"Trauer hat keinen Platz in unserer Gesellschaft"

Interview | Oliver Mark
30. Oktober 2012, 15:17
  • Thomas Nagy, Gründer von TrauerWeile.
    foto: rainer friedl

    Thomas Nagy, Gründer von TrauerWeile.

Thomas Nagy, Gründer von TrauerWeile, hilft Menschen beim Trauern: Er übernimmt, wenn die Bestatter ihr Werk vollendet haben

3.500 Menschen, die Hilfe in Anspruch genommen haben, 180.000 vertriebene CDs, zwei Dutzend Mitarbeiter, die im Laufe der Jahre als Wegbegleiter dabei waren: Das sind die Eckpunkte von TrauerWeile, einem Unternehmen, das Thomas Nagy im Jahr 2004 gegründet hat. Dessen Ziel ist, beim Trauern zu helfen. Denn Trauer ist keine Krankheit, wie Nagy im Interview mit derStandard.at erklärt, sondern nur die natürliche Reaktion auf Abschied und Verlust.

derStandard.at: Wie gehen Sie damit um, permanent von Trauer umgeben zu sein?

Nagy: Die allgemeine Meinung ist, dass es belastend und schmerzvoll ist. Bei mir ist das Gegenteil der Fall. Ich finde diese Arbeit sehr kraftgebend, lehrreich und konstruktiv, weil ich noch nie erlebt habe, dass irgendetwas hoffnungslos gewesen ist. Menschen entwickeln unglaublich kreative Strategien, um mit dieser Trauer gut umzugehen.

derStandard.at: Es zieht Sie nicht runter?

Nagy: Dass wir uns auf diese Geschichten nicht einlassen, ist Teil unserer Arbeit. Es kommt immer wieder vor, dass Leute erzählen, dass sie froh über den Tod von jemandem sind, weil es eine Erlösung ist oder aus welchen Gründen auch immer. Dieses Gefühl der Befreiung kann man aber der Verwandtschaft nicht sagen. Das im geschützten Rahmen loszuwerden hat eine unglaublich heilsame Wirkung.

derStandard.at: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich der Trauerarbeit zu widmen?

Nagy: Das war wohl so etwas wie Schicksal. Ich bin im Sommer 2003 in der Sonne gelegen, goldenes Augustlicht, und habe mir gedacht, wenn der Sonnenschein so schön ist wie dieses Licht, muss man sich nicht fürchten. Ähnlich wie bei Nahtod-Erlebnissen. Ich habe mir überlegt: Wie reagieren Freunde und Familie auf Tod und Trauer? Niemand ist darauf vorbereitet. Dann habe ich mich näher damit auseinandergesetzt. Ein riesiges Tabuthema. Leute werden mit ihrer Trauer alleine gelassen. Ich wollte diesen Menschen beistehen. Zuerst ist eine CD erschienen, in weiterer Folge sind dann Gesprächsrunden in der Gruppe und Einzelgespräche dazugekommen.

derStandard.at: Gibt es einen Trauerfall, einen persönlichen Hintergrund, warum Sie die Trauergespräche initiiert haben?

Nagy: Es war kein Todesfall oder ein anderes traumatisches Erlebnis, sondern im Grunde einfach nur die goldene Sonne im August 2003. Ein kleiner, zweiter Impuls ist von einem Bestatter gekommen, bei dem ich mir damals ein Motorrad gekauft hatte. Er hat viel über seinen Job erzählt. Über diese Konstellation ist die Beschäftigung mit dieser Thematik entstanden.

derStandard.at: Wie ist aus der Beschäftigung mit dem Thema das Geschäft entstanden?

Nagy: Durch Gespräche mit der Bestattung Wien hat sich meine Vermutung bewahrheitet, dass es kaum Unterstützung gibt, damit Betroffene mit Tod, Trauer und Schmerz umgehen können. Ein Bestatter ist nur bedingt geschult, um beistehen zu können. Bis zum Begräbnis sind die Leute ganz gut eingebettet, aber danach ist niemand da. Viele fallen in ein sehr tiefes Loch. Freunde, Familienmitglieder und Angehörige sind nach einer gewissen Zeit wieder weg. Man ist mit seiner Trauer alleine, denn Trauer hat keinen Platz in unserer Gesellschaft.

derStandard.at: Also zum damaligen Zeitpunkt eine Marktlücke?

