Hacker: Die Freibeuter des digitalen Zeitalters

Nicht alle Hacker sind kriminell - sie für die Arbeitswelt zu gewinnen ist Ziel eines Wettbewerbs

Ist das Hackertum eine verstoßene Randkultur? Stehen Hacker auf einer Stufe mit den Piraten, die früher reale und nicht wie Hacker heute, virtuelle "Ports" überfielen? Warum muss man gerade die Jungen in Gesellschaft und Wirtschaft integrieren? Eine dreiköpfige Expertenrunde versuchte am Montag im Rahmen der Vorstellung eines Wettbewerbs für junge Hacker Antworten auf diese Fragen zu finden.

Ehrenkodex

Laut dem Wiener Soziologen Roland Girtler existiert ein Ehrenkodex, der allen Hackern gemeinsam ist (oder sein sollte). Damit sind auch Forderungen verbunden wie der freie Informationszugang im Netz und eine Dezentralisierung von Macht. Ein Hauptmotto laute: "Öffentliche Daten nützen, private Daten schützen".

Nach Auffassung des IT-Sicherheitsexperten Joe Pichlmayer existiert diese Ethik immer noch. Besonders verbreitet sei sie unter den "Whackern", denen es vor allem ums Austricksen von System geht. Allerdings werde sie in manchen Fällen aber auch missbräuchlich eingesetzt. Nämlich dann, wenn die Aussicht, schnell Geld verdienen zu können, verlockender ist als lediglich exzellentes Können im Knacken von Sicherheitsbarrieren zu zeigen.

Ein Aspekt, der auch Girtler im Laufe seiner Beobachtungen in Gestalt von sogenannten Crackern unterkam: Sie setzen ihre Fähigkeiten bevorzugt für kriminelle Aktivitäten wie Datenklau oder Webseitenblockaden ein.

Recht auf Freiheit

Girtler verglich schon in einem 2003 veröffentlichten Essay Hacker mit den legendären Freibeutern - beide Gruppen seien rebellisch und pochten auf das Recht auf Freiheit. Der Wissenschafter hat den Zeitgeist damit erkannt, denn viele der "Piraten", die sich mittlerweile in mehreren Ländern als politische Partei formiert haben, stellten dereinst als Netzaktivisten ihr Hackerkönnen unter Beweis. Die Tradition des versteckten Eindringens ist aber viel älter und geht zurück in die Antike: Girtler nannte als Beispiel das trojanische Pferd. Heute ist ein "Trojaner" auf dem Computer weithin gefürchtet.

Anlass der Diskussion war der gerade laufende Wettbewerb "Cyber Security Challenge Austria 2012". Er richtet sich an junge Menschen zwischen 14 und 20 Jahren, die eine hohe Affinität zum Internet und Hacken aufweisen. Für Pichlmayr, Mitinitiator des Preiskampfs, ist es wichtig klar zu stellen, "dass Hacken an sich ja nicht Böses ist". Man wolle weg vom negativen Image des Begriffs. Beim Wettbewerb ginge es darum, Talente zu erkennen und sie für den österreichischen Jobmarkt zu gewinnen.

Bedeutung für IT-Branche

Der Generalsekretär des Kuratorium Sicheres Österreich, Christian Kunstmann, wies auf die wachsende Bedeutung der IT-Branche für die gesamte österreichische Wirtschaft hin. Umso wichtiger sei es, in Schulen endlich adäquate Ausbildungsmöglichkeiten für den EDV-Bereich schaffen. Das Internet-Wissen, das die junge Generation besitzt, müsse sinnvoll gesteuert werden. (Franziska Bauer, DER STANDARD, 30.10.2012)

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