Amerikas Meinungsmacher legen sich fest

29. Oktober 2012, 18:09
73 Postings

Die "New York Times" ist für Barack Obama, andere einflussreiche Medien wollen Mitt Romney als Präsidenten

Washington - Zweimal in einem Wahlzyklus steigt der "Des Moines Register" zu einer Bedeutung auf, dass man denken könnte, die Regionalzeitung aus Iowa sei der großen "New York Times" mindestens ebenbürtig. Das erste Mal ragt das Blatt heraus, wenn die Bewerber fürs Weiße Haus den Marathon der Primaries absolvieren müssen und der Bundesstaat Iowa nach alter Tradition den Startschuss gibt. Dann wieder spricht das Blatt ein gewichtiges Wort, wenn der hart umkämpfte Swing State auf das Präsidentschaftsvotum zusteuert und jede amerikanische Redaktion einen der beiden Kandidaten zur Wahl empfiehlt.

Seit 1976 hat der "Register" ausnahmslos Demokraten den Vorzug gegeben, von Jimmy Carter über Bill Clinton bis hin zu Barack Obama. Jetzt stellt er sich erstmals seit langem hinter einen Republikaner: Mitt Romney, lautet die Begründung, verspreche mehr Kompetenz, wenn es darum gehe, die Wirtschaft aus der Flaute zu holen, das ausufernde Etatdefizit einzudämmen und im Kongress jene Kompromisse zu schmieden, die für einen härteren Sparkurs nötig seien. Als Gouverneur im linksliberalen Massachusetts, konfrontiert mit einer Mehrheit der Demokraten im Parlament, habe er seine Eignung bereits bewiesen. "Barack Obama schoss mit seinem Thema von Hoffnung und Wandel raketengleich zur Präsidentschaft", dann aber habe sich die Realität markant von den hohen Erwartungen unterschieden, meint das Blatt.

Obama versus Romney

Anders sieht es der "Miami Herald" aus Florida, ebenfalls eine wichtige Swing-State-Gazette. Romney habe seine Meinung zu allen möglichen Themen im Laufe der Kampagne so oft geändert, dass keiner mehr wisse, wofür er eigentlich stehe. "Egal, was er als Präsident tun würde, er könnte behaupten, ein Wahlversprechen zu erfüllen, denn an irgendeinem Punkt hat er alles in Aussicht gestellt." Bei Obama sei wesentlich mehr Kontinuität erkennbar, allerdings müsste er mit einer zweiten Amtszeit die Weichen neu stellen. Wenn es in der ersten darum gegangen sei, eine Depression zu vermeiden, müsse nun der Schuldenabbau klar im Vordergrund stehen.

Der "Columbus Dispatch", aus dem heftig umworbenen Ohio bilanziert hingegen ein Scheitern Obama'scher Wirtschaftspolitik. Deshalb favorisiere man Romney, der sein gesamtes Erwachsenenleben damit verbracht habe, Privatbetriebe ebenso wie öffentliche Institutionen in die schwarzen Zahlen zu bringen. "2008 gewährten die Amerikaner Obama einen Vertrauensvorschuss, als sie den unerfahrenen Mann ins Weiße Haus katapultieren. Diesmal sollten die Wähler ihre Hoffnung in die Erfahrung setzen, indem sie für Romney stimmen."

Dann ist da noch der "New Yorker", das Lieblingsmagazin linksliberaler Intellektueller. Die Wahl sei klar, doziert dessen Chefredaktion. Im Gespann mit seinem Vize Paul Ryan stehe Romney für eine rückwärtsgewandte Vision Amerikas: "Die Zukunft, die Romney repräsentiert, haben wir bereits gesehen, und sie funktioniert nicht."

In die gleiche Kerbe schlägt die "New York Times", die den Amtsinhaber " enthusiastisch" zur Wiederwahl empfiehlt. Obama sei mit der Gesundheitsreform etwas Historisches gelungen, wirtschaftspolitisch habe er eine zweite Große Depression wie in den 1930er-Jahren verhindert, mit militärischer Zurückhaltung den weltpolitischen Imageschaden der Bush-Jahre repariert. "Wir hoffen, dass sein Sieg einhergeht mit einem neuen Kongress, der gewillt ist, für jene Strategien zu arbeiten, die Amerika braucht." (Frank Herrmann, DER STANDARD, 30.10.2012)

  • Nicht nur Medien, auch Künstler gelten als Meinungsmacher - eine 
Eigenschaft, die sich Wahlkämpfer gerne zunutze machen. Im Bild Rockstar
 Bruce Springsteen, der für Barack Obama eintritt.
    foto: der standard/amy sancetta

    Nicht nur Medien, auch Künstler gelten als Meinungsmacher - eine Eigenschaft, die sich Wahlkämpfer gerne zunutze machen. Im Bild Rockstar Bruce Springsteen, der für Barack Obama eintritt.

Share if you care.