Falsche Besucherzahlen, verlorene Objekte

1. November 2012, 11:23

Der Rechnungshof kritisiert die Gebarung des Museums für angewandte Kunst

Wien - Falsche Besucherzahlen, verlorene Kunstobjekte und teure Dienstreisen kritisiert der Rechnungshof (RH) laut "Kurier"  in einem aktuell kursierenden Rohbericht über die Gebarung des Museums für Angewandte Kunst (MAK). Ex-MAK-Direktor Peter Noever war im Vorjahr nach 25-jähriger Amtszeit wegen der Ausrichtung privater Geburtstagsfeiern bzw. falscher Abrechnungen entlassen worden, wogegen er derzeit gerichtlich vorgeht.

Noever kann laut einer der APA übermittelten Stellungnahme "die in der Berichterstattung gegen ihn erhobenen Vorwürfe jederzeit entkräften". Deshalb habe er auch den Weg der Befassung unabhängiger Gerichte gewählt. Den Rohbericht des Rechnungshofs über die MAK-Gebarung habe er weder zu Gesicht bekommen noch Gelegenheit erhalten, dazu Stellung zu nehmen, so Noever. Die vom RH angesprochenen Veranstaltungen seien sehr wohl dem MAK zugute gekommen und hätten auch erhebliche Sponsorleistungen bewirkt.

Dienstreisen

Laut dem Rechnungshof-Rohbericht wurden im Jahr 2010 fast die Hälfte der damals rund 186.000 Besucher unrechtmäßig angeführt. Unter anderem wurden rund 7.000 "Besucher" eingerechnet, die das Museum über den Personaleingang betraten - offenbar als Lieferanten und Mitarbeiter. Auch rund 70.000 Besuche von Veranstaltungen im MAK fanden Eingang in die Besucherstatistik.

Außerdem konnte das MAK dem RH nicht mitteilen, wo sich Tausende Objekte des Hauses befinden. 1.600 Asiatika, 2.800 Objekte aus dem Bereich Metall/Wiener Werkstätte, 2.200 Objekte aus dem Bereich Holz waren mit Standort "unbekannt" in verschiedenen, einander widersprechenden Datenbanken eingetragen. Offenbar wurden nach einer Inventur 1999 außerdem dem Kulturministerium eine "unvollständige und unrichtige Information" über Erfassung und Standort des Sammlungsguts übermittelt.

Auch die Vorliebe Noevers für Dienstreisen findet Eingang in den Rohbericht. Seit der Ausgliederung des MAK zur Jahrtausendwende unternahm er im Schnitt 23 Dienstreisen pro Jahr und verbrachte 79 Arbeitstage pro Jahr im Ausland, das ist mehr als ein Drittel der Dienstzeit. Die Dienstreisekosten für MAK-Mitarbeiter stiegen zwischen der Periode 1995-1999 und 2001-2010 um 785 Prozent. Auffällig: Bei einem Abendessen Noevers mit Stipendiaten der MAK-Dependance in Los Angeles wurden von acht Personen offenbar 58 Flaschen alkoholischer Getränke konsumiert, die von Noever dem MAK verrechnet wurden.

Rohbericht

Gestiegen sind zwischen 2001 und 2010 auch die Gesamt-Aufwendungen für das MAK-Direktorium - und zwar um 58 Prozent. Der wissenschaftliche Bereich bekam im gleichen Zeitraum dagegen um nur 14 Prozent mehr, die Restaurierung um 2,3 Prozent. Noever selbst erhielt neben seinem Direktorengehalt auch noch einen "leistungsbezogenen Zuschlag" von 20 Prozent, für den allerdings keinerlei Leistung vorausgesetzt wurde.

Auch bei den jeweiligen Verlängerungen seines Vertrags wurde nicht so genau hingeschaut. Seit 2000 seien laut RH die Verlängerungen "rechtswidrig" ohne öffentliche Ausschreibungen erfolgt. Der Rohbericht wurde nun dem MAK und dem Kulturministerium übermittelt, deren Anmerkungen werden in den Endbericht eingearbeitet.

