Das Gen, das Locken macht

  • Kein Wolf, sondern eine Katze im Schafspelz: Die Mutation "Sadre" verleiht den 
Selkirk-Rex-Katzen Kraushaar.
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    foto: vetmeduni vienna/filler

    Kein Wolf, sondern eine Katze im Schafspelz: Die Mutation "Sadre" verleiht den Selkirk-Rex-Katzen Kraushaar.

Ein Forscherteam löste das Rätsel um die neue Katzenrasse Selkirk Rex

Müsste man bloß nach seinem Fell schließen, könnte man das Tier auch für ein Lamm halten. Tatsächlich ist es eine Katze der Rasse Selkirk Rex, die es seit genau einem Vierteljahrhundert gibt: 1987 brachte eine Katze aus einem Tierheim in Montana, USA, ein Junges zur Welt, das zur Überraschung der dortigen Tierpfleger ein vollständig gekräuseltes Fell hatte.

Als das Tier erwachsen war, paarte es sich mit einem Perserkater und bekam Junge, von denen einige ein glattes, andere wieder ein gekräuseltes Fell hatten. Damit war klar: Die Genmutation, die für die Locken sorgte, ist dominant: Es genügte, dass eines der beiden Genkopien im Genom der Tiere (väterlich oder mütterlich) mutiert war, um das Fell des Trägertieres zu kräuseln.

Die kraushaarigen Katzen fanden bei Katzenfreunden viel Zuspruch. Die Rasse erhielt den Namen Selkirk Rex und war damit die vierte Katzenrasse mit diesem außergewöhnlichen Fell. Die genetische Grundlage für die Kräuselkatzen war bis jetzt allerdings unbekannt: Doch nun hat ein internationales Forscherteam unter Wiener Beteiligung (Serina Filler und Gottfried Brem von der Veterinärmedizinischen Universität Wien) im Journal of Heredity erstmals die Genmutation beschrieben, die für das gekräuselte Fell sorgt.

Mutation vor höchstens neun Generationen

Serina Filler fand mit ihren Kollegen zum einen heraus, dass die Mutation bei Selkirk Rex eine völlig andere ist als die bei den anderen anerkannten Katzenrassen mit lockigem Fell. Sie nannte die neue Mutation Sadre (Selkirk autosomal dominant Rex). Aus Fillers Genanalysen ging zum anderen hervor, dass diese Mutation vor etwa acht oder neun Generationen passiert sein muss, was sehr gut mit der Entstehungsgeschichte der Selkirk-Rex-Katzen übereinstimmt.

Die Zuchtrichtlinien erlauben ein Kreuzen von Selkirk Rex nicht nur mit Tieren derselben Rasse, sondern auch mit Perserkatzen und mit den Rassen Exotisch Kurzhaar, Britisch Kurzhaar und Britisch Langhaar. Deshalb weist die Katzenrasse Selkirk Rex eine hohe genetische Variabilität auf - was weitere züchterische Möglichkeiten eröffnet: "Das hohe Maß an genetischer Diversität bei Selkirk Rex dürfte es erlauben, die Zahl der zur Einkreuzung freigegebenen Katzenrassen auf einige wenige zu beschränken, so Filler: "Das würde dabei helfen, bei Selkirk Rex eine einzigartige Kopf- und Körperform zu züchten und sie damit noch deutlicher von anderen Katzenrassen unterscheidbar zu machen." (tasch, DER STANDARD, 31.10.2012)

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