Griechenland: Retter in Not

Kommentar29. Oktober 2012, 19:04
15 Postings

Dass nach den privaten Gläubigern auch die Steuerzahler der Geberländer Federn lassen müssen, haben auch tiefbegabte Wirtschaftslenker erkannt

Das Scheitern der griechischen Rettungsmaßnahmen bringt die Politik in ziemlichen Erklärungsnotstand. Dass nach den privaten Gläubigern auch die Steuerzahler der Geberländer Federn lassen müssen, das haben angesichts der untragbaren Schuldenlast Athens auch tiefbegabte Wirtschaftslenker erkannt. In den wichtigsten Euro-Zentralen will man das Eingeständnis, dass die kostspielige Genesung neuerlich nicht eintritt, so lange wie möglich hinauszögern.

Da wird weiter vorgegaukelt, dass Athen schon auf dem richtigen Weg sei, allenfalls etwas mehr Zeit für die Umsetzung der Strukturreformen benötige. Doch genau diese Verzögerungen führen zu neuen Budgetlöchern und somit zu besagtem Anstieg des Schuldenstandes. Die Eurozone schickt somit trotz Zielverfehlung frische Mittel nach Athen, mit denen Griechenland vor allem die Schulden bei der Eurozone tilgt. In einem vergleichbaren Kreisverkehr drehten sich übrigens auch einige heimische (inzwischen notverstaatlichte) Banken, deren Vorgangsweise Gegenstand strafrechtlicher Ermittlungen ist. In dieses Bild passt auch, dass private Geldgeber bei Kreditnehmern in Zahlungsnöten am Rande der Beihilfe zur Konkursverschleppung agieren, während diese Problematik bei öffentlichen Financiers offensichtlich nicht relevant erscheint.

Also alles eine Schmierenkomödie? Natürlich nicht, drohe doch beim Ziehen der Reißleine der ultimative Euro-GAU, wie uns Studienautoren und Politiker mit inflationärer Tendenz weismachen. Interessanterweise wurde dagegen nie berechnet, was die aktuelle Strategie des Zögerns und Tarnens kostet. Nebst Abschreiben der Hilfszahlungen wären dabei die Verunsicherung der Realwirtschaft zu nennen, die den Euroraum in die Rezession geschickt hat und die Weltwirtschaft massiv belastet. Doch auch darüber schwindeln sich die Retter in Not locker hinweg. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, 30.10.2012)

Share if you care.