Vor- und Nachteile der Brillanz

Das Pittsburgh Symphony Orchestra mit Manfred Honeck im Wiener Musikverein

Wien - Ein fulminant kompakter Klangkörper: Schon beim Eröffnungsstück erlebt man im Wiener Musikverein, wie diszipliniert, kontrolliert das Pittsburgh Symphony Orchestra Energie zu entfalten befähigt ist. Steven Stuckys Silent Spring wird auch im Massigen elegant und ausgewogen vermittelt; und wenn dann alles ins Maschinell-Repetitive und in raffinierte Strukturschichtungen kippt, entsteht eine faszinierend drängende Klangwelt.

Auch George Gershwins mit stilisierten Jazzrhythmen und bluesigem Melos durchtränktes, dann wiederum von romantischen Sehnsüchten geplagtes Klavierkonzert in F wird zusammen mit Solist Rudolf Buchbinder brillant und leicht dargeboten. Wobei: Auch dieses Gespann - unter der Leitung von Dirigent Manfred Honeck - vermag nicht zu verschleiern, dass Songgenie Gershwin im 2. Satz Substanzprobleme geplagt haben müssen.

Kraft, Disziplin und homogen-flexible Klanggruppen erreichen indes dort ihre Charmegrenzen, wo es gilt, die Musik einfach einmal großzügig atmen zu lassen. Bei Antonín Dvoráks Symphonie Aus der Neuen Welt jedenfalls konnte man sich bei aller Präsenz und dynamischen Ausgewogenheit (auch an expressiven Stellen) nicht des Eindrucks einer gewissen Überambition erwehren. Hier wirkte - bis auf den 2. Satz - einiges etwas übergestaltet und frei von jener Gelassenheit, die dem Klassiker etwas Entspanntheit abseits von Vitalität verliehen hätte. Trotz aller agogischen Wendigkeit. Jedenfalls großer Applaus. (Ljubisa Tosic, DER STANDARD, 31.10./1.11.2012)

2. und 3. November: Mahlers Symphonie Nr. 2, 19.30

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