UBS läutet mit Kahlschlag neues Kapitel ein

30. Oktober 2012, 12:23

Die Verkleinerung des Investmentbankings kostet tausende Stellen und soll Milliardeneinsparungen bringen

Zürich - Die Schweizer Großbank UBS will in den nächsten drei Jahren weltweit 9.000 bis 10.000 Stellen abbauen. Mit der Verkleinerung ihrer Investmentbank gibt sich die UBS ein neues Gesicht. Die gut 65.500 Mitarbeiter zählende Bank soll 2015 noch etwa 54.000 Stellen aufweisen, wurde am Dienstag bekanntgegeben. Rund 2.500 Stellen baut die Bank in der Schweiz ab, wo es vor allem unterstützende Funktionen der Investmentbank wie Informatik und Personaldienstleistungen trifft.

Konzernchef Sergio Ermotti versprach, dass die UBS betroffene Mitarbeiter unterstützen werde. "Der große Teil der Kürzungen erfolgt in der Investmentbank, und unser Hub ist in London", sagte Ermotti. Die rund 2.500 Stellen, die in der Schweiz wegfallen sollen, beträfen daher vor allem die Unterstützungsfunktionen der Investmentbank.

Daneben entlässt die UBS Investmentbanker in New York und Singapur und stutzt die Sparte beträchtlich zusammen. Vor allem zieht sich die Bank aus Teilen des Handels mit Obligationen und strukturierten Produkten zurück. Das ist jener Teil der UBS, der 2007 Milliardenabschreibungen verursachte, die zur Finanzkrise führten. Stattdessen sollen sich die Investmentbanker auf Beratung, Marktanalysen und den Handel mit Aktien, Devisen und Edelmetallen konzentrieren. Mit der Verkleinerung der Investmentbank gewinnt die Vermögensverwaltung für reiche Kunden, das Wealth Management, an Bedeutung.

Letzter Akt zur Neupositionierung

Dass die Bank lange gebraucht habe, um die Investmentbank umzubauen, lässt Konzernchef Ermotti nicht gelten: "Nach 350 Tagen hat das neue Managementteam eine neue Strategie ergriffen. Wir sind mutig und wir bewegen uns sehr schnell", sagte Ermotti, der per Ende September 2011 zum interimistischen Konzernchef bestellt worden war und im November offiziell bestätigt wurde.

Viele Investmentbankgeschäfte, die in den vergangenen 10 bis 15 Jahren profitabel gewesen seien, seien unter dem nach der Krise eingeführten Regelwerk Basel-III nicht mehr gewinnträchtig, sagte Ermotti. "Die Bank ist derzeit überdimensioniert für die neuen Gegebenheiten."

Milliardeneinsparungen

Die USB will mit ihren Maßnahmen jährlich 3,4 Mrd. Franken (2,64 Mrd. Euro) einsparen, wodurch die Kosten bis 2015 jährlich um 5,4 Mrd. Franken sinken sollen. Zunächst bürdet die Restrukturierung der Bank aber Wertberichtigungen von über 3 Mrd. Franken auf, die in der Rechnung des dritten Quartals 2012 zu einem massiven Verlust führen.

Unterm Strich steht für die Monate Juli bis September ein Minus von 2,17 Mrd. Franken. Operativ lief es für die UBS aber besser als im Vorquartal. Unter Ausklammerung von Sondereinflüssen hat die UBS in den Monaten Juli bis September vor Steuern 1,4 Mrd. Franken verdient. Die globale Vermögensverwaltung steigerte ihren Vorsteuergewinn gegenüber dem Vorquartal um 20 Prozent auf 600 Mio. Franken. Die separat geführte Vermögensverwaltung in Amerika, lange ein Verlustgeschäft, verbesserte ihr Ergebnis vor Steuern um 10 Prozent auf 219 Mio. Franken.

Die Kundengelder der Vermögensverwaltungssparten stiegen von 2,16 Billionen Franken auf 2,24 Billionen Franken. Die Vermögensverwaltung nahm im dritten Quartal 7,7 Mrd. Franken Netto-Neugeld entgegen, das Amerika-Geschäft 4,6 Mrd. Franken und die Anlagenverwaltung für institutionelle Kunden (Asset Management) 1,7 Mrd. Franken. Das Asset Management lieferte 124 Mio. Vorsteuergewinn ab, 5 Prozent mehr als im Vorquartal. Das Klein- und Firmenkundengeschäft verbesserte sich um 3 Prozent auf 409 Mio. Franken. Die Investmentbank wiederum erzielte ohne Sonderlasten vor Steuern 178 Mio. Franken Gewinn, nach einem Verlust von 130 Mio. Franken im Vorquartal. (APA/Reuters, 30.10.2012)

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Ist das das Ende vom finanzmarktkapitalismus?

Schön wärs!

