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Meine Generation wird sich nicht mehr an Halloween gewöhnen: So wie weiland vor den Sternsingern - man wollte ja nicht für die christliche Missionierung spenden - verstecken wir uns heute vor der heidnischen Trick or treat-Belästigung hinter einer fest verschlossenen Haustür. Schreckgestalten gibt es hierzulande schon mehr als genug, auch (re)importierte, etwa aus Kanada.
Nicht schlecht ist allerdings die Idee, die fundamentalistische Christen in Lynchburg (sic!) im US-Bundesstaat Virginia für die Nutzung von Halloween hatten. Dort wird man alljährlich, gegen einen Obolus von acht Dollar, durch eine ausgeklügelte Geisterbahn-Installation getrieben - so weit ist Scare mare, wie das Ganze heißt, nicht weiter originell. Aber am Ende des Pandämoniums in Lynchburg erwartet einen - nach einer letzten Verfolgung durch einen Typen mit laufender Kettensäge - ein friedliches Zelt mitsamt Priester: Er tröstet die zerrüttete Seele mit dem wahren Glauben. Nach einem Blick in die Hölle wird einem der Himmel versprochen. Es gibt alljährlich hunderte Frischbekehrte.
In den modernen Kirchen wird Erlösung, Liebe und Leben zelebriert, aber was wären sie ohne ihre bösen Geschwister, Verdammnis, Hass und Tod. Die Kettensäge mag eine Neuinterpretation sein, aber im Grunde steht die Aktion dieser Fundis in alter christlicher Tradition: We are freaking you out, bis ihr um Gnade bettelt. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 31.10.2012)
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Gründer der Stadt.
Was kann der dafür, dass andere seines Namens - vielleicht verwandt, vielleicht auch nicht, möglicherweise Ursache des Begriffes Lynchen wurden?
Was die Theorie des Christentums im letzten Absatz betrifft, so ist auch die etwas kurz gegriffen.
Wohl gibt es jene christliche Tradition, die Frau Harrer beschreibt, aber es gibt auch eine andere.
Immerhin heisst es, man soll Gott lieben, aus ganzem Herzen und seinen Nächsten wie sich selbst.
Dieses Statement gab es immer parallel zur Gottesfurcht und Gesetzesbefolgung aus der Motivation der Höllenvermeidung.
Schade.
Die meisten Harrerartikel mag ich.
"Meine Generation wird sich nicht mehr an Halloween gewöhnen"
ich bin zwar um einiges jünger als frau harrer, aber ich auch nicht. kann damit nichts anfangen (bzw. mit der art und weise, wie es zunehmend begangen wird, denn an eine wiederauferstehung des altkeltischen samhain könnt ich mich eher gewöhnen).
.
als im frühen 19. jahrhundert in Österreich der weihnachtsbaum von einer Deutschen(!) eingeführt wurde, gab es hierzulande auch ein großes greinen und sudern ("heidnischer brauch!", "wos brauch'ma des!", "neuzeitlicher unfug!" etc.).
und jetzt?
den meisten kindern macht's einen (heiden!)spaß, und ich kann daran nichts verwerfliches finden.
in 20 oder 30 jahren wird hoffentlich endlich schluss sein, mit dem "blöder-Amibrauch"-geschimpfe ....
zusammengezimmerte, letztlich neopagan-missionarische Projektion ohne echten Sinn und Authentizität, ein Mittel zum Zweck analog dem oben beschriebenen Hell House... Selbst wenn, wir wissen über Samhain schon viel zu wenig, um es tatsächlich aufleben zu lassen, viel ist reine Spekulation. Und wenn wir nicht den Glauben der Kelten wiedergewinnen, wäre es auch dann nur eine hohle, artifizielle Fassade ohne Kontinuität und Verwurzelung, also ein reines Dekor-Thema wie Halloween. Halloween war in erster Linie einmal christlich, aber was spricht gegen ein fröhliches, buntes Grusel-Themenfest ohne Pseudo-Tiefgang? Ich bin älter als Sie, aber ich sehe da keine Gewöhnungsprobleme.
in manchen rechtsextremen kreisen sind sympathien für die keltische kultur (weil der germanischen in ansätzen ähnlich) durchaus vorhanden. nur wäre es eben völlig falsch, jegliche leute, die die keltische kultur sympathisch finden, ins rechte eck zu rücken.
Welche Feste kennen wir? Nationale, religiöse, regionale, gruppenbezogene und die der Familie. Sie alle haben einen Zweck, ein Fest ist ein Ritual, man feiert nicht nur zum Spass.
Den aktuellen Stand der Diskussion kenn ich nicht, aber in den '80er und '90er Jahren haben ein paar Theoretiker die Globalisierung auch als eine Ideologie angesehen, die neben den Nationalismus tritt, als zusätzliche Möglichkeit zur Identifikation, westlich orientiert, trotzdem pluralistisch, ethnophil und dem Konsum zugewandt. Insofern könnte man Halloween als das Hauptfest des globalen Konsumismus ansehen.
Trotzdem sollte man nicht vergessen, das Halloween zuallererst mal ein marketinggetriebener Event ist.
das gibts am Land (etwa in Oberösterreich) immer noch, dass Kinder in Lumpen von Haus zu Haus gehen, und mit einem Sprücherl irgendwas erbitten, war ein christlicher Brauch, kann nichts schlechtes an der modernen Variante finden.
Und warum sollten Stadtkinder nicht einmal im Jahr an großen Kürbissen herumsäbeln, früher gab es Erntedankfeste, die auch nicht ohne waren.
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