Nach Management-Umbau: Apple-Aktie weiter im Sinkflug

1. November 2012, 11:14
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Unsicherheit um "Team Cook" - stärkster Wertverlust seit 2008

Der Umbau in Apples Führungsetage zeigt an der Börse erste Folgen. Die Aktie des Konzerns aus Cupertino notierte zum gestrigen Handelsschluss der Wall Street bei 595,32 Dollar und hat innerhalb eines Monats ein Zehntel ihres Werts verloren - der größte Verlust seit 2008 innerhalb dieses Zeitraums.

Talfahrt trotz iPhone 5 und iPad Mini

Gleichzeitig ist es der tiefste Wert für die Anteile innerhalb der letzten drei Monate. Im September war der Kurs der Apple-Aktien im Vorfeld des iPhone 5-Launch noch knapp über die 700-er Marke, auf 705 Dollar geklettert. Die Entwicklung konnten seither auch die Veröffentlichung des iPad Mini sowie neuer MacBook- und iMac-Modelle nicht aufhalten.

Beobachter von Umbau überrascht

Für Überraschung sorgte Firmenchef Tim Cook mit den jüngsten Personalentscheidungen allemal. Chief Mobile Software Architect Scott Forstall, der seit 15 Jahren für den aktuell wertvollsten Technologiekonzern der Welt tätig ist, musste seinen Hut nehmen. Er wird Tim Cook, zumindest ein Jahr lang, nur noch als Berater zur Verfügung stehen. Auch Retail-Chef John Browett, seines Zeichens erst seit einem halben Jahr auf diesem Posten, musste gehen.

Viele Agenden von Forstall liegen nun bei Craigh Federighi, Leiter der Mac-Software-Abteilung. Auch Internet-Manager Eddy Cue und Designikone Jonathan "Jony" Ive haben nun mehr Verantwortung zu tragen.

Gerüchte um Streitigkeiten

Der Werteinbruch ist jedenfalls hausgemacht. Zur Unsicherheit nach dem Tod von Steve Jobs, ob Tim Cook dem Erfolg eines Vorgängers gerecht werden und den Zusammenhalt im Unternehmen sichern könnte, sowie hartnäckigen Gerüchten rund um interne Querelen, fordern ihren Tribut. So sollen sich Forstall und Cook darüber gestritten haben, ob Apple sich für die zahlreichen Probleme mit der neuen Kartensoftware von iOS 6 öffentlich entschuldigen sollte.

Obwohl das iPhone 5 von der Presse hoch gelobt wurde und sich besonders in den USA gut verkauft, hat der Konzern zudem die Erwartungen der Analysten für das dritte Quartal untertroffen. Die Investoren sind verunsichert. "Der plötzliche Abschied von Forstall hilft nicht gerade", meint dazu Marktforscher Shaw Wu von Sterne Agee. "Jetzt gibt es etwas Unsicherheit im Management."

Die Geldgeber verfolgen nun gespannt das iPad Mini. Nachdem Steve Jobs vor einiger Zeit noch ausgeschlossen hatte, dass es ein kleines Tablet von Apple geben würde (die sieben Zoll-Klasse nannte er "Totgeburt"), lancierte Apple vergangenen Monat nun doch eine kleinere Ausgabe seines marktführenden Tablets - und hat damit nun seinen Rückstand auf Google und Amazon in diesem Segment aufzuholen.

Cue soll Maps-Desaster bereinigen

Die personellen Änderungen geben aber auch Grund zur Hoffnung. Eddy Cue gilt intern als Problemlöser. Sein von iTunes auf alle Onlinedienste inklusive Apple Maps erweitertes Aufgabengebiet bedeutet die zweite Beförderung innerhalb eines Jahres. Ihm obliegt es nun, die "Mapocalypse" vergessen zu machen und Siri weiterzuentwickeln.

Gleichzeitig darf Ive nun nicht mehr nur Geräte konzipieren und designen, sondern sich auch im Softwarebereich austoben. Sein Schwerpunkt wird auf Benutzeroberflächen liegen. Dazu bleibt Phil Schiller im Marketing eine Konstante und Cheftechniker Mansfield verschiebt seinen Pensionsantritt und wird weiter die Teams für Drahtloskomponenten und Halbleiter anführen.

Federighi, Ive und Cue als "Team Cook"

Trotzdem wiegt besonders der Abgang von Forstall schwer, wie weitere Analysten betonen. Für ihn war möglicherweise aber kein Platz im "Team Cook". Während ihm der Erfolg Recht gab, soll sein arbeits- und Führungsstil nicht selten Anlass für Kritik gewesen sein. Oft soll es Reibereien zwischen Forstall und anderen hochrangigen Firmenvertretern gegeben haben, wobei er dazu geneigt haben soll, viel zu versprechen und zuwenig zu liefern. Jetzt sind es Federighi, Ive und Cue, die die Richtung für iOS vorgeben.

Alle drei haben bislang Bemerkenswertes für Apple geleistet und haben folglich nicht umsonst viele Stufen auf der internen Karriereleiter erklommen. Die Hauptlast trägt allerdings Senior Vice President Jonathan Ive, wie eine mit Apple vertraute Person gegenüber Reuters erklärt. "Es gibt niemand anderen, der einen solchen Design-Fokus ins Team bringt. Er ist unverzichtbar für sie." (Reuters/red, derStandard.at, 01.11.2012)

 

  • Im Zentrum des Personalumbaus: Star-Designer Jonathan Ive.
    foto: apple

    Im Zentrum des Personalumbaus: Star-Designer Jonathan Ive.

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