Sido und Kaiser Vespasian

Kommentar der anderen | Georg Schildhammer
1. November 2012, 19:55

Warum der Vorwurf, der ORF missachte seinen Bildungsauftrag, haltlos ist

Es war Kaiser Vespasian, der im ersten Jahrhundert nach Christus für die Benutzung öffentlicher Toiletten erstmals Geld verlangte. Die zu jener Zeit in den Straßen Roms aufgestellten Amphoren dienten der Bevölkerung als Latrinen. Der Kaiser verfiel angesichts eigener finanzieller Bedürfnisse auf die geniale Idee, das Anfüllen der öffentlichen Pinkelbehältnisse doch gleich auch zur Befüllung der leeren Staatskassen zu verwenden, und besteuerte kurzerhand die Benutzung der Amphoren. Seinem Sohn Titus, der ob der Wahl dieser Einnahmemöglichkeit nicht nur im übertragenen Sinne die Nase rümpfte, hielt Vespasian eine Münze unter das Riechorgan und sagte: "Pecunia non olet!" Geld stinkt nicht. Es ist doch ganz egal, womit man es verdient.

Der ORF erfülle seinen Bildungsauftrag nicht, rümpfen Kritiker, wie zuletzt Österreichs Chefmathematiker Rudolf Taschner in der Tageszeitung "Die Presse", ihre Nasen. Doch dieser Vorwurf muss mit aller Vehemenz zurückgewiesen werden. ORF-Fernsehdirektorin Kathrin Zechner selbst hat soeben den Beweis angetreten, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk Österreichs willens und fähig ist, der austriakischen Plebs klassische Bildung zu vermitteln.

Der vor ca. zwei Wochen im ORF vor laufenden Kameras, also quasi coram publico, erstmals im österreichischen Fernsehen physisch verhaltensauffällig gewordene Juror der Castingshow "Die Große Chance", Sido, war von Zechner stante pede gefeuert worden, nachdem er dem zweiten großen Aushängeschild des Senders, Dominic Heinzl, einen K.-o.-Schlag verpasst hatte. Gewalt, so Zechner damals sinngemäß zu ihrer konsequenten Entscheidung, hätte im ORF nichts verloren und könne daher keinesfalls toleriert werden.

Am Mittwoch jedoch wurde überraschend bekanntgegeben, dass die Fernsehdirektorin Sido - natürlich "nach intensiven Gesprächen und reiflicher Überlegung" - eine zweite Chance, "es ist seine große, aber auch letzte", geben wolle.

Soll heißen: Sido ist ab sofort wieder mit von der Partie.

Handelte es sich bei Zechners Großmut um eine vorzeitige Weihnachtsamnestie mit christlichem Einschlag? Nein, wohl eher um die Vermittlung der klassischen, aber immer noch gültigen Idee hinter dem lateinischen Eingangszitat. Dem Rauswurf Sidos folgten nämlich nicht nur empörte Zuseherkommentare, sondern auch ein rapider Sinkflug der Quote. Dass der ORF lieber auf Moral verzichtet als auf seine Einnahmen, darf uns nicht überraschen. Pecunia non olet! (Georg Schildhammer, DER STANDARD, 2.11.2012)

Georg Schildhammer ist freier Journalist und Buchautor in Wien.

Zum Thema

Sido kehrt zur "Großen Chance" zurück

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..objektiver Artikel? Die Meinung eines profil Journalisten, die allerdings sehr lesenswert ist und zum Überdenken eigener (Vor)Urteile anregt - nicht wie der besserwisserisch angelegte und eitle standard-Kommentar.

danke für diesen link. endlich jemand, der das, was ich auch empfinde, in kluge worte zu setzen vermag und nicht in das allgemeine unmenschliche geheule nach ewiger rache und unversöhnlichkeit einstimmt.

dem rau wäre dieser peinliche kommentar mit weniger worten gelungen ...

Könnte man diesen Sido nicht auch mal mit T. Brezina zusammenbringen ? Ich muss mir grad wieder dieses unsägliche Tom Turbo Detektivclub mit den Kindern ansehen.

Der Sinn dieses Postings verschleiert sich mir:
Ich muß - mit den Kindern - ansehen ??

Werden sie von Ihren Kindern gerade erzogen?

Warum der Vorwurf, der ORF missachte seinen Bildungsauftrag, nachzuweisen und angebracht ist im Jubiläumsjahr 2012 der 200 Künstler für Friede

http://www.youtube.com/watch?v=Z1DJCUZDIvY :) 15.9.11
Aktenkundig Beweis KommAustria die Anträge nicht würdigt, Begründung Wahlanfechtung Mitwerber (=Interviewer). Spruch keine Anträge?!
http://www.rtr.at/de/m/KOA1140012013
wie bei Bescheid Anfechtung Heller Bacher Huemmer:
http://www.rtr.at/de/m/KOA140012011 selbe Wahl
Berufunginstanz: verdreht Wahrheit "Wahl wäre unter Anhörung alle unparteiischen Kandidaten vor der Wahl zustande gekommen ?!"+Frist Beschlussfassung 15.09.2011 Video,nicht 9.8.2011 Wahltag/Beschluss?
http://www.bundeskanzleramt.at/DocView.a... obId=49083
aktenkundiger Staatsanwalt Sachverhalt:
http://www.peaceartist.net/peacearti... srate.html

Der orf hat hier gar nicht so schlecht reagiert.

