Wie "Sandy" den Wahl-Endspurt beeinflusst

30. Oktober 2012, 11:54
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Kurz vor der US-Präsidentenwahl wirft Wirbelsturm "Sandy" die Pläne der Wahlkampfstrategen über den Haufen

Hurrikan "Sandy" wirbelt den US-Wahlkampf durcheinander. Seit Monaten dominierten Wahlthemen, TV-Debatten und Auftritte die Medien. Acht Tage vor der Abstimmung am 6. November stellt der Monstersturm aber alles in den Schatten. "Sandy" durchkreuzte die Reisepläne von Amtsinhaber Barack Obama und die seines Herausforderers Mitt Romney. Beide sagten Termine ab.

Stromausfälle: Die vorhergesagten tagelangen Stromausfälle werden nicht nur den Wahlkampf in den elektronischen Medien beeinträchtigen. Beide Kandidaten kündigten zudem an, dass sie in den von "Sandy" bedrohten Staaten vorerst nicht mehr mit E-Mails um Wahlkampfspenden bitten werden.

Wahlhelfer beider Lager befürchten auch, dass "Sandy" Frühwählern einen Strich durch die Rechnung macht. Wenn der Sturm das gesamte öffentliche Leben lahmlegt, können sie weder selbst wählen gehen noch per Briefwahl abstimmen, wie in mehreren Bundesstaaten an der Ostküste üblich ist.

"Early Voting": Traditionell mobilisieren beim "Early Voting" vor allem die Demokraten ihre Anhänger. Vor vier Jahren lag Obama laut der "Washington Post" mit 58 Prozent bei den vorzeitig abgegebenen Stimmen klar vor dem damaligen republikanischen Kandidaten John McCain (40 Prozent). Auch befürchten Beobachter, dass Wähler niedriger Einkommensschichten vom Wählen abgehalten würden, was ebenfalls den Demokraten schaden würde.

Wenn aber in ländlichen Gebieten tagelang Straßen überflutet sind, könnte dies auch jene älteren Wähler von der Stimmabgabe abhalten, die traditionell eher die Republikaner wählen. Die Wahlhelfer befürchten außerdem, dass weniger Wähler am 6. November zur Wahl gehen, weil für sie die Beseitigung von Schäden Vorrang hat.

Am Wahltag: Sorge bereitet auch die elektronische Stimmabgabe am Wahltag. Falls sich die angekündigten Stromausfälle tatsächlich bis zu zehn Tage hinziehen, müssten Wähler in weiten Gebieten Wahlzettel ausfüllen. Weil die Zeit so kurz ist, könnte es logistische Probleme geben.

Winner takes it all: Sieht man sich eine Karte der USA an, auf der die politischen Mehrheiten und der erwartete Verlauf des Sturms "Sandy" aufgezeichnet sind, fällt eines auf: Betroffen dürften vor allem demokratische Staaten im Nordosten sein, in denen Präsident Barack Obama auf eine Mehrheit hoffen kann. Die Hoffnung der Demokraten ist, dass das Wahlmännersystem dazu beiträgt, dass die Staaten auch demokratisch bleiben, wenn viele Wähler vom Wählen abgehalten werden. Die Wahlmännerstimmen in den USA werden nach dem Mehrheitsprinzip ("winner takes all") verteilt. So lange die Anhänger der Demokraten und Republikaner gleichermaßen von "Sandy" betroffen sind, könnte in den betroffenen Staaten das Ergebnis unverändert bleiben.

Vom Sturm betroffen ist auch der Swing-State Virginia. Wegen einer hohen Zahl von Wechselwählern ist der Bundesstaat heiß umkämpft. Gouverneur Bob McDonnell könnte nach Informationen des Center for Democracy and Election Management die Abstimmung per Wahlgesetz bis zu 14 Tage verschieben lassen.

Obama als Krisenmanager, Romney als Zuschauer: Gefährlicher für Obama als Amtsinhaber ist das Bild, das er in den kommenden Tagen in den Medien abgibt. Sein Vorgänger George W. Bush erlitt schwere Einbußen in seinen Umfragewerten, als er sich nach Ansicht seiner Kritiker erst zu spät um das 2005 durch den Hurrikan "Katrina" überflutete New Orleans kümmerte.

Der Princeton-Professor Julian Zelizer sieht auf CNN.com beide Kandidaten gefordert. Obama müsse sich jetzt als kompetenter Krisenmanager darstellen, Romney wohldosiert agieren. Mache der Herausforderer zu viel, würde das schnell als Wahlkampfgetöse entlarvt werden. Er müsse den Wahlkampf jetzt zurückfahren, Fernsehspots allzu harter Gangart absetzen und auf die geplanten letzten herben Salven gegen Obama verzichten. Beide Wahlkampfteams müssten spontan ihre Schlussstrategien ändern. Ein Vorteil für Obama sei, dass die Medienaufmerksamkeit nun vom Wahlkampf abgezogen und voll auf den Sturm konzentriert werde. In der aktuellen Berichterstattung kommt als Obama als oberster Krisenmanager tendeziell öfter vor. Und selbst von republikanischer Seite erhielt er dafür schon Lob. New Jerseys Gouverneur Chris Christe bezeichnete Obamas Krisenverhalten als "hervorragend".

Beeinflussung der Umfragen: Der "New York Times"-Autor und Statistiker Nate Silver bringt den Aspekt ein, dass "Sandy" auch die Umfrageergebnisse der Demokraten negativ beeinflussen könnte. (APA/red, derStandard.at, 30.10.2012)


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