Nagy: Ich war sicher nicht der Allererste, der Trauergespräche angeboten hat. Es gibt ja etwa den Hospiz-Bereich. Allerdings in dieser Form, mit einer CD, mit Gesprächsrunden existiert bis heute nichts Vergleichbares in Österreich. Was mich wundert, denn normalerweise werden Dinge, die gut laufen, schnell kopiert. Dieses Thema dürfte noch immer tabuisiert und mit Berührungsängsten verbunden sein, auch für Psychologen und Coaches.

derStandard.at: Welche Ausbildung ist für das Metier notwendig?

Nagy: Mit Werbepsychologie kommt man nicht weiter. Ich habe ein Masterstudium zu systemischem und konstruktivistischem Coaching gemacht, um lösungsorientiert arbeiten zu können. Die Trauer ist ja eine Notwendigkeit und keine Krankheit, deswegen gibt es keine Patienten, sondern nur gesund trauernde Menschen. Ich habe Seminare besucht, NLP-Ausbildungen gemacht, sehr viel darüber gelesen. Es ist wichtig zu wissen, was zum Wesen der Trauer gehört. Auf der anderen Seite braucht es jede Menge Selbsterfahrung. Es geht nicht nur um die Oma, die in Frieden einschläft, sondern man ist mit Kindstoden, Unfällen, Gewaltverbrechen konfrontiert. Eine gute Abgrenzung, um auf seine Seelenhygiene zu achten, ist enorm wichtig.

derStandard.at: Wie laufen die Trauergespräche ab?

Nagy: In der Gruppe beginnt das zumeist damit, dass ich eine Geschichte über einen verstorbenen Menschen erzähle, eine Kerze anzünde und die Teilnehmer bitte, auch eine Kerze anzuzünden. Danach geht es einfach darum, die Leute sehr direkt nach ihren Gefühlen zu fragen, wie lange der Todesfall zurückliegt und so weiter. Über verschiedene Gesichter und verschiedene Phasen der Trauer zu reden. Der Trauerexperte bin nicht ich, sondern die Leute, die diese Gefühle erleben. Mir ist es wichtig, ihnen zu vermitteln, dass es normal ist, so zu reagieren. Dass sie sich trauen, es auszusprechen.

derStandard.at: Also einfach über die Gefühle reden?

Nagy: In Einzelgesprächen zeigt sich das noch viel deutlicher. In unserer Gesellschaft scheint es stark verankert zu sein, dass man über einen Toten nichts Schlechtes sagen soll. Allerdings war oftmals Gewalt oder Alkoholmissbrauch im Spiel. Menschen mit Licht und Schatten eben. Viele haben Hemmungen, mit Verwandten über die schlechten Seiten zu reden, weil man das nicht macht. In einem anderen Rahmen fällt das leichter. Es hat eine sehr befreiende Wirkung.

derStandard.at: Ein psychotherapeutischer Ansatz?

Nagy: Es ist zweifellos ein Setting, das die Selbstheilung aktiviert und Hilfe bietet. Es ist auch eine spirituelle Begleitung, wobei ich großen Wert darauf lege, dass wir frei von allen Religionsgemeinschaften agieren und politisch unabhängig sind. Ich arbeite mit Muslimen genauso wie mit Buddhisten und Christen.

derStandard.at: Sind das einmalige Sitzungen oder zieht sich der Trauerprozess über Monate?

Nagy: Die Bestattung Wien bietet es zum Beispiel regelmäßig an. Jeden zweiten Monat kann man zu Gruppensitzungen kommen, Einzelgespräche werden nach Vereinbarung abgehalten. Es gibt mittlerweile mehrere Möglichkeiten und Standorte, etwa in Klosterneuburg, Judenburg und Neunkirchen. Es sind Bestatter in ganz Österreich, mit denen wir zusammenarbeiten. Wir bilden sie auch aus, um diese Trauergespräche anders führen zu können.

derStandard.at: Sie arbeiten also im Auftrag der Bestattung Wien?

Nagy: Ja, der Hintergrund ist ein sehr profaner. Der Letztkontakt mit dem Bestattungsunternehmen ist normalerweise die Rechnung. Die Idee ist, dass man sie danach noch betreut. Bis zum Begräbnis geht es den Leuten noch einigermaßen gut, weil sie im Schockzustand sind, weil sie funktionieren müssen. Danach kommt das Loch, und wenn sie hier wenigstens eine CD als Begleitung und Hilfestellung haben, ist das schon etwas wert. Der Bestatter ist dann nicht nur derjenige, der ihnen das Geld wegnimmt, sondern er wird zum Begleiter und Problemlöser.

derStandard.at: Wie viel kostet die Teilnahme an diesen Sitzungen?

