Katzen-Kolonie zwischen römischen Ruinen droht Delogierung

  • Das Torre-Argentina-Katzenheim ist seit 20 Jahren in Rom aktiv. Nun droht Ärger.
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    foto: apa/robert ghement

    Das Torre-Argentina-Katzenheim ist seit 20 Jahren in Rom aktiv. Nun droht Ärger.

Der Ort ist Fans der Vierbeiner aus der ganzen Welt bekannt

Rom - Katzen gehören zu Rom wie das Kolosseum und die römischen Ruinen. Sie klettern unbekümmert auf den Resten antiker Tempel, wälzen sich zwischen den archäologischen Stätten, posieren vor den Kameras der Touristen. Die bunteste Kolonie herrenloser Katzen lebt in den Ruinen rund um das archäologische Gelände um Platz Torre Argentina im Herzen der Ewigen Stadt. Ein kleiner Verein betreut die rund 400 Tiere, die mitten in einer Ausgrabungsstätte mit kaiserzeitlichen Säulen, Marmorstufen, Mauerresten und ein paar Pinien leben. Doch das friedliche Leben der Vierbeiner ist jetzt in Gefahr. Dem Torre Argentina-Katzenheim droht die Zwangsdelogierung.

20 Jahre Katzenheim

Das Katzenheim wird seit fast 20 Jahren in internationaler Zusammenarbeit betreut. Eine Gruppe von ehrenamtlichen Helfern arbeitet in einem ausgebauten Schutzraum unweit der Ruinen, der als Versorgungsbasis dient. Hier werden ausgesetzte und kranke Tiere aufgenommen und gepflegt. Allein im Vorjahr haben rund 900 Katzen im Tierasyl eine Unterkunft gefunden. Dank einer gezielten Adoptionskampagne konnte 350 Tieren ein neues Zuhause vermittelt werden. Mehrere Katzen wurden auch von österreichischen Katzenfans adoptiert. Ehrenamtliche Helfer finanzieren Sterilisierungskampagnen für Tiere in der ganzen Stadt.

Behörden fordern Vertreibung

Das Torre-Argentina-Katzenheim ist nun jedoch ins Visier des römischen Denkmalschutzes geraten. Die Behörden, die eine Restaurierung des archäologischen Geländes vorantreiben wollen, drängen auf die Delogierung des Katzenheims, das ihrer Ansicht nach ohne Erlaubnis auf den Ruinen eines alten römischen Tempels aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus eingerichtet wurde.

Senator Vincenzo Vita forderte den Einsatz von Kulturminister Lorenzo Ornaghi: "Wir haben nichts gegen Tierschutzverbände, doch ein Katzenheim in den römischen Ruinen ist inakzeptabel." Die frei lebende Vierbeinerkolonie dürfe zwar im archäologischen Gelände bleiben, das Katzenheim müsse jedoch verschwinden, meinte er.

Tierheim hielt Gelände sauber

Die Leiter des Katzenheims zeigen sich indes kampfbereit: "Wir haben nicht nur die Katzen betreut, sondern uns auch um die Säuberung des archäologischen Geländes gekümmert. Wir haben das Recht, hierzubleiben", betonte Sprecherin Luana Stefani. Die Leiter des Katzenheimes drängen, dass ihnen ein neues Hauptquartier in unmittelbarer Nähe des archäologischen Geländes zur Verfügung gestellt werde. "Wir wollen unsere Katzen nicht allein lassen", sagten sie.

200.000 Katzen in Rom

Rund 200.000 Samtpfoten leben in der Stadt. Insgesamt 4.000 seit 1997 gesetzlich geschützte Katzenkolonien wurden kürzlich gezählt. Damit ist Rom die europäische Hauptstadt mit der größten Zahl von frei lebenden Katzen. Die Tiere sind dermaßen zu einem Bestandteil der Stadt geworden, dass sie vom Gemeinderat zum "historischen Stadterbe" erklärt wurden.

Genau wie die historischen Bauten in ihrer Umgebung gelten Roms Katzen als "schützenswert". Die Tradition, Katzen zu betreuen, sei so alt wie Rom selbst, sagen Tierliebhaber in Rom. Die Stadt habe deshalb die Pflicht, sich um die Tiere zu kümmern. Der Legende zufolge beschützten die Katzen Rom in früheren Zeiten vor der Pest, da sie Jagd auf die städtischen Ratten machten. (APA, 31.10.2012)

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