Star-Architektin Gae Aulenti gestorben

Die Italienierin wurde als Schöpferin des Kunstmuseums Orsay in Paris international berühmt

Rom - Die bekannte italienische Architektin und Designerin Gae Aulenti starb am Mittwochabend nach langer Krankheit im Alter von 84 Jahren in ihrer Wohnung in Mailand, berichtete die Zeitung "La Repubblica" am Donnerstag. Vor gut zwei Wochen hatte sie sich bei der Verleihung eines Preises für ihr Lebenswerk zum letzten Mal in der Öffentlichkeit gezeigt. Ihre Tochter Giovanna sagte der Zeitung: "Meine Mutter war seit langer Zeit krank, doch sie hat sich so gut es ging dagegen gewehrt."

Gaetana "Gae" Aulenti, die im Dezember 1927 unweit von Udine  geboren wurde, war eine der wenigen weiblichen Architekten der Nachkriegszeit in Italien. Nach ihrem Diplom arbeitete sie als Redakteurin der einflussreichen Zeitschrift "Casabella-Continuità", dann begann eine ihre langjährige, bald internationale Lehr- und Architekturtheorietätigkeit.  In ihrer Arbeit vielseitig, wirkte Aulenti in den 1960ern maßgeblich auch im Feld des Möbeldesigns und schuf Bühnenbilder für Luca Ronconi.

Aulenti profilierte sich intenational als Expertin für das Arbeiten mit denkmalgeschützter Bausubstanz. Zu ihren prominentesten Arbeiten gehört die Umgestaltung des Pariser Bahnhofs Orsay in ein Kunstmuseum in den 1980er-Jahren. Parallel dazu gestaltete sie auch das Kunst- und Kulturzentrum George Pompidou neu.    Anschließend leitete sie in Barcelona den Umbau des Museu Nacional d'Art de Catalunya und den des Palazzo Grassi in Venedig. 1991 erhielt sie für ihre Leistungen auf dem Gebiet der Architektur den Praemium Imperiale des japanischen Kaiserhauses.  (APA, red, 1.11.2012)

Share if you care
1 Posting
Gae Aulenti zwei Mal in Wien:

1988 adaptierte sie ihre geniale Bühnengestaltung für die Rossini-Oper "Il viaggio a Reims" für die Wiener Staatsoper.
1991 entwarf sie die Architektur für die im Künstlerhaus gezeigte Mozart-Ausstellung.
Sie war eine große Architektin und herrliche Designerin, gestaltete Bühnenbilder und Kostüme für zahlreiche Theaterproduktionen (ihre letzte einschlägige Arbeit liegt erst ein paar Monate zurück), übernahm einmal sogar gleich selbst die Inszenierung einer Oper ("La donna del lago" 1981 in Pesaro), war eine wesentliche Publizistin auf ihrem Fachgebiet, und als Frau in einer lange männlich dominierten Branche ohnehin eine Pionierin sondergleichen. Und wie sie als Italienerin Funktionalität mit Schönheit zu verbinden wusste, war herrlich.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.