Krisenmanager Obama bringt Romney unter Druck

1. November 2012, 18:08
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Gute Noten für Performance des Präsidenten während des Hurrikans

Acht von zehn Amerikanern finden, dass der Präsident in der Sandy-Katastrophe eine gute Figur gemacht hat. Nach dem Kriseneinsatz machen sich die Kandidaten auf in die letzten 100 Stunden dieses amerikanischen Wahlkampfes.

 

Mit dem Abflauen Sandys am Donnerstag nahm der US-Wahlkampf wieder an Fahrt auf: Präsident Barack Obama startete nach seinem Unwettereinsatz eine Tour durch die Swing-Staaten Nevada, Colorado, Wisconsin und Ohio. Sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney war bereits am Mittwoch wieder auf Wahlkampfreise durch Florida, beschränkte sich dort allerdings auf eher leise Töne und vermied es, den Präsidenten direkt anzugreifen.

Obama erlangte durch sein Krisenmanagement wieder das, was er nach der ersten TV-Debatte gegen Romney Anfang Oktober verloren zu haben schien: nämlich präsidenzielle Statur. Tatkräftig unterstützt wurde er dabei von einem seiner größten Kritiker, dem Gouverneur von New Jersey, Chris Christie. Der dankte dem Präsidenten so oft und überschwänglich, dass das Politik-Portal politico.com über eine "Sandy-Liebesaffäre zwischen Christie und Obama" schrieb. Laut einer Umfrage der Washington Post waren acht von zehn Amerikanern mit dem Krisenmanagement des Präsidenten zufrieden.

Positive Botschaft

Für die letzten knapp 100 Stunden dieses Wahlkampfes hat sich Obama vorgenommen, mit einer positiven Botschaft durch das Land zu ziehen. "Wir werden natürlich herausstreichen, was zur Wahl steht. Aber wir werden auch vorausschauen, die Zukunft beschreiben", erklärte der Chef-Stratege des Präsidenten, David Axelrod. "Forward" (Vorwärts) ist dessen Wahlslogan in diesem Jahr.

Obamas Kampagnenmanager Jim Messina sagte, er investiere jeden Dollar an Spenden, der jetzt noch hereinkomme, in das "ground game" und nicht in TV-Spots. Mehr als Fernsehwerbung sei in den letzten Tagen wert, die Wähler an die Urnen zu bekommen: "Die Interaktion zwischen unseren Quartierkapitänen, deren Freunden und Nachbarn wird die Menschen schlussendlich überzeugen."

Bei den Republikanern dagegen schienen die Nerven blank zu liegen. Ein Demoskop aus dem Lager Romneys tat eine Umfrage der Quinnipec-Univerität und der New York Times als "Mist" ab, die dem Präsidenten in Ohio einen klaren Vorsprung von fünf Punkten voraussagte (50 zu 45 Prozent Zustimmung). Ohio gilt mit seinen 18 Wahlmännerstimmen als der entscheidende Bundesstaat in diesem Wahlkampf. Verliert Romney diesen, sinken seine Chancen auf 270 Wahlmänner und den Einzug ins Weiße Haus drastisch.

Gute Arbeitsmarktdaten

Für Freitag werden auch die Oktoberzahlen für den amerikanischen Arbeitsmarkt erwartet. Experten gehen in Prognosen davon aus, dass im vergangenen Monat zwischen 110.000 und 130.000 Jobs neu geschaffen worden sind. Die private Arbeitsvermittlung ADP sprach am Donnerstag sogar 158.000 neuen Stellen, das wäre das größte Jobwachstum seit acht Monaten in den USA. Die Arbeitslosenrate sollte weiterhin unter acht Prozent liegen und allenfalls leicht steigen - von 7,8 auf 7,9 Prozent.

Das sind gute Nachrichten für Obama, die sich auch bei einem weiteren wichtigen Indikator fortsetzen: Im Oktober sei die Zahl der Neuwagenverkäufe um elf Prozent gestiegen, schätzen Autoanalysten. Sie gehen von einem Jahresvolumen von 14,9 Millionen verkauften Autos für 2012 aus, das ist der beste Wert seit 2007. Profiteure sind vor allem japanische Marken, aber auch die großen US-Konzerne legten zu. Die Kfz-Verkaufszahlen gelten als ein wichtiger Hinweis auf die Betriebstemperatur der US-Verbraucher.

Die Autoindustrie ist auch ein wichtiges Wahlkampfthema. Vergangene Woche hatte Romney in Ohio behauptet, dass Chrysler die gesamte Jeep-Produktion von Michigan, Illinois und Ohio ins Ausland verlegen wolle. Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne dementierte das persönlich. Romney hängt in der stark von Autoproduktion und Zulieferindustrie geprägten Region an den Großen Seen im Wahlkampf nach, dass er in einem Gastkommentar für die New York Times die Ansicht vertreten hatte, die großen US-Autokonzerne doch pleitegehen zu lassen statt sie wie Obama mit staatlicher Milliardenhilfe zu stützen. (Christoph Prantner /DER STANDARD, 2.11.2012) 

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    Obama spendet Trost.

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    Ein Kandidat unter Kürbissen: Mitt Romney vermied es während der von Sandy geprägten Halloween-Tage, den Präsidenten direkt anzugreifen. 

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