Heimische Industrie weiter in der Rezession

30. Oktober 2012, 12:16
1 Posting

Für das Gesamtjahr ist laut Bank-Austria-Experten ein moderates Produktionsplus von bis zu einem Prozent zu erwarten

Wien - Die ungünstigen internationalen Rahmenbedingungen belasten weiterhin die heimische Industriekonjunktur, schreibt die Bank Austria in ihrem Einkaufsmanagerindex für Oktober. Der Index verlor weiter an Boden und markiert nun bei nur mehr 44,8 Punkten nach 45,1 im September und verzeichnet damit die höchsten Wachstumseinbußen seit Mitte 2009. Er zeigt die Fortsetzung der Rezession in der heimischen Industrie. Immerhin habe sich der Rückgang verlangsamt. Bank-Austria-Chefvolkswirt Stefan Bruckbauer sah darob eine "Stabilisierung des Abwärtstrends".

Schon den vierten Monat hintereinander zeigt sich ein Schrumpfen des Produktionssektors. "Die Auftragseinbußen waren im Oktober deutlich, sodass sowohl die Produktion zurückgefahren als auch die Beschäftigung verringert wurde", so Bruckbauer. "Zudem belasteten stark steigende Einkaufspreise die Ertragssituation der heimischen Industriebetriebe." Die Nachfrage im In- und Ausland sei stark rückläufig.

Auftragsminus aus der Eurozone

Vor allem aus der Eurozone kamen in den vergangenen Wochen weniger Aufträge herein. Die Rezession in wichtigen Abnehmerländern der heimischen Produzenten - vor allem in Italien - ist stark spürbar. Die Auftragspolster, die seit Jahresanfang ununterbrochen sinken, haben sich im Oktober abermals stark verringert.

Der Jobabbau sei zuletzt im Dezember 2009 so intensiv erfolgt, wie heuer im Oktober und eine Trendumkehr sei angesichts der ungünstigen Auftragslage nicht in Sicht - obwohl die Mehrheit der Betriebe die Mitarbeiterzahl stabil hielt und es teils Neueinstellungen gab. "In einigen Branchen, wie in vielen Metallbereichen, dem Maschinenbau und der Pharmaindustrie, wurden trotz der generell schwierigen Rahmenbedingungen Neueinstellungen vorgenommen", erklärte Bank-Austria-Ökonom Walter Pudschedl.

"Auch die aktuellen Preistrends setzen der Ertragssituation der heimischen Industriebetriebe zu. Die Einkaufspreise stiegen im Oktober deutlich stärker als die Verkaufspreise", so Pudschedl. Wegen des kundenseitigen Preisdrucks und des schärfer werdenden Wettbewerbs war es nur geringfügig möglich, die Verkaufspreise zu steigern. Dagegen beschleunigte sich der Preisanstieg für Rohstoffe.

Tiefpunkt steht knapp bevor

Bruckbauer meinte, "der Tiefpunkt der Industriekonjunktur scheint knapp vor Ende des Jahres 2012 erreicht zu sein", auch wenn sich derzeit die Fortsetzung der Rezession zeigt. "Obwohl sich die negative Industriestimmung der vergangenen Monate auch deutlich in den realen Werten niedergeschlagen hat, ist im Gesamtjahr 2012 noch ein moderates Produktionsplus von bis zu einem Prozent zu erwarten."

Überdurchschnittlich werde sich die Industrie in Oberösterreich, Tirol, Vorarlberg und Wien entwickeln. Für 2013 halten die Bank-Austria-Ökonomen insgesamt an ihrem "optimistischen Szenario mit einem Wachstum von bis zu drei Prozent" fest.

Von der Industriellenvereinigung Kärnten verlautete nach einer Konjunkturumfrage zum 3. Quartal 2012, man blicke "weniger optimistisch in die Zukunft" - bis zum Jahresende rechne man "mit einem deutlichen Einbruch der Produktion". 41 Prozent der Unternehmen im südlichsten Bundesland signalisierten Rückgänge, hieß es. (APA, 30.10.2012)

Share if you care.