Nagy: Bestattungsunternehmen bieten das kostenlos an. Nur die Einzelgespräche kosten 70 Euro pro Stunde. Hier kommen die Leute ein- bis dreimal, um sich alles von der Seele zu reden. Es wird ihnen nicht das Geld aus der Tasche gezogen.

derStandard.at: Weil Sie sagen, dass Sie einen religionsübergreifenden Ansatz pflegen: Spielt der Glaube beim Tod nicht eine wichtige Rolle?

Nagy: Es geht um den Glauben, wer oder was den Menschen wichtig ist, und nicht um meine Überzeugung oder den Glauben meines Teams. Ich will keine Religionskriege. Wir haben oft erlebt, dass plötzlich der Streit da war, wenn der Glaube zur Sprache gekommen ist. Welches ist das richtige Weltbild? Meine Haltung ist, dass alles richtig ist, solange es dem Klienten Kraft und Überzeugung gibt.

derStandard.at: Nehmen Sie die religiöse Komponente bewusst aus den Gesprächen?

Nagy: Ich rede gerne über den muslimischen Glauben, über Gott oder Buddha und so weiter, wenn es wichtig ist, aber meine Leute und ich haben hier keinen Missionsauftrag. Wir sind offen für alle Religionen.

derStandard.at: Es braucht also ein Basiswissen, wie die verschiedenen Religionen mit dem Tod umgehen?

Nagy: Genau, damit muss man sich beschäftigen. Jede Religion hat faszinierende Seiten, und ich maße mir kein Urteil an, ob eine Religion besser oder schlechter ist. Es geht hier um Respekt und Wertschätzung für unsere Klienten.

derStandard.at: Gibt es große Unterschiede im Umgang mit Trauer?

Nagy: Generell lässt sich sagen, dass es jenen, die an eine höhere Macht glauben, leichter fällt, damit umzugehen. Durch Studien etwa im Bereich der Hirnforschung ist das belegt. (Oliver Mark, derStandard.at, 30.10.2012)

Thomas Nagy arbeitete als Journalist, Pressesprecher und in der Werbebranche. 1995 gründete er die Agentur Nagy's Kommunikation, 2004 entstand TrauerWeile.

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Da gruselt es mich

Es ist am 19.Oktober sowohl mein Vater als auch mein Tischtennis-Doppelpartner gestorben. Ich kann daher aus direkt Betroffenheit mitreden.
Ich habe ueberhaupt nicht das Gefuehl, dass Trauer in unserer Gesellschaft keinen Platz hat. Im Gegenteil, ich hatte sehr schoene Gespraeche bzw. Briefkontakt mit anderen Menschen, in denen wir unsere Erfahrungen ausgetauscht haben. Ich schreibe auch einen monatlichen Rundbrief, in dem ich das auch zum Thema gemacht habe.
Wer darueber nicht reden kann, hat wohl schon vorher seine sozialen Beziehungen und Emotionen verkuemmern lassen. Das hat mit dem Thema Tod direkt nichts zu tun.
Es gruselt mich beim Gedanken, dass ich zu einem NLP-Coach gehe und mich von eingelernten Phrasen troesten lasse.

bei stichwort nlp habe ich aufgehört weiterzuzlesen...

Danke für das interessante Interview.

Ich denke, dass immer mehr Menschen keinen familiären Halt erleben, dadurch ist dieses Angebot der Unterstützung wichtig.

allerheiligenzeit

und dann wird wieder ein jahr nicht über das traurige geschäft gesprochen...

wirklich traurig ist, dass für viele familien der tod eines angehörigen nicht nur mit verlust des lieben, sondern mit finanziellen belastungen sondergleichen einhergehen. unter dem deckmantel des respektvollen begleitens wird (allzu)gutes geschäft gemacht. 2000 euro für den bestatter (der seinen nicht angestellten leuten 5 euro pro bestattung zahlt), 1000 euro für die friedhöfe wien - und mehr. da braucht es nachher die großzügig von den bestattern gratis angebotene trauerbegleitung.

(das bestattergewerbe freigeben und deregulieren! warum dürfen nur bestatter die "trauerfeier" ausrichten - blumen hinstellen und auf den cd-knopf drücken kann sogar mein nichterl)

Trauergruppen von Angehörigen, mit Moderation von Psychologen u.ä. bei Selbsthilfegruppen ist doch total in Ordnung. Aber prof. Trauerbegleiter - ich weiß nicht - hat für mich einen komischen Beigeschmack, für Trost zahlen zu müssen.

