Medienfreiheit ist kein Gesellschaftsspiel

Blog | Rubina Möhring, 31. Oktober 2012, 13:52
  • ORF-"Kaiser" zu "frech": Gesendet wurde nur eine gekürzte Version der Audienz mit ÖVP-Fraktionsführer Werner Amon, links im Bild mit Ex-U-Ausschuss-Vorsitzender Gabriela Moser.
    foto: orf/milenko badzic

    ORF-"Kaiser" zu "frech": Gesendet wurde nur eine gekürzte Version der Audienz mit ÖVP-Fraktionsführer Werner Amon, links im Bild mit Ex-U-Ausschuss-Vorsitzender Gabriela Moser.

Politik betreibt bildungsferne Presseförderung

Wer im Glashaus sitzt, soll bekanntlich nicht mit Steinen werfen. Deshalb bitte in diesen Tagen keine medialen Zeigefinger oder gar Schmutzfinger in Richtung Staaten mit eklatanten Demokratie-Defiziten. Was sich derzeit auch im deutschsprachigen EU-Bereich in Sachen Medienfreiheit abspielt, ist bemerkenswert. Medienfreiheit ist kein Gesellschaftsspiel - sollte man meinen, sollte man sicher sein dürfen.

In Österreich ging ganz nebenbei die kollektivvertragliche Basis für JournalistInnen flöten. Fazit: Medienmenschen sollten zu willkürlich einsetzbaren Lohnarbeitern werden. Wer von diesen könnte es sich künftig - auch mit Rücksicht auf die eigene Existenz - leisten, unbeschwert journalistischem Ethos zu folgen?

"Was wäre die öffentliche Meinung ohne jemanden, der sie veröffentlicht?" Diese Anzeigenkampagne des VÖZ, des Verbandes der österreichischen Zeitungen, hat den Konflikt auf den Punkt gebracht. Die Kollektivvertragsverhandlungen mit der Gewerkschaft wurden wieder aufgenommen. Dennoch bleibt als Damoklesschwert das kürzliche Statement einer Gratiszeitung-Herausgeberin: "Ich kann jederzeit jeden rausschmeißen, wenn ich es will." Aus welchen Gründen auch immer. 

Praxis der Presseförderung

Herausgeber und Verleger suchen neue kostensparende Freiheiten. Kostensparend sind nach heute gültigen Management-Philosophien offenbar in erster Linie Kürzungen im Personalbereich. Vereinfacht gesagt: Aufgrund der geltenden Presseförderung können seriöse Verlage und Herausgeber nur überleben, wenn sie ihren Mitarbeiterstab verkleinern oder finanziell sinnbildlich vor die Hunde gehen lassen. Gefragt sind also auch die öffentliche Hand, die Politik und deren bisher bildungsferne Praxis der Presseförderung.

Die Politikerkaste neigt jedoch dazu, anderen Gesetzen, anderen Denklinien zu folgen. Bestes Beispiel: der jüngste deutsche Medienskandal in Sachen versuchter Einflussnahme der CSU auf die Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Senders ZDF.

Rückzug von Politikern aus Mediengremien

Die ZDF-Redaktion wehrte sich, ging an die Öffentlichkeit, der CSU-Pressesprecher musste seinen Hut nehmen. Die Frage, ob er nur ein Bauernopfer war, das höheren Weisungen folgte, ist ein Problem an Rande. Fakt ist, dass die CSU - Schwesterpartei der regierenden CDU -, die auch in den Vorstandsgremien des ZDF ihren Platz hat, nun in einen peinlichen Argumentationsnotstand in Sachen Demokratiebewusstsein geraten ist. Der Vorfall spricht nicht von guten Sitten und Gebräuchen. Zu Recht fordert der ehemalige ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender politische Enthaltsamkeit in den Gremien öffentlich-rechtlicher Medien. In Deutschland wird dieser Skandal jedenfalls auf breiter Ebene medial aufbereitet und facettenreich kommentiert.

Intervention beim "Kaiser"

Ebenfalls dieser Tage wurde in Österreich im öffentlich-rechtlichen Fernsehen der Auftritt eines ÖVP-Politikers in der Sendung "Wir sind Kaiser" offenbar auf Wunsch des politischen Gastes schonend gekürzt on air gebracht. Mag sein, dass die Sendungsmacher in der Originalfassung tatsächlich zu "frech" - was immer das ist - waren, der Politiker hatte mitgespielt. Sittenbild eines österreichischen öffentlichen Polit-Bewusstseins. In Vergessenheit ist geraten, dass nicht nur Medienfreiheit, sondern auch Medienauftritte samt folgenden Interventionen keineswegs lässige Gesellschaftsspiele sind.

