Der Tod kostet in Wien nicht nur das Leben

Bianca Blei
1. November 2012, 12:21
  • Nicht jeder Verstorbene hat Angehörige, die das Grab pflegen. Rund 800 Menschen jährlich bekommen in Wien ein "Armenbegräbnis".
    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Nicht jeder Verstorbene hat Angehörige, die das Grab pflegen. Rund 800 Menschen jährlich bekommen in Wien ein "Armenbegräbnis".

Bestattung Wien präsentiert neueste Trends, doch nicht jeder kann sich ein Begräbnis leisten: Was passiert, wenn niemand zahlen kann oder will?

Die "schene Leich" hat in Wien zwar noch immer Tradition, trotzdem können sich immer mehr Leute vorstellen, alternativ beerdigt werden. Anstatt eines geschmückten Sarges und der Trauerrede am offenen Grab, tendieren rund 34 Prozent aller WienerInnen ab 30 Jahren zu einer Feuerbestattung. Vor sechs Jahren waren das nur etwa 18 Prozent. Diese Umfrageergebnisse wurden von der Wiener Friedhöfe und Bestattung präsentiert.

Auch die Neuerungen auf dem Sektor wurden vorgestellt: So soll im kommenden Jahr eine Applikation für Mobiltelefone entwickelt werden, die wie ein Routenplaner den Weg zum gewünschten Grab zeigt. Das "Friedhofs-Navi" befriedigt laut dem Geschäftsführer der Wiener Friedhöfe, Markus Pinter, einen oft geäußerten Wunsch der Friedhofsbesucher. Immerhin 30 Prozent aller BesucherInnen würden "ab und zu oder öfter" nach einem Grab suchen.

3.500 bis 4.500 Euro Begräbniskosten

Ein Viertel aller Toten der Bundeshauptstadt wird allerdings nicht mehr in einem Flachgrab beigesetzt sondern verbrannt. Diesem Trend will die Bestattung Wien ebenso Rechnung tragen und hat ihr Urnensortiment erweitert. Neben der ökologisch abbaubaren Urne mit Swarovskisteinen findet sich auch die Holzurne inklusive Malset zum Selbstdekorieren im Katalog. Kostenpunkt einer Urne: rund 200 Euro. 

Doch nicht jeder der 11.000 Toten, die von der Bestattung Wien jährlich beigesetzt werden, erhält ein aufwendiges Begräbnis und einen außergewöhnlichen Sarg oder eine Urne. Wenn sich Angehörige die durchschnittlich 3.500 bis 4.500 Euro Beerdigungskosten nicht leisten wollen oder können, wird ein sogenanntes "Armenbegräbnis" durchgeführt.

Täglich zwei Termine

Offiziell heißt eine solche Bestattung "Begräbnis auf Anordnung der Sanitätsbehörde". Dieses muss abgehalten werden, da durch das Wiener Leichen- und Bestattungsgesetz festgelegt ist, dass jede und jeder Tote beerdigt werden müssen. Rund 800 Menschen wird solch eine Zeremonie jährlich zuteil, deren Kosten die Stadt Wien übernimmt. Allerdings nur, wenn das Begräbnis nicht durch die Hinterlassenschaft bezahlt werden kann. 

Jeden Werktag um 8:10 und 8:20 Uhr finden die Beerdigungen am Zentralfriedhof statt. Zum früheren Termin werden die Menschen ohne und danach jene mit religiöser Konfession bestattet. Laut Peter Holeczek, Leiter der Kundenservicestelle in der Zentrale der Bestattung Wien, laufen allerdings nicht alle Zeremonien ohne Angehörige oder Freunde der Verstorbenen ab: "Meistens gehen zumindest ein paar Leute hinter dem Sarg her." Am Grab spricht dann schließlich ein Geistlicher die abschließenden Gebete oder es wird eine Gedenkminute abgehalten. Ab dann erinnert ein Holzkreuz mit Namensschild an den Toten. Zumindest die folgenden zehn Jahre.

Nicht nur Arme liegen in den Gräbern

In dieser Zeit können sich Angehörige melden und das "Armengrab" in ein Familiengrab umwandeln lassen. Zuerst müssen aber alle Kosten übernommen werden. Holeczek zufolge ist es auch möglich, den Toten in ein anderes Grab verlegen zu lassen. Das sei allerdings nur 14 Tage nach der Beerdigung und dann erst wieder ein halbes Jahr später möglich. Dazwischen muss eine Ruhezeit eingehalten werden, bevor der Tote exhumiert werden kann. 