Sehr bedenklich, wenn man es nicht mehr zulassen kann, traurig zu sein! Weit haben wir es gebracht, in unserer busy Welt!

Ich bin trauig, weil mein Vater und ein guter

Freund vor 14 Tagen gestorben sind.
Es hat mich noch niemand bloed angeredet, weil der Chrilly im Moment nicht so lustig wie sonst ist.
Man hat auch im Projekt auf die Situation Ruecksicht genommen. Es hat von mir niemand erwartet, dass ich nun grossartige Sachen abliefere.
Nach meinen Erfahrungen kann man Trauer sehr wohl zulassen und wird das von anderen Menschen auch respektiert.
Irgendwann muss das Leben natuerlich weiter gehen. Aber das ist auch im eigenen Interesse.

Kann ich leider nicht so berichten. Weder im Job, noch in der Nachbarschaft interessiert es wen, egal wer gestorben ist, ob Mutter, Partner oder sonst wer. Es schauen alle nur, ob man das Leben trotzdem meistert und dann haben alle Angst, dass sie helfen müssten und ziehen sich zurück, sodass man wenigstens erkennt, wie wenig Freunde man hat.
Ist auch was wert. Trauer muss auch nicht sein, weil Gefühle stellen sich ein oder nicht. Es sollte auch keinen Zwang zur theatralischer Trauer geben. Das kotzt mich nämlich echt an in einer Welt der Ignoranz.

echt traurig

wenn einer sich für geld beim trauern helfen lassen muß

Wie vor allem?

Wie soll einem wer helfen ein Gefühl zu fühlen, dass sich nicht einstellt. Es wird schon kommen oder sonst eben nicht. Für was braucht man da wem anderen? Fühlen kann man eh nur selbst oder nicht. Wenn es geht, dann tut man es und sonst wartet man, dann wird es schon werden. Oft mag es auch völlig gesund sein, froh zu sein, dass die Belastungen vorbei sind, überhaupt wenn Leute jahrelang krank waren.

Was ist los mit dir? Bist du aus Stein?

Manchmal kann man sich nicht selbst helfen, dann nimmt man professionelle in Anspruch, die kostet.

Lächelnd die Wahrheit sagen: geh …

Ich trauere momentan um sehr nahestehende Menschen

Ich finde diesen Bericht aber auch sehr trauig. Ich koennte mir auch nicht vorstellen, dass ich eine derartige "Hilfe" in Anspruch nehme. Irgendwie finde ich das sogar abstossend.

lachend. werter unbekannter freund, lachend!

die wahrheit aber, daß es anscheinend bedarf an gekaufter trauerunterstützung gibt, halte ich immer noch für eine traurige

tod, trauer, schwere krankheit

all das sollte man verdrängen, so gut es geht. dieses ganze deprimierende zeug trifft einen sowieso noch früh genug. es ist ein irrglaube, der allerdings von den religionen unterstützt wird bzw. diesen macht verleiht, daß man sich darauf vorbereiten könne.

Immer nur Verdrängen ist nie eine gute Idee, denn es holt einen früher oder später ein, denk ich.

Aber der gesamte Trauerprozess, und das umfasst auch das Verdrängen, die Wut, die Hilflosigkeit, Depression und Vermissen des Verstorbenen usw. gehört zur gesunden Trauerverarbeitung dazu, und ist im Endeffekt ein Hilfsmechanismus für uns, um die schwierige Zeit zu überstehen. Daran wächst man, entwickelt sich weiter. Schon von Kindesbeinen an wird es geübt und durchgestanden, indem das Kind sich z.B. von ihrem Lieblingsspielzeug trennen muss, oder einem Haustier.. Das alles gehört zum Leben dazu. Ich denke darum geht es, zu begreifen, dass der Tod oder die Trennung zum Leben dazugehören.

Verdrängen = Kränken = Krankheit

Wer verdrängt, macht sich selbst krank und landet vor lauter verdrängter Angst weit früher dort, wo die anderen schon liegen: unterm Rasen.

Ich finde das sinnlos. Es ist weit sinnvoller, sich mit dem Thema Tod und Sterben beizeiten auseinanderzusetzen. Tut man das nicht, kommt der erste Tritt, wenn ein liebster Mensch stirbt. Tut man das dann immer noch nicht und frisst alles in sich hinein: kommt mit Sicherheit ein weiterer Tritt.

