Republikanisches Schwergewicht auf Kuschelkurs

1. November 2012, 20:03
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Gouverneur Chris Christie lobt Obama in den Himmel

Er taumelt durch ein dunkles Zimmer, auf der Suche nach dem Lichtschalter zur Führungsstärke. Aber den kann er, den wird er in den kommenden 18 Tagen nicht finden!" Das ist Chris Christie im (gebrüllten) Originalton vor nicht einmal zwei Wochen. Zuletzt hörte sich der Gouverneur von New Jersey so an: "Ich danke dem Präsidenten persönlich für seinen Einsatz. Die Kooperation mit ihm war herausragend, dafür gebührt ihm große Anerkennung."

Die Neueinschätzung Barack Obamas durch den aufgehenden repu blikanischen Politstern mag Hurrikan Sandy möglich gemacht haben oder auch der Umstand, dass der Präsident "den verdammten Lichtschalter jetzt doch gefunden hat" (Comedian Jon Stewart). Womöglich, mutmaßen Beobachter, rechne Christie aber bereits mit einer Niederlage für Mitt Romney und wolle nun sich selbst für 2016 in Stellung bringen.

Was immer den 50-Jährigen, bei dem sich Leutseligkeit und Körperumfang die Waage halten, auf den Schmusekurs mit Obama gebracht hat, mit Sicherheit war auch ein großer Schuss Ambition dabei. Seit er Ende der 1980er-Jahre in Newark zum Doctor juris promovierte, treibt den Nachfahren schottischer, irischer und sizilianischer Einwanderer der Wille zum Aufstieg in höchste Höhen an. Er war Anwalt und Lobbyist, sammelte für George W. Bush Spenden und wurde von diesem Ende 2001 als Dank zum Oberstaatsanwalt für New Jersey ernannt. Dort profilierte er sich als Kämpfer für Law and Order, vergaß jedoch bei seiner Überprüfung durch das FBI, darauf hinzuweisen, dass er mit einem bekannten Mafioso aus New Jersey familiär verkehrte. Der Karriere tat das keinen Abbruch, 2009 gewann er das Amt des Gouverneurs in Trenton.

Seine Popularität in New Jersey verdankt der glühende Fan Bruce Springsteens seiner jovialen Art und seiner deutlichen Sprache ("Bewegt eure Ärsche vom Strand weg!"). Vor einem Jahr spielte er mit dem Gedanken, selbst als Präsident zu kandidieren. Der republikanische Adel von Nancy Reagan bis zu den milliardenschweren Koch-Brüdern soll ihn dazu gedrängt haben. Zuletzt schloss er auch die Kandidatur zur Vizepräsidentschaft aus, weil er der Ansicht gewesen sein soll, Romney könne nicht gewinnen.

Trotzdem hielt der vierfache Familienvater auf dem republikanischen Parteitag die Hauptrede. Darin sprach er vor allem über sich selber. Romney erwähnte er erst nach 16 Minuten zum ersten Mal. (Christoph Prantner /DER STANDARD, 2.11.2012)

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    Chris Christie steht hinter Barack Obama.

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