Griechenland: Retter in Not

Kommentar | Andreas Schnauder, 29. Oktober 2012, 19:04

Dass nach den privaten Gläubigern auch die Steuerzahler der Geberländer Federn lassen müssen, haben auch tiefbegabte Wirtschaftslenker erkannt

Das Scheitern der griechischen Rettungsmaßnahmen bringt die Politik in ziemlichen Erklärungsnotstand. Dass nach den privaten Gläubigern auch die Steuerzahler der Geberländer Federn lassen müssen, das haben angesichts der untragbaren Schuldenlast Athens auch tiefbegabte Wirtschaftslenker erkannt. In den wichtigsten Euro-Zentralen will man das Eingeständnis, dass die kostspielige Genesung neuerlich nicht eintritt, so lange wie möglich hinauszögern.

Da wird weiter vorgegaukelt, dass Athen schon auf dem richtigen Weg sei, allenfalls etwas mehr Zeit für die Umsetzung der Strukturreformen benötige. Doch genau diese Verzögerungen führen zu neuen Budgetlöchern und somit zu besagtem Anstieg des Schuldenstandes. Die Eurozone schickt somit trotz Zielverfehlung frische Mittel nach Athen, mit denen Griechenland vor allem die Schulden bei der Eurozone tilgt. In einem vergleichbaren Kreisverkehr drehten sich übrigens auch einige heimische (inzwischen notverstaatlichte) Banken, deren Vorgangsweise Gegenstand strafrechtlicher Ermittlungen ist. In dieses Bild passt auch, dass private Geldgeber bei Kreditnehmern in Zahlungsnöten am Rande der Beihilfe zur Konkursverschleppung agieren, während diese Problematik bei öffentlichen Financiers offensichtlich nicht relevant erscheint.

Also alles eine Schmierenkomödie? Natürlich nicht, drohe doch beim Ziehen der Reißleine der ultimative Euro-GAU, wie uns Studienautoren und Politiker mit inflationärer Tendenz weismachen. Interessanterweise wurde dagegen nie berechnet, was die aktuelle Strategie des Zögerns und Tarnens kostet. Nebst Abschreiben der Hilfszahlungen wären dabei die Verunsicherung der Realwirtschaft zu nennen, die den Euroraum in die Rezession geschickt hat und die Weltwirtschaft massiv belastet. Doch auch darüber schwindeln sich die Retter in Not locker hinweg. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, 30.10.2012)

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15 Postings

Ja die Steuerzahler der Geberländer sollens richten und die Heimischen Steuerhinterzieher beschützen sie und die Aufdecker werden Strafrechtlich verfolgen.
Frau Merkl sans ihna wirklich noch sicher das sie wissen was sie tun???

Jemanden der die Entwicklung in dieser Welt, getrieben von der Globalisierung verschlafen hat, ist wahrlich schwer zu helfen.

Selbst wenn man alle Schulden nachlassen würde, blieben alle anderen Probleme die selben und schon in wenigen Jahren wären wir wieder dort, wo wir jetzt sind.

Alle Schulden erlassen, rausschmeißen aus der EU und keinen Groschen mehr überweisen. Ab dann können uns die Griechen, die sich ja laufend über die böse EU beschweren, beweisen, wie sie es alleine besser machen. Vielleicht zur Abwechslung mal Steuern tatsächlich bei der eigenen Bevölkerung (zB Reedereien) einheben. Tipp: in der Schweiz liegen massenhaft Transfergelder der EU-Steuerzahler nun auf Konten von einigen griechischen korrupten Abzockern.

Dass nach den privaten Gläubigern auch die Steuerzahler der Geberländer Federn lassen müssen

eins der Vorteile der Eurozone. Es ist ein gutes Geschäft!

Prof. Dr. Heiner Flassbeck – "Europa im Abgrund" Die Eurokrise - Prof. Dr. H. Flassbeck 07.03.2012
http://www.youtube.com/watch?v=2o0qwhSVz68

Wenn Politiker Wirtschaft machen

Das Problem der Griechenlandkrise ist, dass alteingesessene Politiker (die ihr Leben lang relativ wenig anderes als Politik betrieben haben), Wirtschaftsprobleme lösen sollen.

