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Xenia Hausners "Das blinde Geschehen" (2010) in ihrer Ausstellung im Essl-Museum.
Wien - Kreuzt man die Waffen, so ist Auseinandersetzung angesagt - ganz gleich, ob der Feind nun die geschmiedete Klinge oder die Zunge, das oft schärfere Schwert, zu spüren bekommt. Auch die gekreuzten Zahnbürsten in Xenia Hausners Gemälde Pensée sauvage (dt. etwa "gefährliche Absicht") sind Waffen; sie sind einfach zu groß, um nebensächliche Accessoires zu sein.
Die an Zähnen abgearbeiteten Werkzeuge zeigen an, welcher Akt im Liebesdrama erreicht ist. Und so besucht die junge Frau nicht etwa ihren Freund in der Fleischerei. Vielmehr erzählen das Messer in der Hand des Mannes, die Fleischerhaken und speckigen Fliesen metaphorisch von der Verkommenheit einer Beziehung.
Trotz ungewissen Ausgangs eine bekannte Geschichte, ewiger Wiedergänger in Literatur, Musik, Theater, Film und bildender Kunst. Und so ist es recht schwierig, vor gemalten Tragödien wie dieser die Rätselhaftigkeit zu entdecken, die den Bildern von Xenia Hausner zugeschrieben wird. Interpretative Breite liegt vielmehr in der Ausgestaltung der Dramen, die diese Maloberflächen im Kopf des Betrachters anregen.
Lesen mit dem Lebensfundus
Genau das, nicht etwa eindeutige Lösungen sind es, was Hausner an den von ihr ausgelegten malerischen Spuren interessiert. Der Betrachter " liest das Bild mit seinem eigenen Lebensfundus", sagt die 60-jährige Malerin und erstaunt mit der Aussage, dass manches sogar für sie selbst ein Rätsel bliebe.
ÜberLeben titelt die Ausstellung im Essl-Museum bewusst doppeldeutig: So erzählen die jüngsten Bilder der Malerin über das Leben, zeichnen sich darüber hinaus jedoch durch existenzielle, lebensbedrohende Momente aus. Nicht nur im großen Format reichen Hausners Bilder ins "Leben" hinein, auch das Arbeiten mit und auf Fotografie kommt diesem ebenso entgegen wie die fein realistische Malweise. Darüber legt sich Expressives, in einem verlebendigten Pinselstrich und farbigen Schatten, so wie einst bei den Fauves. Ähnlich geht Hausner beim Motiv vor, rekonstruiert sie doch die ihr vorschwebenden, fiktiven Szenen in ihrem Atelier.
Für Das blinde Geschehen, eine Szene mit Auto, die drei mehr oder weniger lebendige Frauenkörper in und auf die Karosserie bettet, schaffte sie den halben Pkw in ihr Atelier. Sie benötige dieses "live moment", verriet sie Kurator Günther Oberhollenzer. "Ich muss auf eine Delle im Fleisch oder eine Wölbung im Polster wirklich schauen, dann setzt sich bei mir eine gewisse Triebautomatik in Gang." "Sinnliche Unterfütterung" nennt Hausner das.
Aber gerade an Sinnlichkeit mangelt es der Malerei, wenn das Öl nur zart die darunterliegende Fotografie überdeckt. Wenn Hausner, um dem Motiv und dem Prozess des Malens gerecht zu werden, grobe Pappe an hochwertigeren Malgrund anstückelt, wirkt das manieriert. Und pathetisch, wenn sie in einer installativen Malerei über die Idylle zweier Liegender einen bedrohlich wirkenden Steinbrocken drapiert: ÜberLeben heißt diese der Ausstellung ihren Titel gebende Arbeit. Hier tritt Hausners Erfahrung als Bühnenbildnerin zutage - und diese Praxis ist auch Indiz für ihre Malerei.
So wie es ihr bei den Rekonstruktionen und dargestellten Personen um den Wert als Stimulans geht, sind auch ihre Werke für den Betrachter anregende Bühnenbilder: Oberflächen für die Nachdenkprozesse und emotionalen Dramen anderer. (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD, 31.10./1.11.2012)
Bis 20. 1.
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Liebe Frau Feßler,
der von Ihnen im zweiten Absatz beschriebene "Mann" im Bild "Pensée saugage" ist gar kein solcher, sondern eine junge Frau. Wenn Sie mir nicht glauben, fragen Sie ruhig Frau Hausner.
Es ergibt dadurch vielleicht ganz neue Interpretationsmöglichkeiten und setzt allenthalben gar neue "Nachdenkprozesse" in Gang.
Übrigens: sehenswerte Ausstellung einer unterschätzen österreichischen Künstlerin.
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