Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate

Anna Prohaska als freizügige Inanna in einer reizüberfluteten "Babylon"-Inszenierung.
Tatort: Münchner Nationaltheater. Tatzeit: abends gegen sieben. Tatbeteiligte: Jörg Widmann, renommierter Komponist Ende dreißig, sowie Peter Sloterdijk, Philosoph Mitte sechzig. Entstandener Schaden: strapazierte Hörnerven, Augenprobleme. Letztere sind Carlus Padrissas überkandidel- ter Hightech-Inszenierung geschuldet.
Padrissa ist Mitglied der einst revolutionären katalanischen Theatertruppe La Fura dels Baus, die mittelweile in der Mitte der Opernwelt angekommen ist und so manchen Nachahmer gefunden hat. Zu den Fura-Markenzeichen gehören turnende Menschenmassen, Breitwandvideos, Feuer und Wasser - alles, was irgendwie Effekt macht. Der Sinn bleibt da oft auf der Strecke.
Bei der Münchner Musiktheaterkreation Babylon ist selbiger nur zwischen den Zeilen des Librettos erkennbar. Ein Skorpionmensch klagt am Anfang herzergreifend über dieses und jenes, am Ende wird er sich selbst stechen und zersplittert hernach in unzählige Kopien.
Gott oder die Götter sind da bereits abhandengekommen, Orientierung entsteht durch Einführung der Sieben-Tage-Woche. Vorher gab es einen Opferkult, die babylonische Priesterin Innana verdrehte dem jüdischen Exilanten Tammu den Schädel und musste ihn aufgrund eines dummen Zwischenfalls aus der Unterwelt zurückholen, wo der Tod nach gequetschtem Singsang schließlich klein beigab.
Auch trat Fluss Euphrat persönlich und singend über die Ufer - übel gelaunt, weil er dann doch zu viel zerstören musste. Gabriele Schnaut legte hier einen wirklich großen Auftritt hin. Unvergesslich bleiben auch die Prophezeiungen Ezechiels, die August Zirner prägnant rezitierte. Und, bitte, wer kann jemals die sieben Vulven und sieben Phalloi vergessen, Plastikmodelle freilich, um die herum sich einiges drehte.
Erwähnt sei auch eine Figur namens Seele, die mit Tammu irgendwie zusammenhing. Zugegeben, wenn man Peter Sloterdijks Libretto ausführlich studiert und sich in Mythologie und einigen angrenzenden Bereichen gut auskennt, dann kennt man sich sogar bei dieser Uraufführung aus.
Ansonsten bleibt man verloren im Musikstrom Widmanns und dem Bilderregen der Fura. Während Sloterdijks mäanderndes Textungetüm zwischen hoh(l)em Pathos und Trivialkitsch hin und her schwankt, ackern sich die wackeren Bühnenarbeiter munter durch wirre, irre Welten.
Eine riesige Computertastatur wird in ihre Einzelteile zerlegt und neu zusammengesetzt. Die Charaktere sind in Fura-üblicher Techno-Couture gewandet, sie müssen manchmal durch die Luft schweben, es gibt sogar ein etwas wackliges Babel-Raumschiff. Die Sintflut besteht aus Videowellen und blauem Glitzerkram vom Bühnenhimmel, und nicht nur hier darf man den Ausführenden immerhin eine Prise Humor attestieren. Auch ein virtuos choreografiertes Chaosballett kommt zum Einsatz, aber leider auch jede Menge aufgeblähter Ideenschrott.
Der heterogenen Vorlage entsprechend, lieferte Jörg Widmann einen babylonischen Mix aus verschiedensten Stilen und Idiomen und zahlreichen Zitaten ab. Vom Puccini-Rausch geht es stracks zu wunderbar feinsinnigen Kantilenen, Karnevalsmusik samt bayerischer Bläsercombo wechselt mit schroffen Blechorgien, dazu kommt viel Kratzen, Knacken und Atmen. Manch Wiederholungszeichen in der Partitur hätte sich Widmann sparen können, insgesamt hält einen die oft sehr laute Musik jedoch bei Laune.
