Der Winter kommt auf die sanfte Tour daher

2. November 2012, 05:30
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Der erste Schnee im Flachland hat Wintersportlern Gusto und der Skibranche wieder Hoffnungen gemacht. Der Wunsch nach unabhängigem Skifahren ist groß. Dieses Verlangen weiß die Wirtschaft zu schätzen - und mit Tourenski-Ausrüstung zu stillen.

Schladming/Wien - Es war schon auch eine Prestigesache. Am vergangenen Dienstag, exakt 97 Tage vor Beginn der Ski-WM, startete Schladming als eines der ersten Skigebiete in den Alpen abseits der Gletscher in den Winter. Dafür musste die Piste auf der Märchenwiese freilich auch ordentlich maschinell beschneit werden. Am Mittwoch folgte die Turracher Höhe an der Landesgrenze zwischen Kärnten und der Steiermark mit der Inbetriebnahme des ersten Liftes.

Der erste Wintereinbruch in den Bergen vor gut einer Woche war nur von kurzer Dauer. Aber er ließ Liftbetreiber auf dem Berg und die Skifirmen im Tal gleichermaßen aufatmen. "Da reichen wirklich überzuckerte Berge, und die Leute kaufen ein. Da geht es um Emotionen", sagt Siegfried Rumpfhuber, der Geschäftsführer von Kästle, dem STANDARD.

Harter Winter

Gerettet ist die Saison der Skibranche damit natürlich noch lange nicht. "Der vergangene Winter war sehr hart. Da braucht man nichts schönzureden", sagt Rumpfhuber. Da die meisten Kaufentscheidungen von November bis Weihnachten fallen, ist der Sportfachhandel auf frühen Schnee angewiesen. "Im Vorjahr ist das Geschäft flachgefallen, weil Konsumenten bei der Warmwetterperiode von Oktober bis Ende Dezember aber sowas von keine Lust hatten, neue Ski zu kaufen." Die Schneemassen ab Jänner haben die Wintersportler entzückt, für Skifirmen war die Saison aber schon gelaufen.

Die fetten Jahre für die Skikonzerne sind vorbei. Führte der Carving-Boom vor fünf Jahren noch dazu, dass weltweit fast fünf Millionen Paar Ski verkauft wurden, rechnet Wolfgang Mayrhofer, Branchensprecher und Chef von Weltmarktführer Atomic, in dieser Saison mit etwa 3,1 Millionen. "Das ist aber die Talsohle."

Sanfte Skitouren

Wachstumspotenziale sehen die Skifirmen vor allem abseits des klassischen Massenskilaufs. "Skitouren sind mehr als ein Trend", sagt Rumpfhuber. Dabei sind weniger Expeditionen im ausgesetzten, hochalpinen Gelände gemeint, die Lawinengefahren bergen und entsprechendes Fahrkönnen, Wissen sowie Sicherheitsausrüstung voraussetzen. Sanfte Skitouren lassen sich für Hobbysportler weit weniger gefährlich absolvieren: bergauf und bergab auf gesicherten Pisten oder auf Forstwegen. Seilbahnbetreiber und Grundstücksbesitzer in den Skigebieten sind mit dem Trend zum unabhängigen Winterwandern, das die Liftkarte obsolet macht, nicht gerade glücklich.

"In Innsbruck etwa gehen am Abend schon einmal sechs- bis siebenhundert Sportler den Patscherkofel mit Stirnlampen hinauf", sagt Rumpfhuber. Das Problem: Die Tourengeher nützen die frisch präparierte Piste auch für eine geniale Abfahrt. Darunter leidet die Pistenqualität für die Skifahrer am nächsten Tag erheblich, wenn die Spuren über Nacht zufrieren. "Da sind in einigen Skigebieten noch viele Gespräche mit Seilbahnbetreibern, Bergführern und Tourengehern nötig, um eine Lösung zu finden", sagt Rumpfhuber. Als Vorreiter für ein gemeinsames Miteinander hat sich das Pillerseetal etabliert, das Skitouren auf ausgewiesenen Forststraßen, Wanderwegen und auch auf Pisten erlaubt.

Tourengeher, die sich lieber mit unverspurten Abfahrten in einer ruhigen, tiefverschneiten Landschaft belohnen, werden ebenfalls mehr und mehr. Sie teilen sich den Pulverschnee abseits der gesicherten Pisten mit Freeridern, die fürs Hinaufkommen auch auf Lifte setzen. Die Gefahren im freien Gelände werden mit der Zunahme der Sportler im Hinterland aber nicht weniger.

Auf Nummer sicher

So setzen Skigebiete wie das Kitzsteinhorn oder Sportgastein bereits auf Leit- und Informationssysteme für Freerider. Auf einer Infotafel auf dem Berg werden verschiedene Routen und auch der aktuelle Lawinenlagebericht angezeigt. Zudem wird auf spezielle Gefahren am Berg hingewiesen. Über einen Checkpoint kann auch die Funktionalität des eigenen Lawinensuchgeräts getestet werden. Entwickelt hat die Infobase der Unternehmer und Freerider Volker Hölzl. (David Krutzler, DER STANDARD, 2.11.2012)

  • Skitouren im freien Gelände haben Zulauf.
    foto: thomas rottenberg

    Skitouren im freien Gelände haben Zulauf.

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