet. In Japan wird man erst mit zwanzig großjährig, die Studentin hatte dieses Alter noch nicht erreicht. Die meisten jungen Studenten leben allein, fern von ihren Eltern, jobben, aber in drei Bereichen - Sex, Alkohol, Politik - haben sie offiziell keine Verantwortung.

Natürlich haben die meisten Studentinnen Erfahrung mit Sex, auch vor ihrem zwanzigsten Lebensjahr. Einige legen ein verführerisches Verhalten an den Tag, auch Lehrern gegenüber. Eine von ihnen sagte mir einmal auf meine Frage, warum sie an diesem Institut studiere: "Wegen des Professors" - sie meinte den Schönling. Ihre Miniröcke waren so kurz, dass man ihr Höschen sah, wenn sie im Unterricht aufstand. Von einer anderen erfuhr ich, dass sie ältere Männer viel anziehender findet als gleichaltrige Studenten. Warum auch nicht? Ich sehe darin kein Problem (sie übrigens auch nicht). Ich sehe auch kein Problem darin, dass Studenten und Professoren sexuelle Beziehungen unterhalten - auch wenn ich es seltsam fände, würde das zur Regel. Ein Problem sehe ich allein im Missbrauch von Macht, in der Anwendung von körperlichem oder seelischem Zwang. Das kann ich aber Leuten nicht vermitteln, die das Spiel der Macht, wenn auch ohne Vermischung mit Sexuellem, spielen.

Natürlich versucht das System, versuchen die mehr oder minder mächtigen Personen etwas zu unternehmen, vor allem aus Imagegründen. Es geht ihnen um das Ansehen der Bildungseinrichtung. Deshalb werden die Lehrenden, ist ein Fall von "Sekuhara" aufgetreten, eine Zeitlang verpflichtet, an Veranstaltungen teilzunehmen, in denen sie über "Sekuhara" aufgeklärt werden. Ich habe ein einziges Mal an so einer Veranstaltung mit einem Fachmann teilgenommen; nicht öfter, weil sie sinnlos sind. Man bekommt dort ein paar theoretische Erörterungen und praktische Ratschläge zu hören. Sich nicht mit einer Studentin allein in einem Zimmer aufhalten - so als wären die Professoren die Opfer und müssten sich gegen Angriffe schützen. Oder müssen sie sich gegen ihre eigenen Triebe schützen? Sich kasteien?

"Sekuhara" wird bei diesen Präventions- und Aufklärungsfeldzügen meist in einem Atemzug mit "power harassment" ("Pawahara") genannt. Das allein zeigt, dass niemand an eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Problem denkt. Arbeitsdruck hat nicht das Geringste mit den Fällen von "Sekuhara" zu tun, auch wenn "Sekuhara" Machtverhältnisse voraussetzt. Meiner Beobachtung nach entsteht Arbeitsdruck in der Regel nicht durch sadistische Vorgesetzte, sondern durch das System selbst. Sexuelle Belästigung hingegen ist durch persönliche Lebensgeschichten bedingt, die Probleme sind unterschiedlich und können nur individuell gelöst werden. Die beiden beschriebenen Beispiele zeigen das klar.

Allerdings kann man Bedingungen schaffen, unter denen sich die Gefahr von "Sekuhara" verringert. An meiner Fakultät sind die meisten Lehrenden Männer, etwa 80 Prozent, wenn nicht mehr. Die meisten Studierenden sind Frauen, junge Studentinnen, 80 Prozent oder mehr. Das Geschlechtsverhältnis ist, gelinde gesagt, unausgeglichen. Eine Möglichkeit, "Sekuhara" zu bekämpfen, bestünde darin, ein ausgeglichenes Verhältnis zu schaffen. Ob das aber die Männer, die Machtpositionen einnehmen, auch wollen? Ziel der Veränderung wäre es nicht, die Zahl der Männer möglichst stark zu reduzieren. Nein, es geht um Ausgeglichenheit, um gute - auch sexuelle, warum nicht? - Beziehungen unter den Lehrenden, zwischen Lehrenden und Studierenden, um die Möglichkeit für die Studierenden, nicht nur zwischen Themen und Unterrichtsstilen zu wählen, sondern auch zwischen Mann und Frau.