In sidos 1. lebensphase durfte er viel, weil er ein rebell war und nichts zu verlieren hatte.

Jetzt darf er alles, einfach, weil er reich genug ist, sich freizukaufen und auch sein umfeld zu "kaufen".

Der orf hat ihm klar gezeigt, will er zur österreichischen gesellschaft dazugehören, muss er grenzen respektieren.

Das hat ihn sicher mehr zum umdenken gebracht als eine geldstrafe.

Zum zurückholen: jeder ECHTE gewalttäter wird früher oder später wieder auf die menschen losgelassen.

ganz so leicht ist die welt nun auch nicht zu erklären

1. für seine watschn ist sido zurecht rausgeflogen
2. es ist aber zu hinterfragen, wenn der orf gewalt so sehr ablehnt - a) warum wurden die bilder von der watschn überhaupt gezeigt? b) warum wurden sie dann in chilli quasi zur fast prime time noch einmal gezeigt?
da hat der orf (un)bewusst brot und spiele inszeniert. und das volk hat brav mitgespielt

nach wie vor ist sido der beste juror in diesem kleeblatt.

gut, daß er wieder mit dabei ist, auch wenn die sendung überhaupt nicht auf meiner linie liegt.

was das hauptmotiv

der wiedereinstellung sidos war,wissen wir nicht.der autor äußert eine vermutung,stellt sie aber als tatsache hin.
daß das "zuschlagen" damit hoffähig gemacht wurde glaube ich nicht.der sido hat übrigens nach dem vorfall keinen fehl mehr gemacht u. im internet seinen fehler sofort eingestanden.

Zitat format: "Die attacke des rappers sido auf heinzl wirft ein schlaglicht auf die heimische melange aus freunderlwirtschaft und journalismus".

Um das gehts hier, davor haben alle angst, allen voran die politiker.
Also bitte, nicht in die selbe kerbe schlagen, sondern objektiv bleiben und die sache so sehen, wie sie gewesen ist.

Sowohl sido als auch heinzl haben dinge gemacht, die nicht gesellschaftsfähig sind, und man will viel ärgeres damit kaschieren.

Arrogante Bildungshuberei vs. Recht auf Proletentum?

Mein Kommentar war, was den "Bildungsauftrag des ORF" betrifft, ironisch gemeint. Weder bin ich der Meinung, dass dieser zur Gänze erfüllt, noch jener, dass er komplett vernachlässigt wird. Meine Kritik richtete sich ausschließlich darauf, dass ein Moderator, der einen anderen Moderator (nicht live, aber) vor laufenden Kameras schlagen und beschimpfen ("Deine Mutter ist eine Hure!") darf, ohne dafür endgültig rausgeworfen zu werden. Es ist eine Sache, Nachrichten und Spielfilme mit Gewalt zu zeigen, eine andere, reale Gewalttätigkeiten zu tolerieren. Meine Position hat nichts mit "arrogantem Bildungsbürgertum" zu tun, das "einfache Menschen" wie Sido nicht zum Zug kommen lassen will, sondern damit: Gewalttäter haben im ORF nichts verloren.

Auch wenn sie es relativieren sie kommen arrogant und als Besserwisser rüber. Es zeigt von einer eingeschränkten Wahrnehmungsfähigkeit den Kulturauftrag auf eine einzige Unterhaltungssendung zu reduzieren

Sido IST aber kein gewalttäter.

Diese lächerliche geschichte wird von den medien aufgegriffen, weil medien einfach so sind.

Aber autoren, die keinem zwang folgen müssen, die können doch einen klareren blick haben als krone und co.

Dem Heinzl müßte man eigentlich täglich eine in die G..... hauen,

aber natürlich nur im übertragenen Sinn. Sido hat´s tatsächlich gemacht und das ist nicht ok. Aber nicht jeder kann immer verbaler Gewalt verbal begegnen.

Und Jetzt

Den Hainzl weg und schaun was die Quote macht :-D

ich hab den heinzl gestern aber eh nirgends gesichtet. wirkt der an dieser sendung überhaupt mit?

nein, eigentlich nicht. höchstens hinterher durch interviews, glaub ich. bei der gelegenheit ist er ja vor 14 tagen auf sido getroffen.

Kommen Schlägertypen bei den Österreichern besser an?

Gleich vorweg: Ich schaue diese Sendung nicht

...und habe mir auch online das Video Sido vs. Heinzl nicht angesehen. Das Ganze geht mir ganz und gar am A*sch vorbei...

Was ich mich allerdings ob dieses Kommentars trotzdem frage: Was hat es mit dem Bildungsauftrag des ORF zu tun, ob Sido jetzt gefeuert wird oder nicht?

Sido hat mehrmals lauthals

die Mutter von Heinzl als Hure beschimpft.

Das soll okay sein?

Selbst wenn sie eine Prostituierte wäre, geht das weder den Sido noch irgendeinen Zuhörer im ORF was an.

Natürlich, man muss sicherlich niemandes Mutter eine Hure nennen, das heiße ich ja gar nicht gut. Aber was bitte hat denn eine Sendung wie "Die Große Chance" mit dem Bildungsauftrag des ORF zu tun? Diesem Anspruch genügt das Programm ja von vornherein schon nicht, was hilft da der Hinauswurf eines Herrn Sido...

man müßte halt diesen *bildungsauftrag* überhaupt einmal definieren.

Man braucht sichtlich eine distanz, um die richtigen worte zu finden.

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