Ein zweiter Schuldenerlass für Athen?

30. Oktober 2012, 14:56
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Griechenlands Finanzlage ist alles andere als solide. Doch es ist ungewiss, wie das geändert werden soll.

Ein Akronym geht um in Europa: OSI. Hinter den drei Buchstaben verbirgt sich ein zweiter Schuldenschnitt für Griechenland, diesmal für die internationalen Geldgeber, also die europäischen Steuerzahler. OSI steht für official sector involvement, nach dem PSI (private sector involvement), das die privaten Schulden um knapp 75 Prozent reduzierte. Nach den schmerzlichen Verlusten der Banken und Versicherungen wären damit die Finanzminister und Zentralbanker dran.

Die Gespräche zwischen Troika und Griechenland gestalten sich dabei offenbar sehr zäh. Darauf deutet etwa die Meldung von gestern, dass die Rekapitalisierung der griechischen Banken noch für Konfliktstoff sorgt. Das dürfte nicht zuletzt an der Frage liegen, ob die offiziellen Gläubiger Griechenland ebenso Schulden erlassen oder nicht. Ja nachdem können die Banken in Athen mit frischem Kapital aufgepäppelt werden.

Ein zweiter Schuldenschnitt würde bedeuten, dass die EU-Finanzminister und die EZB auf einen Teil ihrer Hilfskredite verzichten müssten. Das fordern etwa Ökonomen, die angesichts der Staatsschulden Griechenlands von über 170 Prozent von einer nicht nachhaltigen Last sprechen. So hat etwa der deutsche Ökonom Hans-Werner Sinn im Interview mit dem Standard gemeint, dass Griechenlands Gesellschaft unter der aktuellen Sparlast zu zerbrechen drohe. Er plädiert aber für einen anderen Schritt: einen Euro-Austritt Griechenlands.

Doch die Politik will Athen im Euro behalten. So weit besteht Einigkeit. Noch im November soll entschieden sein, wie man Griechenland weiter helfen kann. Uneins sind Europas Finanzminister aber über das Wie. So wird offenbar auch überlegt, ob der permanente Rettungsschirm ESM für Hilfen an Athen herangezogen werden soll, neben der Möglichkeit eines Schuldenerlasses.

Doch der würde Griechenland gar nicht so viel bringen, argumentiert etwa Andreas Koutras, Leiter am ITC. Denn es sei allen klar, dass Griechenland mit 170 Prozent Staatsschulden in Prozent des BIP überschuldet sei. Über kurz oder lang muss das Land entweder Pleite gehen oder höhere Inflation haben. Was für die aktuelle Situation relevanter ist: der Cashflow. Wann werden griechische Anleihen fällig? Hat Athen das Geld, um diese Bonds zu bedienen?

2013 und 2014 wird es vor allem um Bonds von EZB und Währungsfonds gehen. Alle übrigen Schulden (etwa an die Euroländer und die übrigen privaten Gläubiger) werden erst viel später fällig. "Wenn, dann macht also eine Stundungsperiode für Griechenland Sinn", so Koutras. So könnten die Geldgeber etwa für die nächsten drei Jahre auf Rückzahlung der Anleihen verzichten und so die Liquiditätssituation Griechenlands entspannen.

Wie auch immer sich die Politik in den kommenden Wochen einigen wird: Athen braucht Hilfe, soviel steht angesichts der Depressions-ähnlichen Zustände der Wirtschaft und der enormen Verschuldung fest. Die Verluste sind bereits aufgetreten, jetzt stellt sich nur noch die (politisch wichtige) Frage, wie und wann sie verbucht werden.

 


 

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