Mein Institut war längere Zeit ohne Leiter, bis sich die Kommissionen endlich für zwei neue Kräfte entschieden hatten. Die neue Leiterin ist eine Frau; möglich, dass bei einigen Entscheidungsträgern die Einsicht durchgeschlagen hat, es könnte günstig sein, die Zahl der Professorinnen zu erhöhen. Die Frau, die wir bekommen haben, ist allerdings keine Frau, sie ist ein geschlechtsloses Wesen, über fünfzig, ohne Kinder und Ehemann, dem männlichen Machtsystem gedankenlos unterworfen. Nein, man hat sich nicht für eine Frau entschieden, sondern für die Geschlechtslosigkeit, für Sterilität. So schüttet man das Kind mit dem Bade aus, man säubert den Campus von jedem erotischen Gedanken, Studieren wird keimfrei, unsinnlich. Es gibt keine Gefahr mehr, aber auch kein Vergnügen. Keine pädagogische Lust, keine Lust an der Pädagogik. Die neue Leiterin kümmert sich merklich um Ordnung, Sauberkeit, Ernsthaftigkeit; bloß kein Alkohol, keine Zigaretten; kein persönliches Gespräch. Jede Lebensregung wird dem Studium unterworfen. Trotzdem werden keine großen Fortschritte erzielt, im Gegenteil. Ohne Lust kann man nicht lernen. Man kann sich auf Tests vorbereiten, aber es bleibt nichts hängen. Kein sinnlicher Eindruck, keine Erinnerung.

Die japanische Methode, mit "Sekuhara" umgehen, ist keine Lösung, es ist eine Abtötung, man schüttet das Kind mit dem Bad aus. Was man damit erreicht, ist das verallgemeinerte Scheinleben von angepassten Zombies, vor denen niemand etwas zu befürchten hat und die niemanden zu fürchten brauchen. "Ansen", vollkommene Sicherheit. Eine der Folgen: Es werden keine Kinder mehr gezeugt. Japan leidet an demografischer Überalterung. Ganz so schlimm ist es in Wirklichkeit nicht; die Lust lässt sich nicht endgültig ausrotten. Das ginge nur durch medizinische Sterilisierung, wie man sie an Haustieren vornimmt. Damit wäre nicht nur der Lust, sondern der Gesellschaft, die man zu schützen meint, ein Ende bereitet. (Leopold Federmair, Album, DER STANDARD, 3./4.11.2012)

Leopold Federmair, geboren 1957 in Wels, ist österreichischer Schriftsteller und Übersetzer. Heuer wurde er mit dem Österreichischen Staatspreis für literarische Übersetzung ausgezeichnet. Federmair studierte Germanistik, Publizistik und Geschichte, er lebt seit zehn Jahren in Japan und unterrichtet dort im Brotberuf Deutsch. Zuletzt erschienen der Erzählband "Die Ufer des Flusses" (Otto Müller) und der Essayband "Die Apfelbäume von Chaville. Annäherungen an Peter Handke" (Jung und Jung).

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die unerfüllte geilheit eines 55-jährigen im anblick so vieler hübscher junger japanerinnen, die sich nicht um ihn scheren, kommt hier deutlich zum ausdruck.
phantasieren sie ruhig weiter, auch ohne das verbot von sexuellen beziehungen zwischen professoren und studentinnen würde sich niemand um sie kümmern.
sie reden sich hier wortreich ein, dass nur dieses verbot daran schuld ist, dass ihnen keine zu füßen liegt.....und nicht der 35-jahre betragende altersunterschied.

Ich werde ja immer ein gaijin sein...

...aber in der europäischen Denkweise fühle ich mich auch nicht zu Hause

" Warum hätte er nicht mit einer Studentin ins Bett gehen sollen? Von mir aus, bitte.... bekanntlich dürften Minderjährige keinen Alkohol trinken, der Professor habe sie jedoch dazu verleitet...
Natürlich haben die meisten Studentinnen Erfahrung mit Sex, auch vor ihrem zwanzigsten Lebensjahr. Einige legen ein verführerisches Verhalten an den Tag, auch Lehrern gegenüber."

Herr Federmair, Ihnen ist schon klar, dass, wenn der Fall sich so ereignet hat, wie Sie ihn beschreiben (nämlich dass der Studentin geglaubt wurde, sie wurde nicht bloss betrunken gemacht, sondern sogar mit einer Art k.o.-Droge völlig bewusstlos gemacht), es hier nicht um "Sexualität und Sinnlichkeit", und nicht mal um sexuelle Belästigung, sondern Vergewaltigung geht?

