Ex-ZDF-Chefredakteur für Rückzug von Politikern aus Medien-Gremien

Brender kritisiert auch CSU-Schlachtendrohung

Berlin - Der frühere ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender hat die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) aufgefordert, besonders im anstehenden Wahlkampf die Einflussnahme von Politikern auf öffentlich-rechtliche Medien zurückzudrängen. "Ergreifen Sie die Initiative zum Rückzug aller Politiker aus den öffentlich-rechtlichen Aufsichtsgremien im Wahljahr 2013", schrieb Brender in einem Offenen Brief in der Beilage "Christ & Welt" der Wochenzeitung "Die Zeit".

Die Besetzung der Aufsichtsgremien von Sendern mit Parteipolitikern schade "sowohl dem Ansehen der öffentlich-rechtlichen Sender wie auch der Politik", kritisierte Brender weiter. Allein beim ZDF hätten mehr als 40 ehemalige und aktive Politiker "mehr die Interessen ihrer Parteien als die der Allgemeinheit im Blick". Gerade erst habe Merkel dorthin noch "ihre engste medienpolitische Beraterin Eva Christiansen zur Kontrolle geschickt". Brender verwies darauf, dass in gut geführten Unternehmen auch Aufsichtsratsmitglieder bei Befangenheit auf die Teilnahme an Sitzungen oder an Abstimmungen verzichten.

Warnung

"Das Fiasko um den CSU-Parteisprecher Strepp sollte Ihnen eine Warnung sein", mahnte Brender die Kanzlerin. Hans Michael Strepp war nach einem umstrittenen Anruf bei der "heute"-Redaktion des ZDF zurückgetreten, in dem er versucht haben soll, die Ausstrahlung eines Berichts über die Nominierung von Christian Ude zum Spitzenkandidaten der bayerischen SPD zu verhindern. Brender kritisierte auch eine Äußerung des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU), der die bayerische Landtagswahl im kommenden Jahr als "Mutter aller Schlachten" bezeichnet hatte.

Brender war von 2000 bis 2010 Chefredakteur des ZDF. 2009 hatte es der überwiegend mit Unionspolitikern besetzte Verwaltungsrat des Senders abgelehnt, seinen Vertrag zu verlängern. Brender hatte daraufhin bereits wiederholt ein "Spitzelsystem" im ZDF sowie "Proporzdenken" der Parteien kritisiert. (APA, 30.10.2012)

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