Zwischen Nullzins, Plüschtieren und Tradition

30. Oktober 2012, 16:40
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Der Tradition wegen stapfen die Österreicher am 31.10 in ihre Bank. Für die Banken ein einträgliches Geschäft

Am Weltspartag pilgern die Kunden zu ihren Banken. Doch weniger der Zinsen oder Spargeschenke als vielmehr der Tradition wegen. 170 Euro sparen die Österreicher im Schnitt pro Monat. Gestiegene Kosten drücken aber auf die individuelle Sparleistung.

Wien - Alle Jahre wieder feiern die Banken den Weltspartag. Und alle Jahre wieder zieht dieser Tag Kunden in ihre Bankfilialen. 1,4 Millionen Österreicher wollen heuer den 31. Oktober nutzen, um ihrer Bank einen Besuch abzustatten.

In Zeiten von Onlinebanking, Bankomaten und Kontoauszugsdruckern stellt sich aber immer öfter die Frage nach dem Warum. Zumal Sparen in Zeiten des Niedrigzinses eine nicht lohnende Angelegenheit geworden ist. Die Inflation (2,7 Prozent im September) saugt den Zinsertrag auf. Für täglich fällige Einlagen bietet die direktanlage.at mit 2,10 Prozent (Mindesteinlage 5.000 Euro) aktuell den höchsten Zinssatz. Das Gros der Angebote liegt bei 0,250 Prozent und darunter. Real verringert sich damit das Ersparte.

Ist es also das Spargeschenk? Locken Trinkflaschen, Plüschtiere, DVDs und Co Kunden an, die sich quasi auf eine Naturaldividende freuen? Nein, sagt eine Imas-Studie, die im Auftrag der Erste Bank durchgeführt wurde. Das Spargeschenk ist demnach nur für 41 Prozent der Österreicher das Motiv für den Bankbesuch. Für 42 Prozent bietet dieser Tag schlicht die Gelegenheit, mit ihren Kindern oder Enkeln einen Ausflug zu machen. Die Mehrheit (72 Prozent) hält mit dem Gang zum Kassenschalter einfach die Tradition des Weltspartages hoch.

Vom Zuhören und Anstoßen

Aus Sicht der Banken soll dieser Tag "für die Kunden ein besonderer sein" , sagt Matthias Raftl, Pressesprecher für die Bereiche Privatkunden, Klein- & Mittelbetriebe bei der Bank Austria. Wie dieser Tag gestaltet wird, bleibt den einzelnen Filialen überlassen. Von Sekt und Brötchen ist oft die Rede, von intensiven Gesprächen mit Kunden berichten andere. Jedenfalls bleiben die Türen der Banken am Weltspartag länger offen als gewöhnlich.

Locken wollen die Banken ihre Kunden jedes Jahr auch mit eigens für diesen Tag kreierten Sparformen. Die Bank Austria setzt auf das Künstlersparbuch (heuer mit Gustav-Klimt-Bild), das 1,1 Prozent für eine Laufzeit von 18 Monaten bietet. Raiffeisen startet mit dem Weltspartags-Vermögenssparbuch (1,625 Prozent für 24 Monate), und die Bawag offeriert eine Kombination aus Sparbuch und Sparcard, die es für verschiedene Laufzeiten - maximal drei Jahre - gibt. Der Zinssatz liegt jährlich bei 1,5 Prozent. (mehr dazu liefert www.bankenrechner.at)

"Es ist unerquicklich"

Gegen diesen Trend hat sich heuer erstmals die Erste Bank entschieden. " Egal wie weit wir uns rauslehnen, es wird keine für den Kunden befriedigende Situation", sagt Vorstand Peter Bosek. "Es ist im Moment unerquicklich auf der Sparseite." Vielmehr wolle man mit den Kunden über Altersvorsorge reden, wo bei vielen in der Pension oder im Pflegefall das böse Erwachen drohe.

Wenn die Kunden am Weltspartag in die Filiale kommen, "ist das für uns auch ein Zeichen des Vertrauens", sagt Gregor Bitschnau, Sprecher in der RZB. Die Spargeschenke seien als Marketingins-trument wichtig, "um den Kunden auch ein positives Erlebnis mit ihrer Bank zu vermitteln".

Für die Banken ist der Weltspartag allemal ein einträgliches Geschäft. 2011 hat die Bank Austria zum Weltspartag 27 Mio. Euro an Sparguthaben dazugewonnen, die Erste Bank (ohne Sparkassen) knapp zehn Millionen.

Die Sparer sind aber nicht nur wegen der niedrigen Zinsen in der Not. Die Sparleistung geht laut Anlagebarometer der Bank Austria zurück. Steigende Preise für Mieten oder Energie machen sich bemerkbar - 62 Prozent der Befragten geben an, heuer weniger zu sparen als vor drei Jahren. Im Schnitt legen die Österreicher 170 Euro pro Monat zur Seite, mit 194 Euro sind die Vorarlberger Sparmeister. Das Sparbuch bleibt trotz Niedrigzinses die beliebteste Sparform und hat in der Gunst der Anleger sogar zugelegt. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 31.10./1.11.2012)

  • Fleißig wie Bienen sind vor allem die Vorarlberger, die 194 Euro pro Monat ansparen.
    foto: raffeisen/rudolph roland

    Fleißig wie Bienen sind vor allem die Vorarlberger, die 194 Euro pro Monat ansparen.

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