Nader boxt um seinen ersten Profi-Titel

30. Oktober 2012, 17:57
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22-jähriger Österreicher fordert Spanier Santos vor Heim-Publikum heraus und hofft auf "3. Faust" - "Will Gürtel haben"

Wien - Sparring in der Lugner City. Zunächst ist Marcos Nader (22) dran. Dann Roberto Santos (31), der amtierende Champion der EU, quasi die zweite Liga in Europa, über der das gesamtkontinentale Championat steht, die EM.

Sigi Bergmann, die Legende, kommentiert. Das Boxen im Allgemeinen, den 22-jährigen Wiener Marcos Nader, der sich auf seinen ersten Titelkampf vorbereitet, im Speziellen. "Der Boxsport", erzählt Bergmann den Schaulustigen im Einkaufszentrum, "ist die Quadratur des Kreises." Was daher kommt, dass die Kämpfer im Ring stehen, der freilich ein Quadrat ist mit rund sechs Metern Seitenlänge. "Kommen Sie", sagt Bergmann. " Marcos Nader braucht die dritte Faust." Und zwar am Freitag, wenn er im Schwechater Universum seinen ersten Titelkampf als Profi bestreitet und erstmals, wenn nicht vorher eine Entscheidung fällt, über zwölf Runden zu gehen hat.

Maximal 72,574 Kilogramm dürfen die beiden Mittelgewichtler auf die Waage bringen, das rührt von den 160 angloamerikanischen Pfunden her. Beide sind Normal- und also Linksausleger und schlagen mit rechts hart zu. Und beide sind auf Ibiza auf die Welt gekommen. Nader als Sohn eines Wieners und einer Serbin. Er wuchs in Wien auf. Und begann mit acht mit dem Boxen, weil auch der Bruder Boxer war. Vater Roman Nader macht dem Österreichischen Boxverband den Präsidenten. Und aus Santos ist "El Tigre de Benidorm" geworden.

Der Amateur hat's schwer

Seit 2009 ist Nader beim deutschen Boxstall Sauerland unter Vertrag, er hat alle seine bisherigen 16 Profikämpfe gewonnen. Als Amateur bestritt er 98 Kämpfe, 83-mal gewann er, 40-mal vor der Zeit. "Es ist nicht leicht als Amateur in Österreich", erzählt er. "Man wird viel zu wenig gefördert. Wir haben gute Leute, aber Trainingslager oder Leistungstests kosten einfach viel Geld." Nader wurde von der Familie gefördert, und als österreichischer Meister kam er auch in den Genuss der Sporthilfe. Bereits 2007 habe Sauerland bei ihm angefragt. "Das war zu früh für mich. Ich wollte zu Olympia. 2008 in Peking habe ich in der Quali als 18-Jähriger gegen den späteren Halbfinalisten verloren. Pech."

Weil es gar nicht geht, mit einem Boxer nicht über den Größten zu sprechen: "Mein Vater ist bei den Kämpfen von Muhammad Ali in der Nacht aufgestanden. Ich kenne ihn von Geschichtsbüchern, Youtube und Reportagen. Und er hängt in jedem Boxklub." Für ihn, Nader, ist aber jeder Leistungssportler, der den nötigen Fleiß und Respekt mitbringt, ein Vorbild. Gegen Santos fühle er sich nicht als Favorit. " Er ist ja der Titelträger. Mein Vorteil ist, dass ich zu Hause kämpfe. Und dass ich ein guter Boxer bin." (Benno Zelsacher, DER STANDARD - 31.10.2012)

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