Frei sind wir, wenn wir nichts verdrängen, sondern mit dem bewusst umgehen, was das Leben ausmacht. Und dazu gehören Tod und Sterben. Wenn es bei uns irgendwann soweit ist, haben wir mit dem Abschied von der Welt zweifellos noch genug zu tun.

Ernst oder Ironie?

Kann nicht erkennen ob Ihr Posting ernst gemeint oder ironisch verstanden werden soll. Ein unangenehmes bis hin zu einem traumatischen Erlebnis sollte niemals verdrängt werden, wie das Wort schon sagt wird das Erlebnis bzw. die dadurch entstehenden Gefühle nicht verarbeitet und in der Realität integriert, sondern woandershin verschoben, wo diese dann z.B. als somatische Beschwerden oder Angstgefühle zum Vorschein kommen. Ihren Satz bzgl. Religion, Irrglaube und Macht verstehe ich nicht. Glaube ist eine Möglichkeit die hilft, Trauer zu verarbeiten. Was meinen Sie mit darauf vorbereiten?

Das ist ganz gut beschrieben, denke ich.
Ehrliche Trauer ist Emotion. Sie kommt einfach und garantiert.
Ich verstehe das so dass es unnötig ist, fixen Bestandteilen des Lebens wie die schwere Krankheit, der Tod (ev. folgedessen) und die Trauer einen zusätzlichen (Denk)Raum zu schaffen.

Verdrängen ist Schrott

Wer "mit sich im Reinen ist", dem tut es nicht schlecht, sich jeden Tag ein paar Minuten bewusst zu machen, dasz auch er über kurz oder lang nur Humus ist, ganz im Gegenteil.

Das Problem ist eher, dasz soviele Menschen völlig aus dem Gleichgewicht, und dann der Angst vorm Tod des Egos einfach nicht gewachsen sind.

Dasz der Tod völlig aus unserem Alltag verdrängt wird, erschwert natürlich jede Trauerarbeit über den Verlust eines Mitmenschen. Man wird dann ja quasi aus dem Nichts überfallen und beraubt und ist völlig unvorbereitet.

Der Tod ist schrecklich, wenn man ihn als das Ende des Lebens betrachtet. mMn ist er einfach nur ein ganz wesentlicher Teil davon.

Der Glaube ...

War schon immer gut für ein Geschäft ...

Mit Verlaub -

dass "Trauerbegleitung" an (angebliche) Professionisten ausgelagert wird, ist ein Indiz für die Degeneration unserer Gesellschaft.

(so nebenbei bleibt bei mir nach einem Blick auf die HP und das diesbezügliche - sagen wir - vielfältige kommerzielle Angebot ein unguter Beigeschmack - und ein Blick auf den Werdegang/das Qualifikationsprofil von Hrn Nagy ist auch nicht gerade geeignet, diesbezügliche Zweifel zu zerstreuen; ein etwas kritischerer Blick, jenseits dieser Selbstdarstellung in Interviewform, hätt's da also schon sein dürfen ...)

richtig!

Früher hat man sich seinen Freunden anvertraut und mit "reiss dich zsamm", "es kommen wieder sonnige Tage" und "wirst sehen, nach einem Jahr schaut die Welt ganz anders aus" wirklich brauchbare und hilfreiche Ratschläge bekommen.

Richtig. Und nicht zu vergessen - die Trauerverarbeitung dauert im Schnitt 6 Jahre (sofern man bei diesem Thema überhaupt einen Zeitrahmen vorgeben kann). Oft erhält man schon nach 1 Jahr keine psychische Unterstützung seiner Umgebung mehr, es wird erwartet, dass das Leben weitergeht. Dass die Betroffenen noch Jahre des Trauerns vor sich haben, weiss man nicht / will man nicht wissen, v.a. in schnelllebigen Zeiten, in denen man zu funktionieren hat.

alles richtig

bis auf den Umstand, dass Nichtfunktionieren in den letzten 200 Jahren noch nie so gesellschaftlich akzeptiert war wie heute

So what?

Zum einen sind das tlw genau Indizien für das, was ich mit gesell. Degeneration meinte, zum anderen: warum sollte ich annehmen, dass ausgerechnet der NLP-geschulte Werbefachmann (s. Lebenslauf auf der obigen HP) mir weiterhilft, wo meine Freunde versagen?

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