Es gab eben zwei Versionen

Eine weitergehende Klärung wurde vonseiten der universitären Kommission unterlassen. Gegen den Professor wurde auch keine Strafanzeige erhoben. Für die Entlassung des Professors genügte es, daß er die (in Japan minderjährige) Studentin überhaupt zu sich eingeladen hatte und sie dem Folge geleistet hatte. Daß es zu sexuellem Verkehr kam, weiß ich von ihm selbst.
Selbstverständlich ist jede Vergewaltigung abscheulich, sexueller Zwang mithilfe von Drogen, Betäubungsmitteln etc. fällt unter diesen Begriff, da haben Sie recht. Mehr von den Umständen, soweit sie mir zu Ohren gekommen sind, kann ich hier nicht sagen. Vielleicht können Sie mir glauben, daß mich bis heute diverse Zweifel plagen.

als ehemalige Studentin der Uni Hiroshima

Ich weiß nicht, wie die Tatsache war. Es war vielleicht ein Fehler von ihm, aber seine Persönlichkeit soll jedoch nicht deswegen total verneint werden. Ich glaube, Herr Federmair meint auch so im Artikel. In der langen Bekanntschaft und im engen Kontakt hat der Professor nie das Symptom der Lolita-Komplex gezeigt.

als ehemalige Studentin der Uni Hiroshima

Ich kenne die beiden Professoren in dem Artikel. Es war ein Skandal. Es ist richtig, dass die beiden gefeuert wurden. Ich habe mehrmals mit Herrn Federmair darüber gesprochen. Daher bin ich sicher, dass er sie weder verteidigen noch ihre Fehler rechtfertigen will. Ich habe auch mit dem Professor in diesem Artikel darüber gesprochen, ich habe bei ihm jahrelang studiert und kenne ihn gut. Er meinte, die Frau sei freiwillig zu ihm gekommen, sie verweigerte nicht, das habe er als Zeichen empfunden, daß sie einverstanden wäre. Die Argumente sind von den beiden Seiten anders.

Na klar, wenn sie bewusstlos war, konnte sie natürlich nicht mehr verweigern.

... und das ist die reine Wahrheit, weil Frauen NIEMALS lügen, Männer aber IMMER vergewaltigen.

Also, darf ich zusammenfassen? Entweder eine Frau zieht sich aufreizend an, dann ist sie bitteschön selber Schuld, wenn sie sexuell belästigt wird. Oder aber, sie tut es nicht, dann ist sie aber keine Frau, sondern ein "geschlechtsloses Wesen".

Ein anderes Modell vom Frausein kommt in dem Kommentar nicht vor.

Das soll Ihre Zusammenfassung des obenstehenden Textes sein? Im Ernst?

ihr Wein zu trinken gegeben, der ein Betäubungsmittel enthielt

und ein universitätsprofessor verteidigt so einen menschen ?
verharmlost sein tun ?
betäuben und einvernehmlich ?
missbrauch eines autoritätsverhältnisse wird von ihm als gewünschte normalität beschrieben ?
ich bin sprachlos !

Noch einmal, kleine Lesehilfe, ich zitiere: "Der Professor sagte mir unter vier Augen, er habe eine Dummheit begangen, aber Zwang habe er keinen angewendet, die Studentin sei aus freien Stücken zu ihm gekommen."

Kleine Verständnishilfe: Ein Vergewaltiger gibt in den seltensten Fällen zu, dass er vergewaltigt hat (schon gar mit k.o. Tropfen oä.). Schon gar nicht, wenn nicht mal Anklage erhoben zu sein scheint.

Missetäter

geben meistens nicht gern ihre Missetat zu. Das ist nicht spezifisch für Sexualdelikte.

"sei aus freien Stücken zu ihm gekommen"

ja, und? rechtfertigt das in irgendeiner weise die sogenannte "dummheit", die er ja zugibt?

"aber Zwang habe er keinen angewendet": war wohl nicht mehr nötig nach dem betäuben (ob mit oder ohne drogen ist egal, alkohol reicht da völlig).

Sie sollten aufhören, Ihren unsäglichen kommentar zu verteidigen, Sie machens nur immer schlimmer:

"Um ganz genau zu sein, hätte ich in obigem Posting schreiben müssen: "dem vermutlichen Opfer". Aber dem vorsätzlichen Mißverstehen einer aufgebrachten "Gemeinde" kann man sowieso nicht entgehen."

opfer und kritikerInnen diskreditieren, ja, das zeugt von niveau. fragt sich nur, von welchem.

Ob mit oder Drogen ist keineswegs egal. Die

Wirkung von Alkohol ist bekannt, die von beigemischten Drogen kann vom Trinkenden nicht ermessen werden.

Dass viele Erlebnisse sexueller Natur mit Reden und Trinken beginnen, dürfte Ihnen unbekannt sein?

Das Vergehen/die Dummheit des Professors ist die Tatsache dass er die Minderjährigkeit des Mädchens ignoriert hat.
Eine Minderjährigkeit, die erst mit 20 endet.
Bei uns wäre hier kein "Fall" gegeben.

