Infostretching

30. Oktober 2012, 17:29
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Gerät die Neuheit zum Hit, soll jedoch nicht gleich die Mini-ZiB für die Kleinsten reaktiviert werden

Konnte man zuletzt den lustigen Eindruck gewinnen, nur zwei Fragen wären für das Überleben des Landes und des ORF von entscheidender Relevanz (Hat sich Dominic Heinzl fallengelassen? Ist die ORF-Zeit des beharrlich Blonden grundsätzlich abgelaufen?), wird nun versucht, den kollektiven Diskurs umzuleiten: Es gibt Lebenszeichen von der sogenannten Programmreformkette - und deren zweiter Teil hat seinen Charme:

So soll etwa die ZiB 20 künftig schon um 19.45 Uhr loslegen und für junge Erdbewohner auf epische 17 Minuten gedehnt werden. Das ist doch ein Statement. Geht man von der Hypothese aus, dass dies Format stretching nicht deshalb vorgenommen wird, damit sich Moderator Roman Rafreider zwischen den eingespielten Beiträgen dreimal umziehen kann und einmal zum Friseur geht, ist sogar Freude angebracht. Beginnt man in Zukunft seinen Nachrichtenkonsum nämlich um 19.30 Uhr auf ORF 2 mit dem Gefühl, als 50-Jähriger angesprochen zu werden, darf man ab Jänner 2013 quasi direkt im Anschluss auf ORF 1 ähnliche Nachrichten mit der Empfindung erleben, als 20-Jähriger betrachtet zu werden.

Gerät die Neuheit zum Hit, soll jedoch nicht gleich die Mini-ZiB für die Kleinsten reaktiviert werden, damit der Rezipient im Anschluss an die ZiB 20 plus weitere Freuden der Regression erleben darf - mit Nachrichten, die er dann schon auswendig kennt.

Viel wichtiger wäre, an der Reform innovativ und hurtig weiterzuarbeiten. Schließlich will man noch in diesem Leben eine Gesamtbilanz über die Reform ziehen. Man möge sich also nicht Zeit lassen, bis sich sogar Heinzl und Sido wieder liebhaben. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 31.10./1.11.2012)

  • Infostretching für die "ZiB 20".
    foto: orf/hans leitner

    Infostretching für die "ZiB 20".

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