"Sandy" heizt Debatte um Klimawandel an

31. Oktober 2012, 14:36
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Wissenschaftler uneinig, ob der Supersturm, der auch New York schwer in Mitleidenschaft zog, eine Folge des Klimawandels ist

Rund um den Tropensturm "Sandy" ist eine Diskussion darüber entbrannt, ob die Intensität und Reichweite auch in direktem Zusammenhang mit dem Klimawandel stehen. Für den WWF ist die Verbindung eindeutig: "Wenn die Erde dermaßen über fossile Brennstoffe mit Kohlendioxid aufgeladen wird, dann ist das so wie das Dopen eines Sportlers, der dadurch immer stärker wird", sagt Karl Schellmann, Klimaexperte der Umweltorganisation.

Diese Behauptung will Herbert Formayer vom Institut für Meteorologie der Wiener Universität für Bodenkultur allerdings nicht bestätigen. "Fakt ist, dass eine wärmere und feuchtere Atmosphäre mehr Energie hat. Ob das zu mehr Extremereignissen und insbesondere Hurrikans führt, lässt sich allerdings nicht untermauern", so der Forscher, der am Zentrum für Globalen Wandel und Nachhaltigkeit tätig ist. Laut Formayer hat es immer wieder Phasen mit vielen Hurrikans gegeben, etwa 2004 und 2005.

Riesensturm außerhalb der Tropen

Diskutiert wird vor allem über die Intensität des Sturms und wie verschiedene Wetterphänomene zu der ungewöhnlichen Zugbahn von "Sandy" geführt haben. "Die natürlichen Wetterschwankungen, verstärkt durch den Klimawandel, haben vielleicht die idealen Bedingungen für einen Hurrikan geschaffen, der sich in einen Riesensturm außerhalb der Tropen entwickelt", wird Kevin Trenberth, einer der renommiertesten US-Klimawissenschaftler, auf taz.de zitiert.

Ein weiterer umstrittener Aspekt ist, welchen Einfluss ein Hochdruckgebiet südlich von Grönland auf den Verlauf von "Sandy" hatte. Der Sturm könnte dadurch seine Richtung geändert haben und statt auf das offene Meer direkt auf die Ostküste Amerikas zugesteuert sein. Einige Klimaforscher vermuten auch, dass dieses Hoch wiederum mit der extrem starken Eisschmelze in der Arktis im vergangenen Sommer zu tun hat. "Man kann natürlich alles mit der Eisschmelze in Verbindung bringen, aber diesbezügliche Daten kenne ich nicht", entgegnet Metereologe Formayer. 

Temperaturen und Spiegel der Meere steigen

Unbestritten ist hingegen, dass hohe Meerestemperaturen für die Entstehung von Hurrikans verantwortlich sind. "Nur bei Temperaturen an die 30 Grad kann so viel Wasser verdunsten, dass ein derartiger Sturm entstehen kann", so Formayer. Ebenso außer Diskussion steht, dass sich der Meeresspiegel und die Meerestemperaturen im Atlantik in den vergangenen Jahren erhöht haben.

Der WWF spricht von den höchsten Temperaturen "seit Beginn der Aufzeichnungen an der mittelatlantischen US-Küste". Für Karl Schellmann von der Umweltorganisation steht daher eindeutig fest: "Nach den Berechnungen der Klimawissenschaft werden wir uns darauf einstellen müssen, dass Wetterextreme wie 'Sandy' zukünftig die Regel und nicht mehr die Ausnahme sein werden." (Martin Obermayr, derStandard.at, 31.10.2012)

  • Die Entstehung, Intensität und Zugbahn von "Sandy" führen unter Klimaexperten und Meteorologen zu unterschiedlichen Erklärungsmodellen.
    foto: ap/dapd/noaa

    Die Entstehung, Intensität und Zugbahn von "Sandy" führen unter Klimaexperten und Meteorologen zu unterschiedlichen Erklärungsmodellen.

  • Für Karl Schellmann vom WWF ist klar, dass der Klimawandel für derartige Phänomene verantwortlich ist.
    foto: wwf

    Für Karl Schellmann vom WWF ist klar, dass der Klimawandel für derartige Phänomene verantwortlich ist.

  • Herbert Formayer vom Institut für Meteorologie der BOKU in Wien hingegen spricht davon, dass es immer wieder Phasen mit vielen Hurrikans gegeben hat.
    foto: privat

    Herbert Formayer vom Institut für Meteorologie der BOKU in Wien hingegen spricht davon, dass es immer wieder Phasen mit vielen Hurrikans gegeben hat.

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