Deutscher Windstrom zum Marktpreis

29. Oktober 2012, 16:58
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Ökostromumlage belastet Haushalte mit 220 Euro pro Jahr, in Österreich mit 40 Euro

Wien - Deutschlands Windmüller sind mehrheitlich zu Selbstvermarktern mutiert und verzichten auf Förderungen aus dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG). "Dabei handelt es sich durchwegs um Windparks in Top-Lagen" , sagte Andreas Löschel vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung am Montag bei einem Vortrag in Wien. Insgesamt nehme die finanzielle Belastung der Bevölkerung insbesondere wegen des starken und teuren Zubaus von Photovoltaik aber weiter zu.

Von den 2011 in Deutschland erzeugten 612 Mrd. Kilowattstunden (kWh) elektrische Energie entfielen knapp 50 Mrd. kWh oder acht Prozent auf Strom aus Windkraftanlagen. Rund 85 Prozent der an Land (onshore) und in Küstengewässern (offshore) produzierten Windenergie werden zu Marktpreisen verkauft. Zum Vergleich: In Österreich sind von den 1100 Megawatt (MW) installierte Windkraftleistung 50 MW oder knapp fünf Prozent außerhalb der Ökostromförderung angesiedelt. Ab 2016, wenn die ersten Anlagen aus der auf 13 Jahre befristeten Förderung fallen, kommen laut Stefan Moidl, Chef der IG Windkraft, pro Jahr weitere 200 MW dazu.

Ökonom Löschel, der auch Vorsitzender der Monitoringkommission zur deutschen Energiewende ist, kritisierte bei einer Veranstaltung der E-Control die mangelnde Koordination bei der Umstellung des Energiesystems in Deutschland. Damit riskiere man auch, dass die Akzeptanz der Wende in der Bevölkerung wegen der kräftig steigenden Kosten zurückgeht. Für einen Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch an Strom von 3500 kWh steigen die Ökostromförderkosten von heuer 150 Euro auf rund 220 Euro im kommenden Jahr. 2010 lagen die Kosten in Deutschland noch bei 85 Euro. In Österreich sind die Kosten für die Ökostromumlage, die über die Stromrechnung zu zahlen ist, bei rund 40 Euro pro Jahr und Haushalt begrenzt.

Mit einer Reform des EEG rechnet Löschel nicht vor 2014: "Im Herbst 2013 finden Bundestagswahlen statt, davor wird niemand das heiße Eisen anfassen." (stro, DER STANDARD, 30.10.2012)

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