China: Apple streicht Bordelle aus Siri-Suche

31. Oktober 2012, 09:54
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Entsprechende Einträge sorgten für eine Kontroverse in der Volksrepublik

In den vergangenen Tagen wurde in China viel über die virtuelle iOS-Suchassistentin Siri diskutiert. iPhone-Nutzer hatten vermeldet, dass Siri sehr gut als Routenplaner für die Besuche von Bordellen und Eskortdiensten eignet.

Kritik von Medien, Heiterkeit im Internet

Die Kontroverse schaffte es in kurzer Zeit auch in verschiedene Staatsmedien, die sich sehr kritisch gegenüber diesem "Feature" äußerten. Dass die App auf Nachfragen wie "Wo finde ich Prostituierte?" tatsächlich richtige Ergebnisse ausspuckte, dürfte den Behörden sauer aufgestoßen sein.

Unter Internetnutzern sorgte der Vorfall hingegen für Heiterkeit. Rege wurde Siri auf Chinas Twitter-Alternative Weibo kommentiert. Blogger scherzten, dass Siri zuverlässiger beim Auffinden von Dienstleistern im horizontalen Gewerbe sei, als beim Finden von Restaurants. "Wenn ich Siri nach Nudelsuppe mit Rind frage, hat sie keine Ahnung", wird ein User zitiert. "Ein Mobiltelefon weiß Sachen, die die Polizei nicht weiß?", fragte sich ein anderer.

Apple schreitet ein

Apple hat jetzt reagiert. Wie die China Daily berichtet, behauptet Siri auf entsprechende Fragen mittlerweile, keine entsprechenden Lokalitäten finden zu können. "Als Reaktion auf die Hinweise unserer User, haben wir Informationen im Zusammenhang mit Eskortdiensten gesperrt", so ein Mitarbeiter des Apple-Supports gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua.

Auch andere Suchergebnisse, die gegen chinesische Gesetze verstoßen, können nicht mehr aufgerufen werden - etwa Hinweise darüber, wo Waffen erworben werden können. 

Behörden unbesorgt

Die Behörden geben sich offiziell gelassen, so bezweifelt man bei den nationalen Mafiabekämpfern, dass die von Siri ausgespuckten Bordelladressen authentisch waren.

"Wir haben keine Beschwerden oder Hinweise bezüglich pornografischer Informationen erhalten", meinte auch ein Polizist der Informationsbehörde des kommunalen Sicherheitsbüros in Shanghai. Dem Gegenüber steht ein Xinhua-Bericht, demnach zwölf der Suchtreffer im Shanghaier Stadtviertel Baoshan die User offenbar tatsächlich zu Bordell- und Eskortbetrieben dirigierten.

"Nicht auszuschließen, dass sich das wiederholt"

Ob der Vorfall langfristige Folgen für Apple haben könnte, bleibt abzuwarten. Li Yi, Generalsekretär der China Mobile Internet Industry Alliance kommentierte die Ereignisse mit den Worten: "Es zeigt, dass Apples Entwicklerteam keine Kenntnis von der Situation Chinas hat. Es ist schwer zu garantieren, dass sich so ein Vorfall nicht wiederholt."

Nicht die erste Kontroverse

Siri, so die BBC, hatte auch in den USA bereits für Gesprächsstoff gesorgt. Vergangenes Jahr musste sich Apple gegen Vorwürfe bezüglich politischer Bevormundung verteidigen, da Siri Berichten zufolge nahe gelegene Abtreibungskliniken und fallweise auch Schwangerschafts-Beratungszentren nicht angezeigt haben soll.

Für Amusement hingegen sorgte Siris Antwort auf die Frage nach dem "besten Smartphone", die für kurze Zeit mit "Nokia Lumia 900" beantwortet wurde. Kurz darauf sorgte Apple - angeblich per Override - dafür, dass die Suchassistentin nur noch die Gegenfrage "Warte - es gibt andere Smartphones?" ausspuckte. (red, derStandard.at, 31.10.2012)

  • Apple streicht das horizontale Gewerbe aus Siris Gedächtnis in China.
    foto: sean macentee / cc-by 2.0

    Apple streicht das horizontale Gewerbe aus Siris Gedächtnis in China.

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