Das Schönste an dem dreieinhalbstündigen Abend war allerdings Anna Prohaska als sehr leicht bekleidete Priesterin Inanna. Was dieses zarte Wesen so alles ihrer Kehle entlockt, ist schlicht phänomenal. Mühelos gelingen ihr die kompliziertesten Koloraturen. Mit leichten Abstrichen überzeugten Claron McFadden als Seele und Jussi Myllys als Tammu. Exzellent Willard White in der Doppelrolle Priesterkönig/Tod. Sören Eckhoff sorgte für bestens präparierte Chöre, und Kent Nagano brachte das Bayerische Staatsorchester in perfekte Form.
Wieder einmal siegt in München also die Musik über den Rest, das Publikum reagierte recht freundlich, nur Peter Sloterdijk wurde als Einziger ausgebuht. (Jörn Florian Fuchs aus München, DER STANDARD, 31.10./1.11.2012)
"Wagners Ring an einem Abend" mit Texten von Loriot an der Wiener Volksoper
"Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" von Kurt Weill und Bertolt Brecht, eine Koproduktion mit der Vlaamse Opera
Kritik wegen Debatte über Staatsangehörigkeit von Lissners Nachfolger
Wagner wurde endlich 200 - und der Staatsopern-"Ring" mit der "Götterdämmerung" vollendet
Die Intendanten-Frage bleibt bis Juli ungeklärt
Bizets "Carmen" an der Wiener Staatsoper mit Mezzostar Elina Garanca
Georg Friedrich Händels Dramma per musica "Orlando" - Der ganze bunte Abend kommt nicht über ein paar sympathische Momente hinaus
Der neue Scala-Chef könnte möglicherweise bereits am 23. Mai bekanntgegeben werden
Uraufführung von Peter Androschs "Opernmaschine" im Linzer Musiktheater
Das Wiener Haus verzichtete auf Teilnahme - Suche nach Namen für Auszeichnung läuft
Inszenierung mit drastischen NS-Szenen wird auf konzertante Aufführungen reduziert
Oper "Stallerhof" an den Innsbrucker Kammerspielen
Erstmals ein Musical bei den Operettenfestspielen im Salzkammergut
"Natürlich blond" ist bloß zu 70 Prozent ausgelastet
Hans Werner Henzes Kinderoper eignet sich nur bedingt für die Staatsoper
Salzburgs Festspielchef Alexander Pereira hat Interesse bekundet
Hans Werner Henzes "Pollicino", ein Märchen für Musik, hat am Sonntag in der Staatsoper Premiere. Regisseur René Zisterer und Dirigent Gerrit Prießnitz über das Werk
"Tilt!" und "A Queda do Céu" beim Netzzeit-Opernfestival im Museumsquartier
Ersatzlösung für Saison 2014/15 angestrebt - Kinderoper "Pollicino" feiert am Sonntag auf Hauptbühne Premiere
Nikolaus Harnoncourt bringt im März 2014 stattdessen konzertanten Zyklus der drei Mozart/Da Ponte-Opern
Das Festival gewinnt in London in der Kategorie "Opernfestival" - Theater an der Wien, Bregenzer Festspiele und Wiener Staatsopernorchester gehen leer aus
Regisseur Robert Wilson schafft an Claus Peymanns Berliner Ensemble ein Musical der besonderen Art: Hochprofessionell und unterhaltsam wirkt seine zauberhafte Bilderwelt
"Der fliegende Holländer" in der musikalischen Leitung von Christian Thielemann wird live in 14 deutschen Städten in Multiplexkinos zu sehen sein
Puccinis "La Bohème" und Massenets "Werther" an der Wiener Staatsoper
Sloterdijk wurde also wegen seines "Trivialkitsches" ausgebuht. Was soll man auch von jemandem erwarten, der mehrmals Sarrazin ausdrücklich gelobt hat, und den die Berliner Zeitung als "Dieter Bohlen der Philosophie" bezeichnet hat?
Es ist allenfalls verwunderlich, dass Sloterdijk bei Suhrkamp veröffentlichen darf.
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.