Betrugsprozess um Marionnaud-Millionen

30. Oktober 2012, 18:32
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Ex-Manager sollen Boni ergaunert haben

Wien - Entweder Markus R. und Hans L. sind skrupellose, gierige Manager, die Bilanzen um Millionen verfälschten, um unrechtmäßig Boni einzustreifen. Oder sie sind Opfer der komplizierten internationalen Verschachtelungen der Parfümeriekette Marionnaud. Darüber muss seit Dienstag ein Schöffensenat unter Vorsitz von Michael Tolstiuk am Wiener Landesgericht entscheiden.

Die Anklage wegen schweren gewerbsmäßigen Betruges hört sich noch recht einfach an. Das Duo soll zwischen 2006 und 2009 Verluste von insgesamt 34 Millionen Euro aus den Bilanzen verschwinden haben lassen - umgebucht auf andere Konten. Was dazu geführt haben soll, dass die beiden Angeklagten und drei weitere Personen in diesen Jahren insgesamt über 200.000 Euro an Boni ausgezahlt bekamen, die ihnen nicht zustanden.

Beide Angeklagte plädieren dagegen auf "nicht schuldig". Aus unterschiedlichen Gründen. Gemein ist beiden Erklärungen, dass die Firmenstruktur von Marionnaud in Österreich hochkomplex ist. Einerseits gibt es den eigentlichen operativen Teil, der sich um die Filialen in Österreich kümmert. Gleichzeitig gibt es in der Firma aber auch eine Holding, in der Österreich und alle Marionnaud-Länder außerhalb Frankreichs aus steuerlichen Gründen zusammengefasst sind. Und für diese beiden Teile werden auch unterschiedliche Finanzberichte erstellt.

Erstangeklagter P. sagt, nur für den Österreich-Teil zuständig gewesen zu sein. Für diesen habe er die vom Zweitangeklagten gelieferten monatlichen Berichte auf Plausibilität geprüft, aufgefallen sei ihm nie etwas. Erst im Jänner 2010 habe der 48-Jährige erfahren, dass es Diskrepanzen in der Bilanz gibt - "in der Größenordnung von zehn Millionen Euro".

Dass es die gibt, bestreitet der Zweitangeklagte gar nicht. Nur: Jede der Bilanzen für sich sei in Ordnung gewesen. Es habe im Gegenteil sogar Anweisungen der Zentrale in Frankreich gegeben, welche Posten in welchen Berichten welcher Konzernteile zu verbuchen seien. Mails dazu legt er Richter Tolstiuk auch vor. Umbuchungen hätten also rein buchhalterische Gründe gehabt. Wie Wirtschaftsprüfer und Staatsanwaltschaft auf die Idee kommen, damit habe man Boni kassieren wollen, ist ihm schleierhaft.

Am 6. November wird fortgesetzt. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 31.10/1.11.12)

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