Die Gräber finden sich in Wien nur am Zentralfriedhof und sind von außen nicht von anderen einfachen Grabstellen zu unterscheiden. Zwar liegen sie in bestimmten Gruppen aber nicht immer direkt nebeneinander. "Früher gab es einen eigenen Bereich, in dem sich nur Armengräber befunden haben", sagt Holeczek: "Das wurde geändert."

Geändert hat sich auch der Terminus "Armengrab". Laut Holeczek sind es nicht immer Bedürftige, denen solch eine Zeremonie zu teil wird: "Einmal hatten wir einen Herrn, bei dem niemand ein Begräbnis angemeldet hat. Die Verwandten lebten im Ausland und haben sich nicht gekümmert. Als wir dann in die Verlassenschaft gegangen sind, haben wir bemerkt, dass er eine Summe von zehn Millionen Schilling hinterlässt. Und trotzdem bekam er solch ein Armenbegräbnis." (Bianca Blei, derStandard.at, 31.10.2012)

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Wer eine "schöne Leich" will muss ja nicht zur Wiener Bestattung gehen...

Da gibt es ja noch private Unternehmen, zum Beispiel den Herrn Heini Altmann am Baumgartner Friedhof.

"PAX" und "Perikles" gehören schon der Geminde und tut nur so als ob sie eine Alternative seien, soweit man hört.

Würdevolle Verabschiedung!

Habe Körperspende mit kirchlicher Verabschiedung und normales Begräbnis mitgestaltet. Lege Wert auf ´a schene Leich´. Da ist der finanzielle Unterschied nur mehr´ ca 1500€´, das aber in einer NOE Kleinstadt. Sehe solche Kosten als Standard!

Der Tod kostet ....

Warum sich Menschen "aufregen",daß "der Tod" etwas kostet,ist mit ein Rätsel.Für fast alles ist "Mensch" versichert,aber eine "Sterbeversicherung" wollen sich nur einige leisten..So unter dem trügerischen Motto,wird schon nicht so "bald" sein....

Eher nach dem Motto: ich zahls eh nicht mehr

Was sagt dazu eigentlich die Bundeswettbewerbsbehörde?

Die Preise sind wirklich eine Frechheit

Hier werden die Trauernden abgezockt.

Gibt's keine Bestattungsdiscounter in Wien?

nein

da achten die unternehmerfunktionäre in der wko darauf, dass nicht noch ein ungeliebter mitbewerber aufträge wegnimmt.

11.000 Bestattungen / Jahr

3.500 EURO / Durchschnittspreis

ein lukratives Geschäft für die Stadt Wien.

Kein Wunder, dass man sein Monopol halten will.

Widersprecht irgendwie den Regeln des freien Marktes - der auch in Österreich gilt.

Nebenbei: 200 Euro für eine Standard Urne - gibt's im Discounter für 50 - und sieht noch gut aus.

Abzocke nenne ich das.

Das würde ich meinen Hinterbliebenen nie antun... Verbrennen und die Sache hat sich. :)

sondern den Erben auch die Erbschaft

das meiste sterben zieht sich über Monate. Der Aufenthalt in Krankenhäusern wird immer öfter und länger. Zuletzt weiß sich dann niemand mehr zu helfen und die Patienten werden ständig hin und her verlegt. Nach dem Tod gibt es dann von den verschiedensten Krankenanstalten Forderungen in der Höhe von bis zu mehreren 10.000 Euros. Welche Nachfahren können bzw. wollen diese Unsummen auf ihre Richtigkeit überprüfen? Die meisten tun es natürlich nicht. Und so sanieren sich die Krankenanstalten auf Kosten der Nachfahren (bzw. dort wo es möglich ist die Erbschaft wegen Überschuldung nicht antreten zu müssen) auf Kosten der Allgemeinheit.

daher kommen also die 3.700 euro

die den mindestsicherungsempfaengern nicht enteignet werden.
fuer die erfinder der mindestsicherung sind die empfaenger derselben wohl menschlicher muell.

In dem Film "Es war einmal in Amerika" wird auch noch eine sehr kostengünstige Methode empfohlen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Es_w... in_Amerika

Zitat:
"Als das Fahrzeug an Noodles vorbeifährt, ist Max verschwunden, und im Inneren des Müllfahrzeugs sieht man scharfe Klingen, die den Müll zerkleinern. Max’ Schicksal bleibt somit ungewiss; aber es scheint, als habe er sich selbst in das Müllfahrzeug geworfen, um von den Klingen zerrissen zu werden."

