Pfarrer-Initiative: Blinder Ungehorsam

Kommentar | Markus Rohrhofer, 30. Oktober 2012, 18:14

Der Umgang der Pfarrerinitiative mit Mitgliedern unter Missbrauchsverdacht ist eine Schande

Anfang März 2010 wurde zum ersten Mal klar, welches Unheil wohl über die katholische Kirche in Österreich hereinbrechen wird. Der Abt von St. Peter in Salzburg - immerhin das älteste Kloster im deutschen Sprachraum - gesteht, Ende der 1960er-Jahre einen zwölfjährigen Buben missbraucht zu haben. Am 9. März tritt der bekannte Ordensmann zurück. Nationale und internationale Medien berichteten entsprechend darüber. Nur die Pfarrer-Initiative rund um Helmut Schüller scheint das mediale Echo nicht gehört zu haben. Dort ist der Salzburger Ex-Abt nämlich bis dato Mitglied - gemeinsam mit einem weiteren Pfarrer, der unter Missbrauchsverdacht steht.

Sollte etwa die Nachricht der späten Beichte von Abt Bruno die Pfarrhof-Rebellen nicht erreicht haben, ist dies angesichts der Tragweite des Falles befremdlich. Dass aber jetzt ausgerechnet eine Organisation, die gerne lautstark die verkrusteten Strukturen der Kirche kritisiert, im Fall eines geständigen Kinderschänders in den eigenen Reihen zuerst im Vorstand einen Regelkatalog für die weitere Vorgehensweise beschließen muss, um dann noch eine eingehende Prüfung beider Fälle anzukündigen, ist eine Schande. Zur Erinnerung: Es war Schüller, der ab 1996 als Leiter der Ombudsstelle der Erzdiözese Wien Regeln für kirchliche Mitarbeiter im Umgang mit Missbrauch verfasste.

Zumindest Gehorsam dem eigenen Gewissen gegenüber sollte man auch den "Ungehorsamen" abverlangen können. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 31.10./1.11.2012)

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Nachlese zu der auf diesem Artikel

veröffentlichten Kommentarserie
1-21./21 - "conscience-reality-check"

erstens/4:

Mag.Helmut Schüllers Bestellung zum Caritasdirektor der Erzdiözese Wien im "Gedenkjahr 1988 an 1938" trug maßgeblich die Handschrift des damaligen Erzbischofs von Wien, Kardinal Dr.Hans Hermann Groer - Mag.Schüllers "Hollabrunner Religionsprofessor, den er gut kannte". Dieser Umstand dürfte auch anläßlich seiner Bestellung zum Caritaspräsidenten von Österreich ab 16.Mai 1991 eine wesentliche Rolle gespielt haben.

KORREKTUR, . . . "the-show-must-go-on"

NACHLESE zu der auf diesem Artikel

veröffentlichten Kommentarserie
1.-14./XIV - "the-show-must-go-on"

erstens/4:

Mag.Helmut Schüllers Bestellung zum Caritasdirektor der Erzdiözese Wien im "Gedenkjahr 1988 an 1938" trug maßgeblich die Handschrift des damaligen Erzbischofs von Wien, Kardinal Dr.Hans Hermann Groer - Mag.Schüllers "Hollabrunner Religionsprofessor, den er gut kannte". Dieser Umstand dürfte auch anläßlich seiner Bestellung zum Caritaspräsidenten von Österreich ab 16.Mai 1991 eine wesentliche Rolle gespielt haben.

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1.-14./XIV - "the-show-must-go-on"

zweitens/4:

Dazu muß man zudem auch wissen, daß Mag.Helmut Schüller seinerzeit nicht der einzige Kandidat als Nachfolger für den jahrzehntelangen, legendären Wiener Caritasdirektor und Caritaspräsidenten von Österreich, Prälat DDr.Leopold Ungar, gewesen ist, da dieser nach reiflichen Überlegungen auch Pater Georg Sporschill und DDr.Johannes Huber - einen vormaligen Sekretär von Franz Kardinal König - ins Nachfolgegespräch brachte.

Es darf dahingehend mit Sicherheit davon ausgegangen werden, daß weder Pater Georg Sporschill noch DDr.Johannes Huber jemals ein sogenannter "Groer-Protegé" war.