Harte Bandagen für Journalisten auch in Griechenland. Dort wurde der Chefredakteur der Athener Zeitschrift "Hot Doc" verhaftet. Das Journal hatte eine Liste von 2.059 Steuersündern veröffentlicht, die in den vergangenen zehn Jahren ihre Gelder locker in der Schweiz geparkt hatten: Politiker, Journalisten, Hausfrauen, Studenten. Ein griechisches Sittenbild quer durch die Gesellschaft. Dass ein Chefredakteur deshalb einsitzen muss, spricht ebenfalls Bände für das Rechts- beziehungsweise Unrechtsbewusstsein eines Staates. Auch Steuerhinterziehungen sind keine verzeihlichen Spielereien, schon gar nicht sind sie Kavaliersdelikte. (Rubina Möhring, derStandard.at, 31.10.2012)

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man könnte auch mal fragen wie eine schwer talentbefreite journalistin wie die fr. möhring je einen job beim orf bekommen konnte. hatte sicher nix mit parteibuch und/oder "connections" zu tun, weil mit leistung hatte deren bestellung genau nix zu tun.

wie sich der als humorlos bekannte amon

überhaupt dorthin begeben kann ist schleierhaft. geht der auch auf den life-ball?

Eklatante Demokratie-Defizite und unsere Fassaden-Demokratie "Was wäre die öffentliche Meinung ohne jemanden, der sie veröffentlicht?"

"Was wäre
das für eine Aufgeklärte-Gesellschaft mit Bildung,
welche das Spiel durchschaute?"

Es regiert das Kapital
Jedoch es regiert nicht selbst,
sondern lässt regieren.

Um den Menschen Mitbestimmung vorzugaukeln, müssen aufwendige Festspiele inszeniert werden, man nennt sie Wahlen.

Der Staat beschafft den verschiedenen Kapitalfraktionen die nötige Infrastruktur, bedient einflussreiche Leute...

Das Kapital stattet seine Verteidiger mit viel Geld, Repressionsmitteln, Medienmacht und Ideologieproduktion aus, um diesen Gedanken zu bekämpfen.

Das Wesen der kapitalistischen Produktionsweise ist es, Mensch und Natur auszubeuten um Profit zu machen...

"wir sind kaiser" ist ein schlechtes beispiel

da geht es nicht um berichterstattung, sondern um unterhaltung die davon lebt die gäste lächerlich zu machen.

Es geht darum zu zeigen, dass die Gäste auch etwas Humor haben. Dass Amon ein ziemlich humorloser Mensch ist weiß jetzt. HC ebenfalls.
Solche Leute fühlen sich halt sehr schnell angegriffen, aber austeilen können sie dafür gut.

Die davon lebt, den Gästen die Chance einzuräumen, sich lächerlich zu machen

oder ihre bereits im Alltag erwiesene Lächerlichkeit zu bekräftigen. Und bei wem geht das besser als bei eitlen Menschen? Wer sonst lässt sichauf so etwas ein?

warum irgendjemand da mitmacht

ist mir ehrlich gesagt auch schleierhaft (sofern es ein künstler tut, der seine aktuelle arbeit promoten will, kann ich das ja noch irgendwie verstehen). die anderen sind schlecht beraten.

oder eben politiker die ihre partei promoten wollen

noja,..

..auf den "xxx...yyy..." wäre onehin niemand neugierig, weder beim "Kaiser" noch anderswo..!

wie sieht es denn eigentlich in Ihrem medium mit journalisten aus, die gegen die blattlinie schreiben?

kann man nicht beantworten?
gibt es keine, die das tun?

aha.
soviel zu "demokratiedefiziten".

die frage sei nicht gestellt, um amon und co zu verteidigen. keineswegs.
sie sei gestellt, um über das "glashaus" und die "steine" zu sprechen, das Sie eingangs ins gespräch gebracht haben.

Wo wir gerade beim Thema sind....