Unce upon a time in America

von Sergio Leone endet so: Noodles (Robert de Niro) folgt trotz Warnung seitens Deborahs (Elizabeth McGovern) einer Einladung des in Schwierigkeiten steckenden Max (James Woods). Die Begegnung verläuft für Max enttäuschend, Noodles tut so als ob er Max nicht kennen würde.

Nachdem Noodles das Anwesen verläßt, läuft ein Diener (offensichtlich im Auftrag von Max) mit einer Nachricht zum Fahrer des Müllwagens. Dieser setzt sich drohend hinter Noodles in Bewegung, fährt dann aber an diesem vorbei. Man sieht die rotierenden Zerkleinerungsmesser.

D.h. Max hatte sorgfältig die Ermordung von Noodles geplant, diese aber (aufgrund des unerwarteteten Ausgangs ihrer Begegnung) im letzten Moment widerrufen.

Dafür, daß Max sich selbst in den Müllwagen geworfen haben könnte, gibt es im Film keinen Anhaltspunkt.

Bringt nix. Wenn die die Leichenteile finden, müssen die verwandten zum Schluß noch die Bestattung und die Kosten der Müllabfuhr und der kriminalpolizei übernehmen. ;-)

Die Friedhöfe sind voll von Leuten, die sich für unentbehrlich hielten. - Benjamin Clemenceau

Da hat er sicher recht, der Benjamin...

Die einzig vernünftige Lösung der Körperverwertung meiner Ansicht nach...

...wäre Soylent Green. Somit trage ich nach meinem Tod auch gleich zur Lösung des Welthungerproblems bei.

Meiner Meinung nach auch sicher humaner als die Abzockerei der Bestattungsunternehmen.

Das geht nicht

weil die meisten Menschen vor ihrem Tod mit Medikamenten vollgepumpt sind.

Sollte eigentlich ein eigenes Posting werden und weil ichs so wichtig finde nochmals: Mit 450 € bedeutend billiger: Körperspende. In den 450 € sind die Kosten für die Überführung des Leichnams, Präparationskosten und die Bestattungskosten enthalten.

Denn bestattet wird man trotzdem nach den wissenschaftlichen Untersuchungen und diese Kosten übernimmt die MedUNI. Man hat nur einmal die 450 € zu zahlen. Der Betrag wurde eingeführt, weil sich zu viele gemeldet haben, eben um den hohen Begräbniskosten zu entgehen (bedeutete für das Anatomische Institut Geldprobleme).

Damit hilft man der Forschung und man entlastet die Angehörigen finanziell. Für Angehörige die trauern wollen, gibt es am Wiener Zentralfriedhof jedes Jahr eine Gedenkfeier für verstorbene Körperspender. Auch ein Ehrengabstein gibt es für die Körperspender.

http://www.meduniwien.ac.at/centeracb... pende.html

http://www.konsument.at/cs/Satell... 8846319841

mein vater (speiseröhrenkrebs) hat sich auch dafür entschieden und ich habe die entscheidung nicht nur respektiert sondern auch für sehr sinnvoll empfunden. eine art trauerfeier oder ähnliches kann man ja trotzdem arrangieren, dafür muss ja kein sarg oder eine urne herumstehen.

Mühsam wird die Bestattung/Verbrennung von stark übergewichtigen Menschen.
Das geht in .at nur in bestimmten Krematorien. In diesem Sommer ist das Krematorium in Graz sogar abgebrannt - zu viel Fett. Vielleicht als Anregung zum Abnehmen schon zu Lebzeiten.

Warum?

Ich bin ja nicht davon betroffen, aber warum sollte ich, wäre ich betroffen, gerade wegen des Mühsams nach meinen Tod abnehmen?

Wenn ich Probleme mit der Gesundheit habe, dann sollte ich abnehmen. Aber was kümmerts mich, wenn irgendwelche Krematorien abbrennen, weil die nicht richtig mit meinem Körperfett umgehen können und es falsch lagern (und deswegen ist das passiert, nicht weil dort ein Dicker verbrannt wurde).

musste mich vor kurzem auch damit beschäftigen. da man ja keine andere wahl hat muss man für einen sarg den niemand je sieht, da es keine aufbahrung gibt und er ohnehin verbrannt wird, 550 euro zahlen. einwickeln in irgendein hübsches tuch hätte mir auch gereicht.
wenigstens konnte ich mich weigern für 25 standard a7 patezetteln 250 euro zu zahlen. hat mir ein befreundeter grafiker um 8 euro gemacht...

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