Abfuhr für Koalitionsregierung in Tripolis

Astrid Frefel, 30. Oktober 2012, 21:44

Libyens Parlament akzeptiert neues Kabinett vorerst nicht, Abstimmung verschoben

Tripolis/Kairo - Der neue libysche Ministerpräsident Ali Seidan hat dem Parlament in Tripolis am Dienstag sein Kabinett vorgestellt - doch zur Abstimmung kam es nicht. Die Sitzung endete am Abend im Tumult. Parlamentspräsident Mohammed Al-Magarief verschob die Abstimmung auf Mittwoch, nachdem es im Saal zu lautem Streit zwischen den Abgeordneten gekommen war, der von bedrohlichen Gesten junger bewaffneter Sicherheitsleute begleitet wurde. "Die Atmosphäre ist nicht angemessen für eine Abstimmung", erklärte Ministerpräsident Seidan.

Die libyschen Abgeordneten müssen entscheiden, ob sie den von ihm ausgewählten 32 Ministern das Vertrauen aussprechen. Es ist bereits der zweite Versuch, in Libyen eine neue Übergangsregierung zu installieren. Vor drei Wochen hatten die Abgeordneten ein Kabinett abgelehnt, das Ministerpräsident Mustafa Abu Shagur vorgeschlagen hatte. Anschließend beauftragten sie Seidan mit der Regierungsbildung.

Die Parlamentarier müssen mit Kritik aus der Bevölkerung rechnen, sollten sie auch dieses Kabinett zu Fall bringen. Denn die aktuelle Übergangsregierung, die noch von den Führern der Revolution benannt wurde, gilt als wenig effizient.

Seidans Kabinett gehören Mitglieder verschiedener Parteien an. Mehrere Posten gingen an Mitglieder der liberalen Nationalen Allianz und der Partei der Muslimbruderschaft. Zwei Frauen sind für die Ressorts Tourismus und Soziales vorgeschlagen.

Ministerpräsident Seidan, der als Gegner des früheren Diktators Muammar al-Gaddafi Jahrzehnte im Exil verbracht hat, ernannte zudem zwei Minister ohne Portfolio und drei stellvertretende Ministerpräsidenten.

Die staatliche Nachrichtenagentur LANA meldete, die Parlamentarier hätten gegen vier der von Seidan vorgeschlagenen Minister Bedenken angemeldet. Es handelt sich um die Sozialministerin, den Öl-Minister, den Außenminister und den Minister für Kommunalverwaltung. Unabhängige Medien berichteten darüber hinaus, die Muslimbrüder hätten sich zudem gegen den Minister für religiöse Stiftungen ausgesprochen.

Besonderes Gewicht hatte der neue Regierungschef auf die geografische Zusammensetzung gelegt. Keine Region sei der anderen vorgezogen worden, erklärte Zidan. Er nominierte drei Parteipolitiker als Vizepremiers, während sensible Ressorts wie Verteidigung, Inneres, Äußeres, Justiz, Internationale Zusammenarbeit und Finanzen mit Unabhängigen besetzt wurden, die keine Parteienbindung haben. (dpa, afr/DER STANDARD, 31.10.2012)

Kommentar posten
16 Postings
Ach wie glücklich ist das Land nach der Bombardierung mit 50 000 westlich christlich human demokratischen Bomben.

http://news.yahoo.com/libyas-pr... 35070.html

Zu Zeiten Gaddafis wäre die Mitglieder des libysche Parlaments nach so einem "Verhalten" wohl binnen zwei Stunden alle am nächsten Stromomasten aufgeknüpft worden.

wieviel leute wurden vom blutsaufenden diktator getoetet? zahlen, daten, fakten?

10xsoviel von den nato und rebellenkriminellen

Es ist doch ganz anders ...

Gaddafi war weder ein Diktator noch blutsaufend. Er hatte eine Boden-auf Demokratie etabliert in der jeder Stamm ein Sagen hatte.

Die Staemme hatten die Macht ueber ihre eigene Verwaltung.

Nun wurde die Macht der Staemme durch die Macht von Gruppen (Moslembrueder) ersetzt. Das kann ja nicht gut gehen

Und wieder mal ändert der Standard einfach den Artikel, damit man im Archiv ja nicht nachvollziehen kann, welchen Unsinn eine Frevel von sich gibt

Bis vor kurzem war die Zustimmung ja schon praktisch fix...

bei der ny times oder beim guardian wird auch die kleinste änderung am artikel am ende kenntlich gemacht.

ein Frevel nach dem anderen....

bericht von frevel?

eh zum vergessen. genausogut kann ich das horsokop lesen, das hat genausoviel wahrheitsgehalt wie ein artikel dieser angeblichen "journalistin".

getippt in Kairo

........tja dann ist ja alles klar.

Frevel hat einen guten Artikel geschreiben

Dort war die Frau auch waehrend des Lybienkriegs, wo sie so viel Dummheit berichtete, dass sie dann nach Wien kommandiert wurde.

Ach ... ich vergesse ihren Besuch in Bengasi, wo sie von Rebellen herumgefuehrt wurde. Sie berichtete immer nur deren Propaganda, Wort fuer Wort.

Ach ... ich vergesse den Artikel ueber den Verlust des Geldwerts und dem Handel mit Gold in Bengasi. Das war der einzige gute Artikel der Frau.

Pfui Teifel

Libyen wurde seitens des Nordatlantikpakt bis zum billigen ÖL gefügig gebombt, das Pflänzchen Demokratie hingegen da auf Gewalt aufgebaut will nicht so Recht aufgehen.
Vielleicht ist das ja aber auch gar nicht gewünscht.

Frau Frefel ausländische Unternehmen kurbeln die Wirtschaft

Libyens nicht an. Die bauen oder erhalten Infrastruktur und das wird aus dem Erlös des Erdölverkaufs bezahlt. Die libysche Wirtschaft war eine rein ölbasierte und das wird sich in absehbarer Zeit auch nicht ändern. Außer ein wenig Stahl (sollte Misurata noch funktionieren) wird in Libyen nichts produziert.

Ölbasiert

Stimme Ihnen bei der Analyse zu - dennoch, die Zementwerke im Osten, nochdazu österreichisch (Asamer) sollte man nicht vergessen...

Ja ich kenne die Zementwerke aber der Anteil an der

Wirtschaftsleistung ist vernachlässigbar.

@vergiss es

auch der neue ÖL Minister wurde abgelehnt.

Wozu benötigt Libyen denn einen ÖL Minister, allein vom dem im Ausland noch immer gesperrten Libyschen Vermögen könnte das Land noch gut 10 Jahre zivilisiert zehren.

Wo bleibt also der: Libyen möchte das geklaute Vermögen zurück Minister?

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.