...dass Felix Baumgarner wegen Körperverletzung angeklagt und heuer im Frühjahr in erster Instanz verurteilt wurde ist den Medien wirklich nicht bekannt gewesen?
Schwer vorstellbar.... Nicht dass mich diese Geschichte oder Baumgartner so interessieren, eher die Tatsache dass es offensichtlich Leute mit der Macht gibt sowas monatelang aus den Medien zu halten während sonst täglich irgendwas nichtiges von ihm berichtet wurde.

ja die böse macht

warum hätte das publik werden sollen?

ohweh..

..hat der oberschlaue "xxx...yyy..." auch jemandem auf die Nase geklopft ?

die entwicklung eines prekariats

ist auch im journalismus abzusehen.
solange die zeitungsherausgeber nicht erkennen, dass eine überlebensgrundlage die qualität der mitarbeiter ist (und die muss angemessen entlohnt werden) und die gewerkschaft der medienberufe dies nicht argumentieren kann, wird sich wenig ändern.
was die presseförderung betrifft (ein spitzenbezieher ist ja auch der standard) ist das bundeskanzleramt gefordert.
aber solange der medienstaatssekretär damit beschäftigt ist, den kopf für seinen kanzler hinzuhalten, ist auch dort pause.
der parteipolitische publikumsrat des orf gehört auf den müll.
zu amon sei ausnahmsweise "jeaneé" in der "krone" recht gegeben, der ihn in seiner "post" als dolm bezeichnet.

Vor Hunger sein Saatgut aufzufressen wird halt wieder modern.

das prekariat gibt es längst

leute, die für ein paar hundert euro arbeiten.... und die immer noch hoffen, dass man sich so einen "guten start" verschaffen kann (weil sonst der nächste die "chance" nützt) - das sagen die organisationen, die medienleute vertreten.
was aber den umgang mit kritischem journalismus betrifft, lassen die organisationen völlig aus (inklusive reporter ohne grenzen), das interessiert niemanden, da kann man draufgehen....

na ja,

für angestellte journalisten gibt es - ein verdienst der gewerkschaft (die ich ansonsten nicht sonderlich schätze) - das redaktionsgeheimnis, sprich: du kannst deine quellen schützen. rog - eine ngo - macht was sie kann: sie berichtet. und protestiert. mehr können die nicht tun.

Gut vorstellbar dass Zensur

ein Begriff bleiben soll, von dem noch lange Gebrauch stattfindet. So hat auch die Nachwelt etwas davon - wenn es sonst schon fast nichts zu erben gibt...

sie begreifens einfach nicht,

kein hahn würde danach krähen, wenn die audienz ganz normal beendet worden wäre,

die inseratengeschichte im u-ausschuß wär schon lange schnne von gestern, wenn der faymann nicht so feig gewesen wäre,

und der orf..........

amon for bressidentt !!

Satire?

Verstehe sowieso nicht, warum sich da jeder aufregt. Ich persönlich fand die Folge durchaus gelungen. Dass Palfrader Moser und Amon überhaupt bekommen hat, hat mich anfangs schon verwundert. Dass die dann auch ihr Fett wegkriegen, ist ja wohl logisch, diese Sendung ist schließlich keine Comedy, sondern politisch angehauchte Satire. Die 4 Da sind auch nicht zwangsweise komisch, aber durch diesen wunderbaren Zynismus regt es wunderbar zum Nachdenken an.
Man hätte es einfach zeigen sollen, meine Meinung. Weiß ja eh jeder - und jetzt ist es ein ach so großer "Skandal" ... Quo Vadis ÖVP?

Eigentlich eine Schande, dass das schon als politische Satire gilt, wenn ich an Bronner, Merz, Qualtinger, Wehle zurück denke (oder mir, aufgrund meines Alters, die Videos ansehe). Geht alles nur noch Richtung Comedy, von politischen Kabarett ist nix mehr zu sehen (selbst das was tatsächlich noch Kabarett ist, im Simpl, ist nur noch ein billiger Abklatsch).

Ich hab mir die Folge jetzt nochmals angesehen:

1. Das war einer der schlechtesten Folgen. Aber gut, das ist meine private Meinung; und

2. Gut, die ÖVP hat verhindert, dass der Amon abgeführt wird. Aber mit dem jetzigen Schnitt wird nur die Moser vom Kaiser verabschiedet.Der Amon taucht einfach nicht mehr auf, ist weg.

Ist das nun besser liebe ÖVP: Bildlich dargestellt, was eh schon alle wissen? Die ÖVP ist weg vom Fenster? Verschwunden in der Bedeutungslosigkeit?

Was ist eine 'private' Meinung?

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