Falsche Besucherzahlen, verlorene Objekte

Der Rechnungshof kritisiert die Gebarung des Museums für angewandte Kunst

Wien - Falsche Besucherzahlen, verlorene Kunstobjekte und teure Dienstreisen kritisiert der Rechnungshof (RH) laut "Kurier"  in einem aktuell kursierenden Rohbericht über die Gebarung des Museums für Angewandte Kunst (MAK). Ex-MAK-Direktor Peter Noever war im Vorjahr nach 25-jähriger Amtszeit wegen der Ausrichtung privater Geburtstagsfeiern bzw. falscher Abrechnungen entlassen worden, wogegen er derzeit gerichtlich vorgeht.

Noever kann laut einer der APA übermittelten Stellungnahme "die in der Berichterstattung gegen ihn erhobenen Vorwürfe jederzeit entkräften". Deshalb habe er auch den Weg der Befassung unabhängiger Gerichte gewählt. Den Rohbericht des Rechnungshofs über die MAK-Gebarung habe er weder zu Gesicht bekommen noch Gelegenheit erhalten, dazu Stellung zu nehmen, so Noever. Die vom RH angesprochenen Veranstaltungen seien sehr wohl dem MAK zugute gekommen und hätten auch erhebliche Sponsorleistungen bewirkt.

Dienstreisen

Laut dem Rechnungshof-Rohbericht wurden im Jahr 2010 fast die Hälfte der damals rund 186.000 Besucher unrechtmäßig angeführt. Unter anderem wurden rund 7.000 "Besucher" eingerechnet, die das Museum über den Personaleingang betraten - offenbar als Lieferanten und Mitarbeiter. Auch rund 70.000 Besuche von Veranstaltungen im MAK fanden Eingang in die Besucherstatistik.

Außerdem konnte das MAK dem RH nicht mitteilen, wo sich Tausende Objekte des Hauses befinden. 1.600 Asiatika, 2.800 Objekte aus dem Bereich Metall/Wiener Werkstätte, 2.200 Objekte aus dem Bereich Holz waren mit Standort "unbekannt" in verschiedenen, einander widersprechenden Datenbanken eingetragen. Offenbar wurden nach einer Inventur 1999 außerdem dem Kulturministerium eine "unvollständige und unrichtige Information" über Erfassung und Standort des Sammlungsguts übermittelt.

Auch die Vorliebe Noevers für Dienstreisen findet Eingang in den Rohbericht. Seit der Ausgliederung des MAK zur Jahrtausendwende unternahm er im Schnitt 23 Dienstreisen pro Jahr und verbrachte 79 Arbeitstage pro Jahr im Ausland, das ist mehr als ein Drittel der Dienstzeit. Die Dienstreisekosten für MAK-Mitarbeiter stiegen zwischen der Periode 1995-1999 und 2001-2010 um 785 Prozent. Auffällig: Bei einem Abendessen Noevers mit Stipendiaten der MAK-Dependance in Los Angeles wurden von acht Personen offenbar 58 Flaschen alkoholischer Getränke konsumiert, die von Noever dem MAK verrechnet wurden.

Rohbericht

Gestiegen sind zwischen 2001 und 2010 auch die Gesamt-Aufwendungen für das MAK-Direktorium - und zwar um 58 Prozent. Der wissenschaftliche Bereich bekam im gleichen Zeitraum dagegen um nur 14 Prozent mehr, die Restaurierung um 2,3 Prozent. Noever selbst erhielt neben seinem Direktorengehalt auch noch einen "leistungsbezogenen Zuschlag" von 20 Prozent, für den allerdings keinerlei Leistung vorausgesetzt wurde.

Auch bei den jeweiligen Verlängerungen seines Vertrags wurde nicht so genau hingeschaut. Seit 2000 seien laut RH die Verlängerungen "rechtswidrig" ohne öffentliche Ausschreibungen erfolgt. Der Rohbericht wurde nun dem MAK und dem Kulturministerium übermittelt, deren Anmerkungen werden in den Endbericht eingearbeitet.

Grüne: "Begleitende Kontrolle hat versagt"

Im RH-Rohbericht  sind deutliche Hinweise enthalten, dass das zuständige Kulturministerium bereits seit längerem über Ungereimtheiten in der Gebarung informiert gewesen war. So wird aus einem im Jahr 2008 verfassten Schreiben des Ministeriums an das Museum zitiert, in dem festgehalten wurde, es verfestige sich der Eindruck einer Vermischung aus privaten und institutionellen Aktivitäten im Zusammenhang mit der in Los Angeles betriebenen Expositur. Das MAK war offenbar nicht in der Lage, diesen Verdacht anhand aussagekräftiger Aufzeichnungen zu entkräften. Zudem habe das Ministerium nach heftigem Hin und Her über mangelnde Unterlagen dem Museum in einem Jahr sogar keine schriftliche Entlastung ausgestellt, heißt es in dem Rohbericht.

"Beispiele wie diese zeigen, dass im MAK die begleitende Kontrolle ganz offenbar versagt hat", kritisiert der Kultursprecher der Grünen, Wolfgang Zinggl, im Gespräch mit der APA.  Er fordert, "die kontrollierenden Organe vom Kuratorium bis zur Ministerin" mögen in Zukunft ihre Kontrollaufgaben ernster nehmen mehr als bisher. "Eine Möglichkeit, besser zu kontrollieren, besteht außerdem im häufigeren Wechsel der Direktionen", so Zinggl, der in dem Bericht (in dem vor Veröffentlichung Stellungnahmen des Museums eingearbeitet werden) alle von ihm bereits im Dezember 2010 erhobenen Vorwürfe bestätigt sieht.

Den offenbar besonders guten Draht Noevers zu öffentlichen Geldgebern zeigt auch die Verdoppelung eines ministeriellen Zuschusses für Stipendien im Rahmen des vom MAK betriebenen Schinder-Hauses in Los Angeles in den Jahren 2000 und 2001. Der Rechnungshof fand keine plausiblen Unterlagen, die nachvollziehbar gemacht hätten, weshalb statt den vom Museum geforderten 400.000 Euro schließlich das Doppelte zur Auszahlung gelangt sei.   (APA, 1.11.2012)

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