Grüne: "Begleitende Kontrolle hat versagt"

Im RH-Rohbericht  sind deutliche Hinweise enthalten, dass das zuständige Kulturministerium bereits seit längerem über Ungereimtheiten in der Gebarung informiert gewesen war. So wird aus einem im Jahr 2008 verfassten Schreiben des Ministeriums an das Museum zitiert, in dem festgehalten wurde, es verfestige sich der Eindruck einer Vermischung aus privaten und institutionellen Aktivitäten im Zusammenhang mit der in Los Angeles betriebenen Expositur. Das MAK war offenbar nicht in der Lage, diesen Verdacht anhand aussagekräftiger Aufzeichnungen zu entkräften. Zudem habe das Ministerium nach heftigem Hin und Her über mangelnde Unterlagen dem Museum in einem Jahr sogar keine schriftliche Entlastung ausgestellt, heißt es in dem Rohbericht.

"Beispiele wie diese zeigen, dass im MAK die begleitende Kontrolle ganz offenbar versagt hat", kritisiert der Kultursprecher der Grünen, Wolfgang Zinggl, im Gespräch mit der APA.  Er fordert, "die kontrollierenden Organe vom Kuratorium bis zur Ministerin" mögen in Zukunft ihre Kontrollaufgaben ernster nehmen mehr als bisher. "Eine Möglichkeit, besser zu kontrollieren, besteht außerdem im häufigeren Wechsel der Direktionen", so Zinggl, der in dem Bericht (in dem vor Veröffentlichung Stellungnahmen des Museums eingearbeitet werden) alle von ihm bereits im Dezember 2010 erhobenen Vorwürfe bestätigt sieht.

Den offenbar besonders guten Draht Noevers zu öffentlichen Geldgebern zeigt auch die Verdoppelung eines ministeriellen Zuschusses für Stipendien im Rahmen des vom MAK betriebenen Schinder-Hauses in Los Angeles in den Jahren 2000 und 2001. Der Rechnungshof fand keine plausiblen Unterlagen, die nachvollziehbar gemacht hätten, weshalb statt den vom Museum geforderten 400.000 Euro schließlich das Doppelte zur Auszahlung gelangt sei.   (APA, 1.11.2012)

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23 dienstreisen pro jahr - alle ins ausland? wird angedeutet, geht aber aus dem artikel nicht genau hervor. zu den besucherzahlen: es ist usus, veranstaltungsbesucher zu zählen, das machen viele museen und kunsthallen so. 58 flaschen für 8 leute? wahrscheinlich 0,3er flaschen bud light. macht etwa 7 kleine spülwasserbier pro person. bei einem längeren essen ist das wohl kein problem. die budgeterhöhungen? wenn grad kurz vorher die budgets der restaurierung erhöht wurden, die des direktoriums aber ewig nicht, oder das direktorium mehr projekte direkt fördern wollte, einfach zu erklären.

keine rechtfertigung, ich meine nur, dass man solche berichte schon ein bisserl erklären und hinterfragen muss.

Laut Kurier waren's ~70€ pro Person. Also eher keine 0,3er Flaschen Bud light.

die paar flascherln sind doch pipifax. vielmehr ist ein 20%er leistungszuschlag ohne genaue leistungsspezifikation ein wahnsinn.

lesen den bericht im kurier dazu. da bekommens die gogerlphrasen.

Letztere vielleicht auch, aber schreibt man nicht "Bogerlfraß" ?

letztendlich wird da ein schwerer systemfehler sichtbar, der ja in den meisten öffentlich geförderten bereichen zu finden ist. war es herr Spindelegger der auf die frage eines journalisten, ob man für ein ministeramt nicht spezielle kenntnisse erfordere, antwortete?: "dafür hat man berater". so werden wir täglich darüber informiert, an welch sinnlosen ecken steuergeld verschwendet wird, und an wie vielen stellen das notwendigste nie ankommt! weil sich die geldverteiler oft fachlich NICHT auskennen. weil oft stellen besetzt werden, mit leuten die inkompetent und unsicher sind, diese dadurch abhängig sind und damit politische seilschaften funktionieren. das ist so schade für die grandiosen möglichkeiten, die eigentlich gegeben wären.

wann bitte stehen BM schmied und ihre zuständigen "experten" endlich vor gericht ?

eins nach dem anderen.

aber die jubelausstellung für den -jetzt- verstorbenen

grossen führer nordkoreas war doch geil und sowas von leiwand

Ihr Text ist offenbar dem Sinngehalt Ihres nicknames geschuldet

weil sonst kämen einige Fragen auf . . .

ihnen ist die ausstellung zum ruhme des

verstorbenen nordkoreanischen diktators entweder entgangen, oder sie finden nichts dabei, dass der umjubelte zehntausende seiner landsleute verhungern liess.