Können sie offensichtlich nicht, nicht weil das etwa so schwierig wäre, sondern weil Wirtschafter und Politiker andere Instinkte antrainiert haben.

Ein guter Wirtschafter muss ein Problem früh erkennen, einen guten Plan erarbeiten und diesen umfassend umsetzen können. Schafft er das, hat er Erfolg, wenn nicht, wird es problematisch.

Ein Politiker muss die nächste Wahl gewinnen, wofür es zielgerecht sein kann, ein Problem aufzuschieben, halbherzig anzugehen, Zeit zu gewinnen versuchen etc. Letzteres wurde bei der Griechenlandkrise versucht, mit verheerenden Folgen..

Wie jüngst in Frohnleiten...

mich schreckt mehr die lernresistenz dahinter, und leider auch die weigerung deutscher und österreichischer wirtschaftsredaktionen die probleme beim namen zu nennen, wenn schon politiker das nicht wollen oder können. schärfer formuliert: medienversagen, aufgabe der kontrollfunktion, ...
prof. flassbeck belegt ganz wunderbar anhand zahlen, daten, fakten, dass eben nicht dewr "faule grieche" das problem ist - und auch die erschreckenden wahrnehmungsunterschiede ö,d zum rest der welt. kann o.g. 90min video nur jedem empfehlen der verstehen möchte ...

Guter Kommentar von Andreas Schnauder

Jede Exponentialfunktion (Kernspaltung, Zinseszins) endet mit einem GAU, wenn zulange zugewartet wird (siehe Fukushima, Tschernobyl). Die finanztechnische Kernschmelze wird also kommen. Bleibt eigentlich nur noch die Frage zu klären, wer den Schutt wegräumen darf.

Politisch korrekte Lügen

Es ist leider eine Tatsache, dass die Euroskeptiker wie ein Hans Werner Sinn oder der Thilo Sarazzin Recht haben, während uns die politisch korrekten Politiker anlügen.

Man sollte das bei den nächsten Wahlen berücksichtigen.

Als kenner der griechischen innenpolitik glaube ich nicht mehr an den sinn von wahlen in griechenland. pasok und nea demokratia sind ein bund hadern, die neue linke wird verteufelt und es wird weitergehen wie bisher, außer man entfernt die gauner und betrüger aus dem politischen leben, was aber auf deren allerheftgsten widerstand stoßen wird. siehe prozess gegen den aufdecker der verheimlichung der steuer-cd. dieser widerstand wird mit demokratischen mitteln kaum zu lösen sein und die alten griechen solon und perikles kommen auch nicht wieder.

Die Schwierigkeiten kommen kurzfristig vor allem daher, daß die sog. Retter schlicht nicht in der Lage sind, die Folgen ihrer eigenen Diktate richtig einzuschätzen. Wessen Schuld ist das?

Und ist ein Ende jemals abzusehen? Ich denke nicht, denn die Sparpolitik führt zur wirtschaftlichen Regression, und das in einem Land, das ja nicht gerade ein Zugmotor der europäischen Wirtschaft war. Nur - wer soll denn dann noch aller zahlen, im Grund für nichts und wieder nichts?

Der Schauder beschwindelt sich doch auch - so wie die meisten Ökonomen und Politiker

Wettbewerbsfähigkeit und Staatsverschuldung als Krisenursache - Bullshit!

Die eigentlichen Krisenursachen werden verdrängt - und weil somit die falschen Ursachen bekämpft werden greifen die Maßnahmen auch nicht.

Was der Schauder hier als vorgaukeln bezeichnet kommt ganz einfach daher, dass es sich langsam nicht mehr leugnen lässt, dass durch die Austeritätspolitik die als Krisenheilung verordnet wird nicht greift, im Gegenteil, durch sie wird alles bloß noch schlimmer - eben weil damit bloß die eingebildeten Ursachen bekämpft werden.

Leider ist die Lernkurve (noch) sehr flach...

Geh bitte das ist doch ein Klacks, wir hebeln die Studiengebühren und überweisen davon ein paar Milliarden in das systemrelevante Griechenland.

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