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1.-14./XIV - "the-show-must-go-on"

drittens/4:

Daß Mag.Helmut Schüller möglicherweise nicht unbedingt Prälat DDr.Leopold Ungars erste Wahl für seine umfassende Nachfolge gewesen sein könnte, läßt sich darüber hinaus auch aus dem Umstand heraus vermuten, daß Mag.Schüllers Bestellung zum Wiener Caritasdirektor im "Gedenkjahr 1988 an 1938" von Kardinal Dr.Hans Hermann Groer "im kleineren Rahmen" bereits zu einem Zeitpunkt verkündet wurde, als die Gespräche in Bezug auf die beiden anderen Kandidaten Pater Georg Sporschill und DDr.Johannes Huber noch im Gange waren, das heißt, es noch keine endgültige, übereinstimmende Entscheidungsfindung betreffend die Nachfolge vom legendären Prälaten Ungar gab . . .

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1.-14./XIV - "the-show-must-go-on"

viertens/4:

. . . ergänzend hörte man jedenfalls seinerzeit "in kleineren Wiener Kreisen" davon, daß "da Schüller dem Ungar vom Groer einidruckt word'n is . . . und da Ungar si . . . um des lieben Friedens willen . . . ruhig verhalt'n hat" . . . was für den "Donnerwetterer Ungar" wohl eine außerordentliche Herausforderung dargestellt haben muß, falls/wenn ". . . er sich hintergangen - 'hinters Licht geführt' sozusagen -, fühlte . . ."

Mediensuechtiger Karrierismus

Solange Schueller die Aussicht auf eine steile Karriere in der Kirche hatte, war nie etwas von subversiven Ideen zu hoeren. Erst nachdem Schoenborn seinen atemlosen Aufstieg gestoppt hat, wurde er zum Rebellen. Die (pseudo)progressiven Positionen, die er heute wortreich vertritt, sind offenbar ein gutes Vehikel in der Privatfehde gegen seinen vormals direkten Vorgesetzten. Wuerde man ihm wieder ein prestigetraechtiges Amt geben, waere der Reformeifer wohl auf einen Schlag erloschen.

Solange Schueller die Aussicht auf eine steile Karriere in der Kirche hatte, war nie etwas von subversiven Ideen zu hoeren.

Nach meiner Erinnerung war es genau umgekehrt - gerade wegen seiner "Ideen" hat ihn Kardinal Schönborn seines Amtes enthoben.

Für mich ist nicht erkennbar, dass Hr. Schüller seine Grundpositionen merkbar verändert hätte.

Er war immer schon sehr engagiert - und deswegen für die Kirchendiplomatie unbequem.

Von Zweien weis man es.......

Wenn drei Pfarrer zusammenkommen, haben zwei Dreck am Stecken.

Nur welche zwei sind es........hmmmm, da lass ma eben alle drei in Ruh.

Danke für die klaren Worte.

Warum dieser Staat eine Gesetzeslage anbietet...

...die es solchen Menschen ermöglicht frei herumzurennen, das sollte wohl eher die Frage sein, nicht wahr, weil diese bedeutsame/reale (Nicht-)Konsequenzen darstellt/darstellen würde!

Wer bei einer Tankstelle 50€ raubt kommt ins Gefängnis. Wer ein Kind vergewaltigt läuft frei herum. Das ist nicht Schuld der Kirche sondern Schuld der Legislative!!!

Und dass aus dem subjektiven Verständnis eines Gläubigen heraus, die Gnade Gottes größer sein kann als jene eines weltlichen Gerichtes, liegt halt daran, dass der Gläubige buchstäblich auch in eine anderen Welt lebt...

Warum dieser Staat eine Gesetzeslage anbietet, die es solchen Menschen ermöglicht frei herumzurennen

Das ist kein spezielles Thema bei Missbrauch - sondern generell das Thema der Verjährung.

Das hat nun eben zwei Seiten : einerseits ist es schlimm für Opfer, wenn sie zu spät Anklage erheben wollen. Andererseits schützt es Menschen aber auch vor falschen Beschuldigungen. Wie soll man nach 30 oder 40 Jahren noch entlastende Beweise vorbringen, wenn man eines angeblichen Verbrechens beschuldigt wird, das man gar nicht begangen hat ?

Ich will jetzt keinesfalls Kinderschänder schützen, aber:

Ihr Vergleich mit dem 50,- Euro-Raub ist etwas manipulativ. Es impliziert, dass man wegen 50 Euro eingesperrt wird. Was nicht stimmt. Eingesperrt wird man in diesem Fall wegen dem Raub, der ja mit Anwendung von Gewalt verbunden ist. Das ist die Handlung, für die man durchaus zurecht eingesperrt werden kann.