Weiters forderte er durch seinen Dienstvertrag nicht abgegoltene Leistungen in Höhe von bis zu 7,3 Millionen Euro

http://kurier.at/kultur/45... noever.php

ähhh?

Das traurige ist ja,

...dass von dem vielen Geld bei den Künstler_innen meist nur ein Bruchteil ankommt. Die großen Beträge versickern in den Institutionen. Wie man an diesem Beispiel mal wieder gut sehen kann. Mich würde interessieren wie viel von den 800.000 Euro für das Schindler Haus in LA tatsächlich an die Künstler_innen ging...und wieviel an Noever, Kurator_innen, etc...

Dazu kommt noch, dass dieser Bruchteil

wiederum nur bei einem Bruchteil von Künstlern ankommt - nämlich jenen, die zur Entourage gehören.

Wie ist eigentlich seine Abfertigungsgeschichte ausgegangen?
http://diepresse.com/home/kult... o-vom-MAK-

noch gar nicht, ist noch anhängig

Und das Beste ist ja noch, dass sich das MAK immer ganz besonders als linksstehend hervor getan hat und sich dabei wohl als bessere Menschen fühlten. Ja, ganz nach kommunistischer Art: Wir, die Funktionäre des Staates sahnen jetzt mal ordentlich ab und das Volk, ja, ähm, also... soll bleiben, wo der Pfeffer wächst. Aber ihr seid alle gleich. Gleich arm.

das soziale

eitelkeit ist der residuale restposten des sozialen.
ein grosses EGO braucht eben einen grossen rahmen,
egal wer diesen finanziert. ich stehe nicht an, hrn.
Noever in diesem sinn als bedeutendsten sozialarbeiter
österreichs zu bezeichnen.
PS. früher war hr.N. möbelhändler. ich habe einige
stücke bei ihm gekauft und sie stehen noch immer
in meiner wohnung. paranormale ( schwund- ) kräfte
sind also, was den privaten bereich angeht, aus-
zuschliessen.

aus einem aelteren artikel. habe die ganze zeit gesucht, wer das ins rollen anscheinend brachte und deswegen erst recht wieder angegangen wurde.

http://derstandard.at/plink/128... id18598829

und hier auch der artikel, der vieles ins rollen brachte.
aufgedeckt oder besser gesagt zur nachricht gemacht, natuerlich von den gruenen, wie so oft....

http://www.falter.at/falter/20... te-kaiser/

A Glaserl - a Naserl

Mich würde ja interessieren, wie viele Personen, die sich hier als Rächer aufspielen, jemals im MAK waren. Wahrscheinlich wissen die meisten nicht einmal, wo sich dieses Museum befindet.

Es ist vollkommen egal, ob hier jemand im MAK war oder nicht. Es ist unfassbar, wie dreist jemand wie er nur so mit Steuergeld um sich wirft. Aus meiner Sicht gehört so jemand hinter schwedische Gardinen.
Im übrigen war sein Erfolg, was die Besucherzahlen angeht, offenbar genauso katastrophal. Sich dafür auch noch fürstlich belohnen zu lassen und das immer mehr, steigert die Chuzpe nur noch mehr.

Aus meiner Sicht, sind da einige Vorwürfe schlicht verrückt. Oder glauben sie allen Ernstes, der Noever hat 7.000 Museumsgegenstände gestohlen und zu Hause gebunkert oder irgendwem geschenkt. Also das ist doch hanebüchener Blödsinn, der auch aus meiner Sicht, aufgeklärt gehört.

wo die kunstgegenstände sind ist wurscht. er ist für das inventar verantwortlich, bzw. hat zu kontrollieren wo was zu sein hat. wenn er das nicht kann, so muss er es halt delegieren und nachkontrollieren.

Davon weiß ich nichts. Ob und wo diese Gegenstände verloren gegangen, verschenkt, verkauft oder gestohlen worden sind. Aber das wird sich doch wohl aufklären lassen! Es wird ja wohl hoffentlich Aufzeichnungen dazu geben. Und die zahlreichen Mitarbeiter werden ja wohl hoffentlich nicht blind und taub sein.
Nun, wie auch immer, das macht es nicht besser. Die ganze Sache stinkt gewaltig und gehört aufgeklärt und aufgearbeitet.

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