Palfinger übernimmt norwegische Dreggen

30. Oktober 2012, 15:31
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Der Kaufpreis für den Marine-Kran-Hersteller beträgt rund zwölf Millionen Euro

Salzburg/Oslo - Der börsenotierte Salzburger Kranhersteller Palfinger setzt seine Einkaufstour im Ausland munter fort: Das Unternehmen hat am Dienstag die norwegische Bergen Group Dreggen AS zur Gänze übernommen. Das Unternehmen stellt Marine- und Offshore-Kräne sowie Hebezeuge her. Der Kauf gilt noch vorbehaltlich der Entscheidung der norwegischen Wettbewerbsbehörde.

Dreggen erwirtschaftete 2011 mit 75 Mitarbeitern einen Umsatz von 30 Mio. Euro. "Die Akquise ist ein weiterer wichtiger Schritt zur Internationalisierungs- und Diversifikationsstrategie des Unternehmens", betonte am Dienstagnachmittag Herbert Ortner, Vorstandsvorsitzender der Palfinger AG, bei einer Pressekonferenz in Salzburg. "Wir wollen damit unsere Abhängigkeiten vom europäischen Markt weiter reduzieren. "

Unabhängiger von Europa werden

Den Kaufpreis für Dreggen bezifferte Ortner mit rund zwölf Mio. Euro. "Werden in den nächsten Jahren gewisse Ergebnisziele erreicht, könnten aber noch zwei bis drei Millionen Euro an Kaufpreis dazu kommen." Dreggen selbst schreibe schwarze Zahlen. "Die Transaktion steht aber noch unter dem Vorbehalt der zuständigen Wettbewerbsbehörde in Norwegen. Wir sehen das allerdings als Formalakt. Wir erwarten ein OK mit Ende November." Dreggen wird dann als Palfinger Dreggen firmieren.

Dreggen mit Sitz in Bergen verfügt über eine 25-jährige Erfahrung im Marine- und Offshorebereich. Das Unternehmen produziert selbst nicht, sondern hat sich auf die Entwicklung und die Montage von Großkränen für mehrere Hundert Tonnen Lasten im Schiffbau und in der Öl- und Gasindustrie spezialisiert. Dreggen verfügt über eine starke Position in Norwegen, namhafte internationale Kunden und erwirtschaftet rund zwei Drittel seines Umsatzes außerhalb von Europa.

Lust auf mehr

Seit Palfinger im Juli 2010 in den Marinebereich einstieg, ist Dreggen die dritte Akquise des Unternehmens. Damals kaufte der Kranhersteller die niederländische Ned-Deck Marine B.V., die Kräne für Rettungsboote herstellt. Ein halbes Jahr später wurde dann der Bereich Marine- und Windkräne von der Palfinger Systems GmbH übernommen, der bis dahin im Eigentum der Familie Palfinger stand. "Heuer folgt nun ein dritter Schritt", so Ortner am Dienstag. Die drei Unternehmen werden im Marinebereich heuer rund 110 Mio. Euro erwirtschaften.

"Wir sehen durch die Integration von Dreggen sehr große Synergien im Marine-Bereich. Es gibt überhaupt keine Überschneidungen im Portfolio und im Vertrieb. Der Kauf ist eine Ergänzung nach oben." Zu den Rettungsbootkränen und den Schiffskränen für kleinere Lasten kämen nun die Schwerlastkräne dazu. "Wir wollen in diesem Bereich zu den Top-Playern weltweit gehören. Es ist dabei unser erklärtes Ziel, den Bereich Marine weiter auszubauen - auch mit weiteren Akquisen". Zugleich werde überlegt, ob Material, das Dreggen bisher zugekauft hat, von der Produktionssparte Palfingers "ingesourced" werden kann.

Palfinger erwartet sich im Marine- und insbesondere im Offshore-Sektor hohe Wachstumschancen. "Wegen der hohen Energie- bzw. Ölpreise wird in diesem Bereich viel Geld investiert werden."

Diversifikation

Mittlerweile erwirtschaftet Palfinger bereits mehr als 50 Prozent des Umsatzes außerhalb des eigentlichen Kerngeschäfts Lkw-Kräne. Zudem dürften laut Ortner heuer fast 40 Prozent des Umsatzes außerhalb der EMEA-Zone (Europa, Mittlerer Osten, Afrika) erzielt werden. Nächste Woche wird der nächste Quartalsbericht des Unternehmens erwartet. "Es wird keine negativen Überraschungen geben." Zugleich kündigte Ortner für 2012 ein Rekordergebnis an. "Hätte man sich auf den europäischen Markt allein verlassen, würde die Situation ganz anders aussehen." (APA, 30.10.2012)

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