Ah ja - und Mißbrauch ist gewaltfrei ?

Mein lieber Scholli, ihr Argumentation hat es in sich

Natürlich nicht. Ich wollte nur darauf hinweisen, dass ein Raub nicht harmlos ist, auch wenn die Beute nur 50,- Euro beträgt.

Und wer 50 Mill. gewaltfrei raubt...

...kommt ins Finanzministerium.

Differenzieren heißt das erlösende Zauberwort

Rohrhofer scheint zu meinen, dass ein Geistlicher, der sich selbst zu den Ungehorsamen zählt, frei von Schuld sein muss...

eine bedenkliche Prämisse!

Vielleicht ist er deswegen ungehorsam geworden, weil er durch den problematischen Zölibat zu leiden hatte, ihn brechen musste oder wollte oder seiner Neigung einfach nachgegeben hat....?!?!

Jener Zusammenhang, den der Autor offenbar herzustellen versucht, ist mehr als problematisch!

Man sollte hier genau unterscheiden! Sexuelle Neigungen gleich welcher Art sind das Eine, das Andere betrifft die Kirche oder die Sorge um die Kirche an sich!

Hat man ihm den Zölibat

bei der Bewerbung verschwiegen? Sehr problematisch für einen heißblütigen Päderasten;-)

Schüller ist ein Schaf im Wolfsfell

Schade, Herr Rohrhofer, ich habe sie bisher für einen qualifizierten Kirchenkritiker gehalten - und nicht für einen, der sich von seinen Affekten leiten läßt.

Was für ein logischer Zusammenhang genau - und ich spreche hier Sie, Herr Rohrhofer an - besteht zwischen den Anliegen/Themen der Pfarrerinitiative und der Mißbrauchsthematik???

Ich denke, mit ihrer, meinem Eindruck nach ziemlich unreflektierten, beinahe kurzschlüssigen Verbindung beider Themenbereiche begeben Sie sich auf das Argumentationsniveau des Boulevards, bei dem es nur ums Schüren von Emotionen geht, nicht um sachliche Auseinandersetzung und kritische Meinungsbildung.

Denn, diese Art von Argumentation ("wer a sagt, muß auch b sagen!" blablabla - reflektiere mal über Deine autoritären Einstellungen, die in Deinen Aussagen stecken!) macht im Grunde seriöse Reflexion in beiden Themenbereichen unmöglich.

Liebe/r "paradigm change", . . .

.
. . .also ganz kann man/frau Ihre vorliegenden Ausführungen nicht wirklich nachvollziehen.

Denn bitte was ist dagegen einzuwenden, daß da

"gewisse Dinge"

einmal

"unzweideutig & zutreffend"

endlich

"beim Namen genannt werden" ?!?

Mit besten Grüßen.
.

Sie verdrehen!

Es geht nicht darum, ob man die Dinge beim Namen nennt.
Wer Dinge miteinander verknüpft, der sollte das auch entsprechend argumentieren können.

Sie können das offensichtlich nicht.

Liebe "anders and", . . .

.
. . . zum Thema "Verdrehen" darf mit einem Zitat aus dem Posting von
"paradigm change"
vom MI 31.10.2012, 13:31 Uhr
geantwortet werden:

"(...) Was für ein logischer Zusammenhang genau - (...) - besteht zwischen den Anliegen/Themen der Pfarrerinitiative und der Mißbrauchsthematik ? (...)"

Natürlich gibt es in den angesprochenen Themenbereichen einen logischen Zusammenhang, nur muß man ihn eben auch durchschauen können und wollen.

Mit besten Grüßen,

siehe auch nachfolgende
Kommentarserie 1.-14/XIV
"the-show-must-go-on"

ja natürlich gibt es diese Zusammenhänge,
die nur von Ihnen durchschaut werden können,

aber selbstverständlich!

. . . geschätzte/r "anders and", bitte beachten Sie

im nächsten Artikel in

DER STANDARD-Online
vom
Sonntag, den 4.November 2012,

"Die Kirche ist nicht der Privatkonzern des Kardinals"

die einleitende Kommentarserie

1.-21/21 - "consciense-reality-check".

Möglicherweise verstehen Sie

im Anschluß daran dann

"gewisse Zusammenhänge"

noch besser.

nicht nur viele Zeilen für keinen Inhalt,

nein, auch viele nicks!

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