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So mancher in der SPD und bei den Grünen hatte im August 2002 schon selbst nicht mehr daran geglaubt: dass das bei der deutschen Bundestagswahl im September 2002 noch einmal was wird mit dem Kanzleramt. 1998 war Gerhard Schröder dort eingezogen, und vier Jahre später war die Bilanz der ersten rot-grünen Regierung nicht die beste.
Schröder lag in in Umfragen deutlich hinter seinem Herausforderer, dem bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU). Dann begann es zu regnen. Es regnete und regnete und hörte nicht mehr auf. In Ostdeutschland verwandelten sich kleine Bäche in reißende Flüsse, die Häuser und Autos verschlangen. Da packte Schröder die Gummistiefel ein und fuhr ins sächsische Grimma.
Dort stiefelte er mit betroffenem Gesicht durch den braunen Matsch und sprach den Menschen Mut zu. Die Bilder gingen durch die Bundesrepublik - und auch sein Versprechen, allen rasch und unbürokratisch zu helfen.
Stoiber kam später auch vorbei, nannte Schröders Hilfe populistisch - und wirkte hilflos. Mit aller Deutlichkeit zeigte sich: Katastrophen sind die Stunde der Exekutive. Sie hat die Befehlsgewalt und auch die finanziellen Mittel. Stoiber konnte nur zusehen, wie Schröder den Krisenkanzler gab und dann doch die Wahl gewann.
1962 wurde Hamburg von einer gewaltigen Sturmflut heimgesucht, 315 Menschen kamen dabei ums Leben. Innensenator war damals der spätere sozialdemokratische Bundeskanzler Helmut Schmidt. Als am 17. Februar die Lage außer Kontrolle geriet, übernahm Schmidt die Einsatzleitung.
Er überschritt seine verfassungsrechtlichen Befugnisse und forderte Nato-Kräfte als Hilfe an, was mehreren tausend Menschen das Leben rettete. Später sagte er über sein eigenmächtiges Handeln: "Wir haben Menschenleben gerettet. Es hat nicht gegen den Geist des Grundgesetzes verstoßen, wohl aber möglicherweise gegen die Buchstaben."
Matthias Platzeck (SPD) aus Brandenburg wird heute noch manchmal " Deichgraf" genannt: Sein Auftreten beim Oder-Hochwasser 1997 - damals noch als Umweltminister - machte ihn so populär, dass er später dann Ministerpräsident des ostdeutschen Bundeslandes wurde. (Birgit Baumann aus Berlin/DER STANDARD, 31.10.2012)
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"Als die Flut Schröder ins Kanzleramt spülte" ist ziemlicher Unsinn, weil - wie aus dem Artikel ja auch hervorgeht - Schröder zu diesem Zeitpunkt bereits vier Jahre im Kanzleramt saß, er aber befürchten musste, bei der anstehenden Wahl - um im Bild zu bleiben - "herausgespült" zu werden.
Davon abgesehen: Es ging bei der Sache nicht nur darmu, wer den besseren Medienauftritt im Regen hinlegt. Durch die Flut fiel nämlich auch den Medien auf, dass in Stoibers Wahlprogramm die Umwelt faktisch keine Rolle spielete und er in seinem zuvor mit großem Trara vorgestellten "Kompetenzteam" niemanden hatte, der für die Themen Umwelt und Klima zuständig war.
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