Deutscher Ingenieur bastelt einen Megaverlag

  • Ein Bertelsmann durch und durch: Markus Dohle.
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    Ein Bertelsmann durch und durch: Markus Dohle.

Für Markus Dohle ist das Buch ein Produkt, das es gewinnbringend zu vermarkten gilt

Von Markus Dohle wird behauptet, dass er nicht gerade ein Bücherwurm ist. Für ihn, einen Ingenieur aus dem Sauerland, ist das Buch ein Produkt, das es gewinnbringend zu vermarkten gilt.

Als er vor vier Jahren für den Bertelsmann-Konzern nach New York ging, um dort die Verlagstochter Random House zu entstauben, war die Aufgabe keine einfache: Die Dachgesellschaft aller Bertelsmann-Verlage war ein bürokratischer Koloss, schwierig zu navigieren und mit wenig Durch lässigkeit zwischen den vielen einzelnen Verlagen - weltweit gibt es auch heute 200 redak tionell unabhängige Ver lage, allein für den deutschsprachigen Raum 45.

Der 44-Jährige machte seine Aufgabe gut: Er gliederte die Verlage von Random House in logische Segmente, setzte bei den Kosten den Rotstift an und setzte auf das E-Book als Ergänzung zum Papierbuch. Kennzeichen dieses Erfolges war es, dass Random House mehr und mehr Megaseller verlegte: Die Biografie von Apple-Gründer Steve Jobs oder den Sadomaso-Softporno Shades of Grey von E. L. James.

Mit der Fusion von Random House mit Penguin, dem Verlagshaus der britischen Pearson-Gruppe, bekannt für seine Klassikertaschenbuchausgaben, geht der Deutsche nun einen Schritt weiter: Marktmacht im Rücken, kann er Produkte entwickeln, bei der die digitale mit der Print-Welt verschmolzen wird - im Konzernjargon "digitale Transformation" genannt. Die Fusion sei, schreibt das Handelsblatt kritisch, "ein Votum für die Industrialisierung des Buches".

Dohle ist ein Bertelsmann durch und durch. Gleich nach seinem Studium des Wirtschaftsingenieurwesens an der Universität in Karlsruhe kam er zu dem Konzern und lernte das damals betuliche Geschäft des Bücherverlegens kennen, bewies Verkaufs geschick beim Dienstleister Arvato, der sich mit Druckprozessen, meist digitaler Natur, beschäftigt, zog 2008 mit Frau und den zwei Kindern nach New York, um Random House zu leiten. Dort schlug ihm erst einmal Skepsis entgegen, aber der Hobbytennisspieler biss sich durch. Er sei mit der ganzen Wertschöpfungskette des Buches vertraut, sagte er in einem Interview.

Dohle wird weiter in New York bleiben und den fusionierten Konzern - bis zum Frühjahr wird die Entscheidung der Kartellbehörden erwartet - vom Stammsitz von Random House, 1745 Broadway, aus leiten. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, 30.10.2012)

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