ÖVP und Grüne im Zwist um den "Kaiser"

30. Oktober 2012, 17:47
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ÖVP zeigt sich empört über Grünen-Vorwürfe, es sei im ORF interveniert worden

Wien - Die ÖVP zeigt sich über die Grünen empört, zeiht sie der Lüge, will aber den Ball flachhalten und keinen weiteren Staub aufwirbeln. Die Anschuldigung der Grünen, ÖVP-Abgeordneter Werner Amon habe beim ORF wegen einer für ihn nicht vorteilhaften Sequenz in der Comedy-Show Wir sind Kaiser intervenieren lassen, sei völlig aus der Luft gegriffen, offiziell wolle man aber nichts mehr dazu sagen, heißt es aus dem ÖVP-Parlamentsklub.

Der von den Grünen angegriffene Werner Amon erklärt auf Anfrage des STANDARD: "Ich möchte den Klamauk nicht näher erörtern."

Faktum ist, dass der ORF bestätigt, jene verfängliche Szene aus der jüngsten Sendung Wir sind Kaiser geschnitten zu haben, in der der ÖVP-Politiker Amon als Gast bei der "Audienz des Kaisers" zum Ende seines Auftritts mit Handschellen aus dem Saal geführt wird. Die Handschellen-Szene ging nicht auf Sendung.

Über die Hintergründe der Eliminierung der kurzen Szene, die die fixe "Kaiser"-Dramaturgie durcheinanderbrachte, scheiden sich die Geister. Die Grünen-Abgeordnete Gabriela Moser, die mit Amon Gast beim "Kaiser" war, gab an, sie habe vernommen, dass aus der Umgebung Amons gleich nach der Sendung interveniert worden sei. Mosers Interpretation für die vermeintliche Intervention: Amon habe befürchtet, durch die Handschellen-Szene in ein schiefes Licht gerückt zu werden.

In der ÖVP ist man hinter den Kulissen jedenfalls über diese Mutmaßungen der Grünen einigermaßen aufgebracht - zumal das Verhältnis der beiden Parteien seit dem Platzen des Untersuchungsausschusses ohnehin schon schwer belastet ist. Amon habe weder - wie von den Grünen behauptet - Pressesprecher um sich gehabt, noch habe jemand anderer aus seiner Umgebung nach der Sendung mit ORF-Verantwortlichen telefoniert. Als Beleg könnten Telefonprotokolle eingesehen werden, heißt es.

Moser relativierte nun am Mittwoch im STANDARD-Gespräch: "Ich muss mich korrigieren: Es ist laut drüber geredet, nicht telefoniert worden. Aber ob gleich nach der Sendung oder auch später telefoniert worden ist: Interveniert worden muss sein, sonst wäre dieser fragliche Teil ja nicht herausgeschnitten worden."

Im ORF liefert man eine eigene Begründung und ebenfalls ein Dementi: Es sei nicht interveniert worden, der Beitrag mit Amon sei herausgenommen worden, weil die Pointe nicht aufgegangen, sie "nicht witzig" gewesen sei.

Die SPÖ hält sich aus dem schwarz-grünen Zwist nobel heraus: Das Ganze sei "Sache des ORF", sagte SP-Mediensprecher Josef Cap zum STANDARD. (Walter Müller, DER STANDARD, 31.10./1.11.2012)

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    Werner Amon steht im Zentrum schwerer Vorwürfe der Grünen.

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