Das Bangen um das Skigebiet von St. Corona

2. November 2012, 05:30
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Das Land drohte dem Wechsel-Skigebiet das Zusperren an, nun gibt es die Hoffnung auf ein Alternativprojekt

St. Corona - "Todesstoß" schafft es auf der Liste sympathischer Wörter jedenfalls nicht in die Top Ten, mag er nun drohen, der Stoß, oder schon geführt worden sein. In St. Corona am Wechsel droht er, wie kürzlich einer Aussendung zu entnehmen war, dem dortigen Skigebiet. Und also hat der Skiclub, einer der größten in Niederösterreich, eine Unterschriftenaktion initiiert, und die Betreiber der Skischule schlossen sich klarerweise an.

Zuvor hatte das Land Niederösterreich das "Aus für den Skibetrieb" nach diesem, dem vor der Tür stehenden, Winter verkündet. "Wirtschaftlich nicht tragfähig", lautete das Urteil der zuständigen Landesrätin Petra Bohuslav (ÖVP). Dabei waren die Anlagen erst im Vorjahr von der NÖ Bergbahnen-Beteiligungsgesellschaft (NÖ-BBG) übernommen worden. Die Region hatte auf Investitionen und einen Aufschwung gehofft.

Einer der Hoffenden war Bürgermeister Josef Pichlbauer (ÖVP). "Ich bin ein Zerrissener", sagt er nun. Hin und her reißt es ihn zwischen Idealismus und Realismus. Der Idealist Pichlbauer wünscht sich, dass "der politische Wille sich doch noch ändert und man Maß nimmt an anderen Investitionen". Der Realist Pichlbauer sieht "nur wenig Chancen, eine Umkehr zu erreichen". Mit mehr als elf Millionen Euro vom Land hatte St. Corona geliebäugelt. Damit hätte sich ein langer, langsamer Einer- in einen Vierer-Sessellift verwandeln lassen, ein großer Wasserspeicherteich wäre angelegt, die Sommerrodelbahn wäre renoviert worden.

Vorgabe der schwarzen Null

Das Land allerdings hat sich die Bilanzen der jüngeren Vergangenheit angesehen und einen Abgang von jährlich mehr als 80.000 Euro festgestellt. Die Vorgabe der schwarzen Null war nicht zu erfüllen. St. Coronas Problem ist, dass das Kinderskiland und das Skigebiet nicht zusammenhängen und der Einstieg ins Skigebiet über den bereits erwähnten Einer-Sessellift oder einen Schlepplift erfolgt - beides suboptimal für jene Zwergerln, die sich im Kinderskiland bewährt haben und die erste größere Talfahrt in Angriff nehmen wollen.

Dazu kommt, dass viele Gäste aus dem Osten, Ungarn, Slowaken und Tschechen, die früher einen guten Teil der Wechsel-Skifahrer bildeten, nun ausbleiben. Bürgermeister Pichlbauer sagt: "Die einen haben nicht genug Geld. Und die, die mehr Geld als früher haben, fahren jetzt noch weiter Richtung Westen." Oder sie landen bei den unmittelbaren Konkurrenten von St. Corona, in Mönichkirchen oder am Hochkar. Dort wurden oder werden noch Millionen investiert.

Bedeutung für Klein- bis Volksschulkinder

Barbara und Dieter Pflug haben die Skischule in St. Corona 1990 übernommen. Diese ist darauf spezialisiert, Drei- bis Fünfjährigen das Skifahren bei- und nahezubringen. "Wir haben sensationellen Zulauf", sagt Dieter Pflug, doch er gibt auch zu, "dass irgendwann die Skifahrer wegbrechen, vor allem wegen des dummen Einer-Sessellifts". Laut Pflug hat das Land "ein mögliches neues Projekt auf Basis der Zahlen eines alten Projekts berechnet". Und er betont die Bedeutung von St. Corona für Klein- bis Volksschulkinder von Wiener Neustadt bis Wien. "Ich glaube, es gibt kein Skigebiet, das man von Wien aus schneller erreicht."

Mittlerweile hat sich in St. Corona eine Gruppe gebildet, die ein Alternativprojekt forcieren und das Land dafür gewinnen will. Weniger Schneekanonen, kürzerer Vierer-Sessellift, geringere Kosten. Erste Gespräche verliefen bereits relativ positiv. Plan B oder eigentlich C wäre, dass jedes Skischulkind ein Bild des Landeshauptmanns zeichnet und man ihm diese Bilder schickt. Aber vielleicht muss St. Corona ja doch nicht so weit gehen. Die Hoffnung, sie stirbt bekanntlich zuletzt. (Fritz Neumann, DER STANDARD, 2.11.2012)

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