240 Millionen Jahre alter fliegender Fisch entdeckt

Bisher älteste Überreste einer Fischart in China entdeckt, die sich per Gleitflug vor ihren Feinden in Sicherheit bringen konnte

Peking - Die Fähigkeit einiger Fischarten, sich im Gleitflug über die Meeresoberfläche fortzubewegen, ist offenbar älter als bisher gedacht: Paläontologen haben im Süden Chinas nun den bisher ältesten Vertreter eines fliegenden Fisches entdeckt. Das Fossil ist 240 Millionen Jahre alt und zeigt typische Anpassungen ans Gleiten: Seine Brust- und Beckenflossen sind flügelähnlich vergrößert und die Schwanzflosse ist nach unten hin besonders lang ausgezogen.

Ein schneller Schlag dieser kräftigen Schwanzflosse habe ausgereicht, um den Fisch aus dem Wasser zu katapultieren und ihn über die Wasseroberfläche gleiten zu lassen, berichten Guang-Hui Xu von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und seine Kollegen im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B". Die neu entdeckte Fischart sei damit das früheste bekannte Wirbeltier, das diese Art der Fortbewegung entwickelte. Das Potanichthys xingyiensis getaufte Fossil sei aber kein Vorfahre der heutigen fliegenden Fische, sondern gehöre einer ganz anderen Linie des Fischstammbaums an.

Fluchstrategie

Moderne Fliegende Fische können laut den Forschern bis zu 400 Meter weit über das Wasser gleiten und erreichen Geschwindigkeiten von bis 70 Kilometern pro Stunde. Diese Art der Fortbewegung koste sehr viel Energie, sagen die Forscher, und sei daher vermutlich als Fluchtstrategie für den Notfall entstanden. "Durch den Sprung aus dem Wasser flüchteten sie vor Räubern wie den zu dieser Zeit lebenden großen Meeresreptilien oder großen fleischfressenden Fischen", schreiben sie.

Der neue Fund wirft ein neues Licht auf die geografische Verteilung der fliegenden Urzeit-Fische. Denn Potanichthys xingyiensis ist das erste Fossil dieser Gruppe, das in Asien gefunden wurde. "Das zeigt, dass diese Fische sowohl am westlichen als auch am östlichen Rand des Urmeeres Paleotethys verbreitet waren", schreiben Xu und seine Kollegen.

Dieses Meer bildete einst einen tiefen Einschnitt im Urkontinent Pangäa und reichte vom Gebiet des heutigen Mittelmeeres bis nach Ostasien. "Der neue Fund liefert neue Belege dafür, dass es im Trias einen Austausch wasserlebender Wirbeltiere zwischen Europa und Asien über diesen Korridor gab", sagen die Forscher. (APA/red, derstandard.at, 31.10.2012)

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19 Postings
Bei dem vielen Müll im Meer

würden gern alle Fische fliegen können ...
aber so bleibt ihnen nur das Fluchen !

hoffe er riecht nicht allzu streng

Ich wusste gar nicht,

das Fische fluchen können ;)

gebens mal den kopf unter wasser

sie werden gar nicht glauben was da alles geflucht wird

Fische haben also, sozusagen, zweimal "das Fliegen gelernt":
Einmal in der Mitteltrias eine Familie der Perleidiformes, zu der auch die neu entdeckte Art gehört
http://de.wikipedia.org/wiki/Perleidiformes
aber die sind, samt ihrer ganzen Ordnung Ende Unterjura ausgestorben.
Das zweite mal, sehr viel später, im Eozän eine Familie der Hornhechtartigen, zu denen die heutigen 'Fliegenden Fische' gehören
http://de.wikipedia.org/wiki/Horn... echtartige

Das erste Mal war etwa zeitgleich mit dem Auftreten der ersten großen Meeresreptilien, das zweite Mal etwa zeitgleich mit dem Auftauchen der ersten gut ans Wasserleben angepassten Wale.

Frage:
Warum gab es in der Zeit dazwischen (immerhin ~130Ma) keine entsprechend angepassten Fische?

vermutlich hat man sie einfach noch nicht gefunden.
wie das meiste.

Es scheinen allerdings nicht Wale zu sein, vor denen die heutigen fliegenden Fische reißaus nehmen. Gibt es überhaupt Wale, in deren Beuteschema sie passen? Delphine wären möglich, aber ich denke, es sind eher andere Fische, zumal Delphine vermutlich schwerer zu überlisten ist und eventuell sogar organisiert jagen (tun das Belugas nicht?).

"Flying fish have a choice..." ;)

Eine Fotostory über Delphine und Sturmtaucher auf der gemeinsamen Jagd nach fliegenden Fischen vor Gibraltar:
http://www.firmm.org/en/news/a... e-a-choice

Entweder es wurden im Genpool von sämtlichen in Frage kommenden Arten über diesen Zeitraum keine in die entsprechende Richtung gehenden Varianten ausgebildet, was aus meiner Sicht eher unwahrscheinlich ist, oder es gab keinen Selektionsdruck. Fliegen kostet extrem viel Energie, also ist anzunehmen, dass diese Fähigkeit erst ab einem gewissen Bedrohungslevel Überlebensvorteile bietet und dadurch zu einer höheren Reproduktionsrate führt.

"Fliegen kostet extrem viel Energie,..."

Also eine Art Kosten-Nutzen-Rechnung?
Bedrohungslevel durch (neue) Räuber vs. optimierter Energiebilanz
Ja, klingt einleuchtend, da könnte was dran sein...

das ist so, wie mit dem verlorenen autoschlüssel

finden wirst du ihn nur unter der strassenlaterne. hoffentlich hast du ihn auch dort verloren.

Du meinst eine Lücke im Fossilbeleg über gut 130Ma?
Das wäre natürlich eine Möglichkeit.

Tatsächlich gibt es immer wieder Meldungen über angeblich fliegende Fische aus der Kreidezeit (schon seit dem 19. Jhd), aber die haben bisher einer genaueren (biomechanischen) Analyse nicht standgehalten. Im Moment muß man jedenfalls davon ausgehen, daß sich die Fähigkeit zum Gleitflug bei Fischen bisher nur zweimal, mit großem zeitlichen Abstand, entwickelt hat.

dasder mit 250 000 000 Jahren auch noch fliegen kann - alle Achtung das nenne ich rüstig

400 m

Ist das nicht etwas weit über Wasser?

mM

Bei 70km/h sind das knapp 21 Sekunden, das schaffen die Fische schon an der Luft

mit a bissl wind geht das schon ...

Klingt unglaublich, dürfte aber wohl doch hinkommen:
http://news.bbc.co.uk/2/hi/scie... 410421.stm

Fluchstrategie? Hmmm, wär mal ein interessanter evolutionärer Ansatz.

Vielleicht ist's auch nur ein schwimmender Vogel?

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