Halloween-Mission

Einserkastl30. Oktober 2012, 19:02
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Wenn Fundis im US-Bundesstaat Virginia um Gnade betteln, steht Halloween vor der Tür

Meine Generation wird sich nicht mehr an Halloween gewöhnen: So wie weiland vor den Sternsingern - man wollte ja nicht für die christliche Missionierung spenden - verstecken wir uns heute vor der heidnischen Trick or treat-Belästigung hinter einer fest verschlossenen Haustür. Schreckgestalten gibt es hierzulande schon mehr als genug, auch (re)importierte, etwa aus Kanada.

Nicht schlecht ist allerdings die Idee, die fundamentalistische Christen in Lynchburg (sic!) im US-Bundesstaat Virginia für die Nutzung von Halloween hatten. Dort wird man alljährlich, gegen einen Obolus von acht Dollar, durch eine ausgeklügelte Geisterbahn-Installation getrieben - so weit ist Scare mare, wie das Ganze heißt, nicht weiter originell. Aber am Ende des Pandämoniums in Lynchburg erwartet einen - nach einer letzten Verfolgung durch einen Typen mit laufender Kettensäge - ein friedliches Zelt mitsamt Priester: Er tröstet die zerrüttete Seele mit dem wahren Glauben. Nach einem Blick in die Hölle wird einem der Himmel versprochen. Es gibt alljährlich hunderte Frischbekehrte.

In den modernen Kirchen wird Erlösung, Liebe und Leben zelebriert, aber was wären sie ohne ihre bösen Geschwister, Verdammnis, Hass und Tod. Die Kettensäge mag eine Neuinterpretation sein, aber im Grunde steht die Aktion dieser Fundis in alter christlicher Tradition: We are freaking you out, bis ihr um Gnade bettelt. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 31.10.2012)

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