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vergrößern 645x430Die Nebelwälder Ecuadors zählen weltweit zu den Regionen mit der höchsten Artenvielfalt.
vergrößern 645x430Rund 1300 Hektar Wald wurden durch den Bau der Mashpi-Lodge zum Schutzgebiet erklärt.
-> Weitere Fotos vom Wald und von der Lodge gibt's in dieser Ansichtssache.

Anreise & Unterkunft
Iberia oder American Airlines fliegen von Wien mit Zwischenstopp(s) nach Quito. Die Preise in der Economy- Class beginnen bei 1200 Euro.
Die Mashpi Lodge liegt etwa vier Stunden westlich von Quito. Drei Tage (zwei Übernachtungen) im DZ ab 1000 Euro pro Person. Der Preis umfasst den Transfer von Quito, alle Mahlzeiten, geführte Touren, Vorträge, weitere Extras wie Regenponchos und Gummistiefel. Ein Aufenthalt in Mashpi lässt sich gut mit einem Besuch in Quito verbinden.
Ecuador-Info: www.ecuador.travel
Über uns der graue Wolkenhimmel, darunter das grüne Dach eines undurchdringlichen Waldes. Etwa hundert Meter entfernt in der Tiefe ist der Boden nur erahnbar. Die Luft ist feucht, warm. Es nieselt. So weit das Auge reicht: ein Wald, der sich über die bis zu 1400 Meter hohen Berge der westlichen Anden in Ecuador wie ein knotiger Teppich legt. In den Kronen der bis zu fünfzig Meter hohen Bäume haben sich die Wolken, die vom Pazifik her aufsteigen, wie Geisterarmeen festgekrallt.
Dieser Nebelschleier sorgt für permanente Feuchtigkeit und für die mystische Aura dieser urzeitlichen Landschaft. Der Wald ist Teil des Tumbez-Chocó-Magdalena, ein Gebiet extremer Biodiversität, das sich von Panama entlang der Pazifikküste bis ins nördliche Peru erstreckt. An einem rund 200 Meter langen Drahtseil fahren wir in einem etwas rustikal anmutenden Vehikel, das zwei Schalensitze hat und durch Pedalkraft betrieben wird, über den Nebelwald. Man taucht ein in dieses atmende Urviech eines Waldes, aus dem es zischt und zirpt und krächzt und schreit.
"Das Leben hoch oben in den Bäumen ist ein anderes", sagt David Yunes, als er uns am anderen Ende der Höhentour wieder in Empfang nimmt. "Dort leben Vögel, Frösche, Insekten und Reptilien in solch einer Vielfalt und Dichte, die es wohl nirgendwo sonst gibt. Mit diesem Seilrad wollen wir dem Leben in den Gipfeln etwas näher kommen." Yunes, ein schlanker, groß gewachsener Mann, ist der Chefführer der Mashpi Lodge, einer Luxusunterkunft in einem 1300 Hektar großen Reservat, das rund 100 Kilometer westlich von der ecuadorianischen Hauptstadt Quito entfernt liegt. Das nach einem lokalen Indianerstamm benannte Projekt ist das Kind des Tourismusunternehmers und Umweltaktivisten Roque Sevilla. "In den Neunzigern war ich hier im Wald wandern", erzählt Sevilla, "ich habe mich gleich in diese einzigartige Natur verliebt und wollte, dass sie erhalten bleibt."
Sevilla kaufte ein Stück von einem Forstunternehmen und erklärte den Wald zum Schutzgebiet. Mittlerweile regeneriert sich der Wald von jahrzehntelanger Abholzung. Die Lodge wurde im April dieses Jahres eröffnet, hat bereits Auszeichnungen gewonnen und mit ihrem Konzept aus Naturreservat, Forschungsstation, Nachhaltigkeit, gutem Essen und moderner Architektur die Neugier internationaler Medien erregt. Mashpi ist zudem ein Paradies für Vogelkundler. 500 Arten soll es in dem Wald geben. 280 wurden bis dato von dem jungen Biologen Carlos Morochz gesichtet. Dazu gibt es eine reiche Flora und Fauna mit Schmetterlingen, Amphibien, Reptilien, zehntausende von Insekten und Säugetiere wie Jaguars, Affen, Bären, Ozelots und Pumas, die man aber so gut wie gar nicht zu Gesicht bekommt.
Plötzlich ein gellender, durchdringender Ruf. "Das ist ein Baumsteigerfrosch", sagt Yunes, als er sich durch einen Morastweg kämpft, in dem man knietief in Lacken versinkt. Mittlerweile prasselt der Regen, der Yunes nicht zu stören scheint. Immer wieder bleibt er stehen, horcht in den Wald hinein, blickt in die Höhe. "Da", flüstert er und schaut durch sein Fernglas, "ein Tukan." Auf einem Ast sieht man den prächtigen Vogel mit seinem gelb-schwarzen Schnabel und seinem dunklen Gefieder. Ein paar Meter weiter bleibt Yunes wieder stehen und zeigt auf den matschigen Boden: "Ein Tausendfüßler." Dann weist er auf eine Pflanze mit riesigen Blättern: "Das ist das Elefantenblatt. Und da an dem Baum wächst eine Orchidee, von denen haben wir mehr als 1000 verschiedene."
Wer kein geschultes Auge hat und nicht weiß, wo er was suchen muss, dem kommt dieser unheimliche Wald anfänglich ziemlich leer vor. "Das hier ist nicht der Amazonas, wo auf jedem Ast ein Papagei sitzt und sich dem Besucher zeigt", sagt Yunes, "man braucht hier Zeit und Geduld. Man muss sich auf den Wald einlassen. Die Tiere sind da, und sie sehen uns, aber wir sehen sie nicht immer."
Gummistiefel, Stahl und Glas
Nach einer vielstündigen Wanderung mit Regenponcho und Gummistiefeln durch den hügeligen Märchenwald mit seinen Schluchten und Wasserfällen im Dauerregen erreicht die Gruppe die Lodge, die von dem ecuadorianischen Architekten Alfredo Ribadeneira entworfen wurde. Man wird mit frischen Säften und feuchten Handtüchern begrüßt.
Die Lodge hebt sich mit ihren klaren symmetrischen Formen, ihrer modernistischen Stahl- und Glaskonstruktion extrem vom zerklüfteten Klein-Klein, der Undurchdringlichkeit und der überbordenden Fülle aus Grün und Tier des Waldes ab. Wie eine Raumstation wirkt das Haus mit seinem 22 minimalistisch eingerichteten Zimmern, in denen große Fensterfronten einen direkten Blick in den Wald zulassen. Einen Fernseher braucht man hier nicht. Für Unterhaltung sorgt die hyperaktive Vogelwelt.
Man verbringt die Tage mit Wanderungen, Vorträgen und dem hochklassigen Essen von David Barriga, der künftig noch mehr lokale Gewürze, Geschmäcker und Kräuter in seine Küche miteinbinden will. Über so viel Luxus und Design in einem Naturreservat lässt sich sicher streiten. Aber die erschlagende Natur, die dieser außergewöhnliche Wald zu bieten hat, bläst alle Zweifel hinweg.
Nach drei Tagen hat Mashpi den neugierigen Besucher in seinen Bann gezogen und man denkt an die Worte Sevillas, die man für einen der üblichen Werbesprüche eines ausgebufften Geschäftsmannes gehalten hat: "Wenn der Atem des Waldes Sie einmal erreicht hat, werden Sie ihn nie wieder los. Sie brauchen ihn, und deswegen werden Sie zurückkehren." (Ingo Petz, DER STANDARD, Rondo, 2.11.2012)
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