Der Tod kostet in Wien nicht nur das Leben

  • Nicht jeder Verstorbene hat Angehörige, die das Grab pflegen. Rund 800 Menschen jährlich bekommen in Wien ein "Armenbegräbnis".
    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Nicht jeder Verstorbene hat Angehörige, die das Grab pflegen. Rund 800 Menschen jährlich bekommen in Wien ein "Armenbegräbnis".

Bestattung Wien präsentiert neueste Trends, doch nicht jeder kann sich ein Begräbnis leisten: Was passiert, wenn niemand zahlen kann oder will?

Die "schene Leich" hat in Wien zwar noch immer Tradition, trotzdem können sich immer mehr Leute vorstellen, alternativ beerdigt werden. Anstatt eines geschmückten Sarges und der Trauerrede am offenen Grab, tendieren rund 34 Prozent aller WienerInnen ab 30 Jahren zu einer Feuerbestattung. Vor sechs Jahren waren das nur etwa 18 Prozent. Diese Umfrageergebnisse wurden von der Wiener Friedhöfe und Bestattung präsentiert.

Auch die Neuerungen auf dem Sektor wurden vorgestellt: So soll im kommenden Jahr eine Applikation für Mobiltelefone entwickelt werden, die wie ein Routenplaner den Weg zum gewünschten Grab zeigt. Das "Friedhofs-Navi" befriedigt laut dem Geschäftsführer der Wiener Friedhöfe, Markus Pinter, einen oft geäußerten Wunsch der Friedhofsbesucher. Immerhin 30 Prozent aller BesucherInnen würden "ab und zu oder öfter" nach einem Grab suchen.

3.500 bis 4.500 Euro Begräbniskosten

Ein Viertel aller Toten der Bundeshauptstadt wird allerdings nicht mehr in einem Flachgrab beigesetzt sondern verbrannt. Diesem Trend will die Bestattung Wien ebenso Rechnung tragen und hat ihr Urnensortiment erweitert. Neben der ökologisch abbaubaren Urne mit Swarovskisteinen findet sich auch die Holzurne inklusive Malset zum Selbstdekorieren im Katalog. Kostenpunkt einer Urne: rund 200 Euro. 

Doch nicht jeder der 11.000 Toten, die von der Bestattung Wien jährlich beigesetzt werden, erhält ein aufwendiges Begräbnis und einen außergewöhnlichen Sarg oder eine Urne. Wenn sich Angehörige die durchschnittlich 3.500 bis 4.500 Euro Beerdigungskosten nicht leisten wollen oder können, wird ein sogenanntes "Armenbegräbnis" durchgeführt.

Täglich zwei Termine

Offiziell heißt eine solche Bestattung "Begräbnis auf Anordnung der Sanitätsbehörde". Dieses muss abgehalten werden, da durch das Wiener Leichen- und Bestattungsgesetz festgelegt ist, dass jede und jeder Tote beerdigt werden müssen. Rund 800 Menschen wird solch eine Zeremonie jährlich zuteil, deren Kosten die Stadt Wien übernimmt. Allerdings nur, wenn das Begräbnis nicht durch die Hinterlassenschaft bezahlt werden kann. 

Jeden Werktag um 8:10 und 8:20 Uhr finden die Beerdigungen am Zentralfriedhof statt. Zum früheren Termin werden die Menschen ohne und danach jene mit religiöser Konfession bestattet. Laut Peter Holeczek, Leiter der Kundenservicestelle in der Zentrale der Bestattung Wien, laufen allerdings nicht alle Zeremonien ohne Angehörige oder Freunde der Verstorbenen ab: "Meistens gehen zumindest ein paar Leute hinter dem Sarg her." Am Grab spricht dann schließlich ein Geistlicher die abschließenden Gebete oder es wird eine Gedenkminute abgehalten. Ab dann erinnert ein Holzkreuz mit Namensschild an den Toten. Zumindest die folgenden zehn Jahre.

Nicht nur Arme liegen in den Gräbern

In dieser Zeit können sich Angehörige melden und das "Armengrab" in ein Familiengrab umwandeln lassen. Zuerst müssen aber alle Kosten übernommen werden. Holeczek zufolge ist es auch möglich, den Toten in ein anderes Grab verlegen zu lassen. Das sei allerdings nur 14 Tage nach der Beerdigung und dann erst wieder ein halbes Jahr später möglich. Dazwischen muss eine Ruhezeit eingehalten werden, bevor der Tote exhumiert werden kann. 

Die Gräber finden sich in Wien nur am Zentralfriedhof und sind von außen nicht von anderen einfachen Grabstellen zu unterscheiden. Zwar liegen sie in bestimmten Gruppen aber nicht immer direkt nebeneinander. "Früher gab es einen eigenen Bereich, in dem sich nur Armengräber befunden haben", sagt Holeczek: "Das wurde geändert."

Geändert hat sich auch der Terminus "Armengrab". Laut Holeczek sind es nicht immer Bedürftige, denen solch eine Zeremonie zu teil wird: "Einmal hatten wir einen Herrn, bei dem niemand ein Begräbnis angemeldet hat. Die Verwandten lebten im Ausland und haben sich nicht gekümmert. Als wir dann in die Verlassenschaft gegangen sind, haben wir bemerkt, dass er eine Summe von zehn Millionen Schilling hinterlässt. Und trotzdem bekam er solch ein Armenbegräbnis." (Bianca Blei, derStandard.at, 31.10.2012)

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