Über Obama lacht die Sonne

Ansichtssache30. Oktober 2012, 19:42
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Die New York Times hat die Wahlwerbespots der beiden großen Parteien im US-Wahlkampf einer Analyse unterzogen. Keine ganz leichte Aufgabe, selten zuvor ließen die Parteien schließlich so viele Werbeeinschaltungen ausstrahlen wie in diesem Jahr. Ein Phänomen, das auch den bedeutender gewordenen Lobbygruppen im "Sandy"-Jahr geschuldet ist.

In neun Prozent der Obama-Spots scheint demnach die Sonne, während sie sich bei den von den Republikanern in Auftrag gegebenen Einschaltungen nur in vier Prozent zeigt. Während der Schlagabtausch, je näher der Wahltag rückt, persönlicher wird, konstatiert die Tageszeitung gleichwohl auffällige Ähnlichkeit in den Konzepten von Präsident Barack Obamas Team und von jenem seines Herausforderers Mitt Romney. Die Wirtschaftskrise ist allgegenwärtig; die Demokraten rücken den Finanzkollaps von 2008 in den Mittelpunkt; die Republikaner richten den Scheinwerfer wenig überraschend auf die Jahre danach, in denen Obama regierte. Die Verschuldung des Landes ist aber der entscheidende, immer wiederkehrende Narrativ der Republikaner:

Während US-Soldaten nach demokratischer Lesart meist von ihrem Präsidenten begrüßt werden oder als langgediente Veteranen dargestellt werden, neigen die Republikaner dazu, sie in Form von Gefallenen zu porträtieren. In 29 Prozent der demokratischen Spots kommt die Flagge der USA vor, wohingegen die "Stars and Stripes" bei der republikanischen "Grand Old Party" nur in sechs Prozent der Filme vorkommen - und zudem desöfteren ramponiert erscheint. Außenpolitisch, so suggeriert dieser Obama-Werbespot, sei Mitt Romney aber ohnehin zum Scheitern verurteilt:


Immer wieder findet sich auch ein Hinweis auf den größten wirtschaftlichen Konkurrenten der Vereinigten Staaten: China. Fast ein Viertel der republikanischen "Ads" beschäftigen sich mit dem Reich der Mitte. Obama würde sich in Peking Geld leihen, Romney habe sich zugunsten Chinas bereichert, so die Botschaften:

Die Republikaner, nach vier Jahren Fundamentalopposition gestählt, werfen Obama vor, er habe sich mit dem Kongress nicht arrangieren können. Weitere vier Jahre verdiene der Demokrat nicht:

Am allerschlimmsten finden die Demokraten allerdings, dass Mitt Romney nicht den Bankern in der Wall Street den Kampf anzusagen verspräche, sondern der allseits beliebten Kindersendung Sesamstraße den Geraus machen wolle. Wer öffentliche Gelder für den Sender PBS streicht, der tötet Bibo, den großen Vogel, so die Message.

(red, derStandard.at, 31.10.2012)

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