Spanische Banken kämpfen um Einlagen

Um sich dringend benötigte Mittel zu sichern, locken die Banken neue Kunden mit Zinsen von bis zu acht Prozent

Madrid  - In Spanien ist ein Krieg der Banken um die Spareinlagen der Bürger entbrannt. Mit Zinsen von bis zu acht Prozent locken die teilweise vom Kapitalmarkt abgeschnittenen Institute neue Kunden, um sich dringend benötigte Mittel zu sichern. Die Folge: Die ohnehin dürftigen Renditen der Geldhäuser in dem krisengeplagten Land schrumpfen weiter. Das gilt weniger für die Großbanken Santander und BBVA, da diese sogar von einer Flucht vieler Anleger profitieren.

Doch mittelgroße Institute wie Popular und viele Sparkassen überbieten sich gegenseitig. "Das ist eine selbstzerstörerische Strategie", sagt ein Bankenanalyst in Madrid. "Die Margen werden kollabieren - die Banken machen das aus Verzweiflung."

Kollaps des Immobilienmarktes

Der Kollaps des spanischen Immobilienmarktes und die Wirtschaftskrise in Südeuropa haben die dortigen Banken stark getroffen. Das gesamte Land ist deswegen an den Märkten in Misskredit geraten. Investoren trauen der Regierung in Madrid nicht zu, die Institute aus eigener Kraft zu stärken, daher wurde ein Hilfskredit der Europäischen Union über 100 Mrd. Euro vereinbart. Die erste Tranche soll in den nächsten Wochen fließen.

Auch wenn die großen Banken die Krise nicht bei den Einlagen spüren, trifft sie diese auf anderem Wege, wie die Zahlen von BBVA am Mittwoch zeigten. Das zweitgrößte Geldhaus des Landes verdiente in den ersten neun Monaten mit 1,7 Mrd. Euro rund 50 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Hauptgrund waren Abschreibungen auf faule Immobilienkredite.

Misstrauen der Investoren

Wegen des Misstrauens der Investoren ist es für die meisten spanischen Institute schwierig, sich am Kapitalmarkt frische Mittel zu beschaffen, um auslaufende Verbindlichkeiten zu bedienen. Daher brauchen sie als alternative Finanzierungsquelle die Spargelder der Kunden dringender denn je. Das Problem: Auch diese misstrauen den Banken und haben nach Daten der Europäischen Zentralbank im bisherigen Jahresverlauf 154 Milliarden Euro an Einlagen abgezogen. Um den Abfluss zu stoppen, hob die Zentralbank im August eine Regelung auf, die einen Preiskampf um die Spargelder verhindert hatte. Bis dahin mussten die Banken einen deutlich höheren Beitrag in die Einlagensicherung zahlen, wenn sie mit hohen Zinsen Kunden anlocken wollten.

Seit die Regel gekippt worden ist, bieten die meisten Institute, darunter auch die staatlich gestützten, Neukunden für einjährige Anlagen in Höhe von mindestens 3.000 Euro über drei Prozent Zinsen. Popular und die Sparkasse Ibercaja offerieren mehr als vier Prozent. Wer bei der Kapitalerhöhung bei Popular mitzieht, erhält sogar acht Prozent auf seine Einlagen. Der Schnitt in der Euro-Zone liegt bei 2,7 Prozent. Diese Refinanzierungskosten bekommen die Institute bei der Kreditvergabe nicht wieder herein. Die Zinsen für Hypotheken liegen in Spanien derzeit im Schnitt bei 1,5 Prozent. Folglich müssen viele Banken derzeit Verluste in Kauf nehmen, um sich die nötige Liquidität zu sichern. (APA/Reuters, 31.10.2012)

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