So erheblich ist das nicht, wenn klar ist, dass die Person "nein" gesagt oder zumindest nicht zugestimmt hat. Zum Glück geht Bewusstsein immer mehr in die Richtung, dass Lallen und Bewegungsunfähigkeit einer fast bewusstlos getrunkenen Person keine ausreichende Zustimmung ist.

Die Beweisbarkeit und Glaubwürdigkeit des Opfers bzgl fehlendem Einverständnis bzw. die Beweisbarkeit des klaren Vorsatzes des Täters ist bei k.o. Chemikalien stärker gegeben. Das macht eine Vergewaltigung einer angetrunkenen Person aber nicht zu einer geringeren Vergewaltigung - der einzige Unterschied liegt in täterfreundlicherer Beweiswürdigung bei der legalen Droge Alkohol.

1. Niemand rechtfertigt die Dummheit, nicht einmal der "Dumme" selbst. Ich schon gar nicht. Wo im Text soll das stehen?
2. Daß er Zwang angewendet hat, ist nicht erwiesen.
3. Das vermutliche (oder mutmaßliche, wie es im Justizjargon heißt) Opfer wird nicht diskreditiert.
4. Wenn ich als Schreiber des Textes von oberflächlichen Lesern vorverurteilt bin, habe ich offensichtlich keine Chance, daran etwas zu ändern. Verteidigen tu ich nichts, höchstens erklären (versuchen).

"2. Daß er Zwang angewendet hat, ist nicht erwiesen. "

Wenn er sie bewusstlos gemacht hat, brauchte er das nicht bzw. ist das Wehrlosmachen (auch rechtlich) der Zwang.

Wenn Sie als "Schreiber des Textes von oberflächlichen Lesern vorverurteilt" werden (ist sicher auch nicht diskreditierend gemeint), liegts vielleicht daran, dass der text einfacht schlecht und mißverständlich geschrieben ist.

Ihre nachträglichen relativierungsversuche wirken daher eher hilflos.

Es ist diskreditierend - und zugleich eine Tatsache.

Hier wird von manchen LeserInnen in den Text interpretiert und dann gegen diese Interpretation angeschrieben.
Das eigene Diskreditieren übernehmen hier die erwähnten LeserInnen schon selbst.

Probleme des Lesens

Liest man sich die Masse der Postings durch, kommt man zum Schluss, daß die wenigsten genau lesen, die meisten oberflächlich, viele nur ein paar Reizwörter nehmen, um ihren Senf dazu spritzen zu können, vorgefertigte Meinungen in der Regel. Mir geht es aber um Differenzierung, ich male nicht schwarz-weiß, ich lasse Zweifel und Fragen zu, ich beschreibe, urteile wenig. Außerdem berühre ich schambesetzte Zonen. Aus diesen und anderen Gründen ist es ein literarischer Text. Daß das Internet die Oberflächlichkeit der Rezeption begünstigt, merke ich leider an mir selbst. Das alles sind Symptome, die mich interessieren und beunruhigen und mir immer weiteren Stoff geben, mich daran zu reiben, nachzuforschen, weiterzuschreiben.

Probleme des Lesens

Ich denke, sie haben ihre Erfahrungen und Gedanken ziemlich neutral geschrieben, und kann (und will) ihnen keinen Strick daraus drehen.
Das Problem in Beziehungen zwischen Lehrern und erwachsenen Schülern sehe ich eher in der Benotungsfrage. Der Lehrer ist möglicherweise nicht mehr objektiv, könnte aber andererseits auch erpressbar sein. Daher sollte eine Meldepflicht für solche Beziehungen ausreichend sein, was dann ggfs. zur Folge hat, dass die Benotungen von anderen objektiven Lehrern durchgeführt werden.

Die Benotung sollte immer objektiv bzw. gerecht sein

es kann verschiedene persönliche Gründe geben, weshalb ein Lehrer dem nicht nachkommt (auch zwischengeschlechtliche). An japanischen Unis kommt das vor, spielt aber keine so große Rolle, weil die Benotung bei Lehrveranstaltungen eher pro forma ist, die Studenten bezahlen viel Geld fürs Studieren, durchfallen darf niemand. Auch darüber spricht man nicht offen, man tut so, als sei die Benotung "ernst". Wenn ich in einer Gruppe z.B. fünf Frauen und einen (vielleicht auch noch verschlafenen) Mann habe, sage ich mir immer wieder: Du mußt dich auch dem Jungen widmen. Es gibt schon so Dynamiken, daß man zu den sympathischen Mädchen hingezogen wird. Dem versuche ich entgegenzuwirken im Sinn der Ausgeglichenheit (vulgo Gerechtigkeit).

unter vier Augen,

Dort hätte es auch bleiben sollen.

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