Nachdem 40 Milliarden durch das Investmentbanking in den Sand gesteckt wurden, darf das niemanden verwundern. Gesunde Korrektur des Bankenwesens, bin auch froh, dass meine Steuern nicht zur Rettung der UBS verwendet werden (zumindest nicht mehr).

Informatik oder bei den Personaldienstleistungen

Also der Abbauer der 2500 in der Schweiz kostet auch Geld und danach müssen die entsprechenden Dienstleistungen vermutlich zugekauft werden. Muss nicht sein, dass sich dies für die UBS wirklich rechnet.

Wie wärs mit Lesen?

"Die rund 2.500 Stellen, die in der Schweiz wegfielen, beträfen daher vor allem die Unterstützungsfunktionen der Investmentbank."

und wie wäre es, wenn Sie nicht den entscheidenden halbsatz aus dem artikel in Ihrem pseudozitat unterschlagen?

UBS verkleinert Investmentbank deutlich, muss deshalb natürlich auch unterstützende Funktionen (der Investmentbank) wie Informatik und Personaldienstleistungen verkleinern. Wieso sollen sie das dann zukaufen müssen? Welcher entscheidende Halbsatz fehlt? (Und wieso ist es ein Pseudozitat?)

nach "Investmentbank" kommt kein "." ;-)

Doch. Drücken sie strg+f und geben "Investmentbank." ein und sie finden den Satz.

Im Ranking der nutzlosesten Berufe steht bei mir der Investmentbanker ziemlich weit oben.

Schön, dass es davon bald weniger gibt.

Glauben Sie ja nicht, dass die Welt dadurch besser wird. Die Investmentbanker, die da gefeuert werden, malen sich schon einen neuen Plan aus, wie sie das Leben der anderen Menschen schlechter machen können.

Wenn Posten bei den Personaldienstleistungen und in der IT abgebaut werden, glaube ich kaum, dass es deswegen weniger Investmentbanker geben wird.

Was steht denn auf Ihrer Liste noch weit oben?

Politiker, Immobilienmakler, Finanzberater, ...

Btw was machen Sie denn? Stehen Sie selber auch auf Ihrer Liste?

vergesens nicht die analysten

deren expertise wurde schon in genügend studien zerlegt

10.000 Leute weniger im Investmentbanking ist eine gute Nachricht. Damit wird die Welt wieder ein Stück besser. Ich wünsche den Betroffenen viel Kraft, wenn sie dann in einem richtigen Job mit echter Arbeit ihr Geld verdienen müssen.

es

sind ja nicht die Leute weg (nur die Jobs)... d.h. die 10.000 werden sich halt umschulen lassen und dann in die (vermeintlich) wertvolleren Bereiche drängen (z.. IT, Buchhaltung, Controlling etc.)... vermutlich zu günstigeren Gehältern (so dass es auch in diesen Bereichen zu eine Konsolidierung (=Kündigungen alteingesessener und überteuerter Dienstleister) kommen wird)

die werden das

Gefuehl v. Ferien haben, wenn sie sich an der stressfreie neue Hacke gewoehnt haben

Beim Gehalt dann eher weniger.

:) ja

Aber die eine Haelfte wird schon was Passendes finden u. die 33+ haben hoffentlich vorgesorgt

Da wäre ich mir nicht so sicher.

das ist aber

deren Problem, weil sie haetten wissen muessen, dasz man dieses Spielchen nur bis Mitte 30 durchdrueckt

Respekt ! Aber ......

Respekt vor diesem Schritt !
Nicht nur für die Bank ein wichtiger Schritt, sondern für die gesamte Wirtschaft.

Aber:
Entfällt damit diese Art von Investmentgeschäft ?
Oder macht dieses Geschäft dann eine andere Bank ?

man braucht nur Leute feuern und schon schnellen die Aktienkurse nach oben...

...zum Kotzen...

ja schrecklich...

...mir kommen die krokodilstränen

Endlich!

Das Finanzwesen war ja heftig überbläht und stand in keinem brauchbaren Verhältnis zum Bedarf der Gesellschaft. Würde man die Größe des Finanzwesens mit dem Nutzen für die Gesellschaft in Relation setzen, dann muss man von einem Monster Finanzwesen sprechen.

Ich bin der Meinung, dass es eine Schrumpfung von etwa 50% geben müsste um die erforderliche Korrektur zu bekommen. Leider wurden diese Korrekturen von den Politikern unterdrückt und fast alle Banken in Europa durch Umverteilung von Zwangsabgaben am Leben gehalten (USA nicht!).

Zu bemerken ist noch, dass erst die irren Staatsschulden von 10 Billionen Euro in der EU das Monster Finanzunwesen geschaffen hat, weil das Monster Staatsunwesen gefüttert werden musste.

Wie kommen Sie auf die Zahl 50%? Schauen Sie in eine Glaskugel?

Nutzen für die Gesellschaft

was ist das ?

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