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vergrößern 620x800Weitgehend abstrahierte Körperab- drücke zeigt "Handled" (1971) von Agnes Denes, die sich in den 1970er-Jahren sowohl mit männlichen als auch weiblichen Rollenbildern beschäftigte.
Wien - Einige Blätter von Agnes Denes hätten auch gut in die Ausstellung Nackte Männer gepasst: Napoleonic Series: Investigation of World Rulers I und II sind zwei Bilder betitelt, auf denen die 1931 in Budapest geborene Künstlerin Penislängen "vermisst": Zu sehen sind Abdrücke männlicher Genitalien auf rosa Millimeterpapier, das - was die unterschiedlichen Längen (oder eben auch Kürzen) betrifft - eine deutliche Sprache spricht.
Gleichzeitig zur ironischen Demontage männlicher Allmachtsfantasien hat die Künstlerin in der 1971 entstandenen Serie auch das in den 1970er-Jahren vorherrschende Frauenbild dekonstruiert: Ihre performativ angehauchten zarten Bilder Breast, The Artist's Hand oder Handled zeigen weitgehend abstrahierte Körperabdrücke und bilden in ihrer Fragmentiertheit einen gelungenen Auftakt der Schau The Body Argument, kuratiert von Florence Derieux für das Projekt "curated by".
Mit Bezug auf Agnes Denes' gesammelte Schriften (The Human Argument) steht das Konstrukt Körper im Zentrum der Ausstellung. An Brisanz hat es bis heute nichts eingebüßt. Formal betrachtet gehen die drei jüngeren der versammelten Positionen jedoch noch weiter zurück: Betritt man den Hauptraum, ist angesichts der vielen Gliedmaßen und befremdlichen Körpermontagen vielmehr auch der Surrealismus wieder präsent.
Auf der Suche nach einer historisch weniger belasteten, körperlichen Identität treibt Lili Reynaud-Dewar das Zurückblicken jedoch auf die Spitze: Teil ihrer archaisch anmutenden Installation sind vier Sockel, auf die die Künstlerin Bilder von Gladiatoren appliziert hat.
Auf den Sockel liegen wiederum die Gipsabgüsse zierlicher Arme und Beine, über deren Herkunft ein Video Aufschluss gibt: Wie in längst vergangen geglaubten Zeiten sitzen darin drei nackte Frauen zwei Männern Modell, die diesen ihre Körperabdrücke abnehmen. Auch wenn der Sound, der aus den Sockeln/Boxen erklingt, die Installation in die Gegenwart holt, bleibt das vermittelte Frauenbild doch seltsam altbacken und irritierend.
Die Skulpturen von Clément Rodzielski sind davon formal zwar gar nicht so weit entfernt, in ihrer Aussage aber doch zugänglicher: Die surreal anmutenden Teile waren ursprünglich jene Frauendekolletés nachempfundenen Halsbüsten, die üblicherweise beim Juwelier Verwendung finden.
Nach der Bearbeitung durch Rodzielskis brechen sie allerdings nicht nur mit den ursprünglich zierlichen Formen, sie demontieren auch deren künstliche Haltung. Denn für diese interessiert sich Emily Wardill ebenfalls: In ihrem Video The Pips sieht man die rhythmische Sportgymnastin Francesca Jones eine ihre Küren vorführen. Gegen Ende der Arbeit materialisieren sich ihre kunstvollen Bewegungen jedoch: Nach und nach häufen sich schwarze Objekte am Boden, die man weder mit weiblichen noch mit männlichen Körpern in Verbindung bringt. (Christa Benzer, DER STANDARD, 31.10./1.11.2012)
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