Soulmusiker Terry Callier 67-jährig gestorben

In den 1960ern und 1970ern galt der sanfte Sänger als Kritikerliebling, in den 1990ern entdeckte ihn die britische Clubkultur nachhaltig wieder

Wien - Terry Callier gehörte zu den großen Sanften der Soulmusik. Zwar wurde er nie so bekannt wie ähnlich orientierte Vertreter des Fachs, dennoch entwickelte sich eine nachhaltige Karriere für den Sänger und Gitarristen aus Chicago. Auch wenn er dazwischen die Musik hat sein lassen, sich zum Computerfachmann ausbilden ließ und Soziologie studierte - bevor ihn Fans aus Übersee wie eine Berufung einholten und ihm eine erfolgreiche, zweite Karriere gegönnt war.

Geboren wurde der Mann mit dem zärtlichen Tonfall am 24. Mai 1945 im Schwarzenviertel von Chicago. Dort wuchs er auf, und dort war ein anderer zukünftiger Großmeister des Sanftmuts sein bester Freund: Curtis Mayfield.

Wie der 1999 verstorbene Mayfield sang Callier zwar von der Liebe, wusste aber, dass es nicht falsch sein konnte, auch über Soziales und Politisches zu singen. Statt Rhythm 'n' Blues spielte er in Beatnik-Cafés oder an Straßenecken Folk auf der akustische Gitarre und veröffentlichte 1968 sein vier Jahre zuvor aufgenommenes Debütalbum The New Folk Sound of Terry Callier.

In den frühen 1970er-Jahren war er für Songschreiber für das Chess-Records-Label und veröffentlichte drei Alben, die, mit dem Etikett Folk-Jazz versehen, zwischen den Stühlen landeten. Nach weiteren zwei Alben ohne größeren kommerziellen Erfolg ließ er es sein, besuchte Computerkurse, um seine Familie erhalten zu können, und arbeitete später für die Universität von Chicago.

In den späten 1980ern entdeckte die britische Acid-Jazz-Bewegung den Mann neu, spielte in den Clubs seine Platten und bewog ihn schließlich dazu, in England aufzutreten. 1998 erschien mit Timepeace sein bejubeltes Comeback-Album, eine Handvoll sollten bis Ende der Nullerjahre folgen, darunter stimmungsvolle Meisterwerke wie Lifetime oder das grandiose Livedokument Alive.

Callier wurde vom internationalen Soul- und Jazz-Zirkus absorbiert und trat mehrere Male in Österreich auf. Größere Bekanntheit bescherte ihm hierzulande der Zero-7-Remix seines Songs Love Theme From Spartacus, der einen Werbespot von Ärzte ohne Grenzen untermalte, der monatelang im Fernsehen lief.

In Großbritannien offerierten Verehrer und Fans Zusammenarbeit, Callier nahm manches an, darunter waren Projekte mit Paul Weller, Massive Attack, 4 Hero oder der Songwriterin Beth Orton. Allen drückte er zärtlich seinen Stempel auf. In einem Interview mit dem Standard 2004 sagte er: "Man kann die Eindringlichkeit mancher Themen ganz zärtlich behandeln und sie dadurch wirksamer verbreiten als im Zorn. Zorn ist als Motiv wichtig. Man muss aber vorsichtig sein, wie man ihn verarbeitet."

Nach längerer Krankheit ist Terry Callier am Sonntag 67-jährig in Chicago gestorben, eine genaue Todesursache wurde nicht bekanntgegeben. (Karl Fluch, DER STANDARD, 30.10.2012)

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10 Postings
Ja schade, dass er gegangen ist

aber simma einfach froh, dass er da gewesen ... und als kleiner Trost bleibt sein Schaffen auf Tonträgern für uns erhalten

MAch's gut Terry!

RIP
3-(

Schade, hab ihn sehr gern gehabt. In Wien zweimal bei einem Konzert gewesen und auch so. Einzigartige Musik.

guter nachruf beim bbc und links..

..zu zwei seiner ganz früh aufgenommenen (1964) liedern:

http://www.bbc.co.uk/news/ente... s-20124594

Work Song (Musik von Nat Adderley)
http://www.youtube.com/watch?v=O... re=related

Be my woman
http://www.youtube.com/watch?v=L... re=related

Vielen Dank für die Links. Diese ganz frühen Aufnahmen kannte ich noch nicht.

Sehr empfehlenswert auch die CD "The New Folk Sound of Terry Callier" (ca. 1967).

Ich hatte das Glück, Terry Callier zweimal bei Auftritten in Wien sehen zu können.

Ein unscheinbarer, bescheidener Mann, der, wenn er seine Stimme zum Singen erhob, ein wahrer Gigant wurde. Hat mit der Kraft seiner Emotion oft alle im Publikum zum Schweigen gebracht und magische Momente geschaffen, in denen man wirklich von Musik erschüttert und mitgerissen wurde.

Hier Links zu drei meiner Lieblingssongs (unter vielen) von ihm mit absoluter Gänsehautgarantie. Songs, die man nicht vergisst:

http://www.youtube.com/watch?v=SvcNUEVfwOg
http://www.youtube.com/watch?v=oLHitkdkoTM
http://www.youtube.com/watch?v=8Z99cDfirgE

Danke Terry Callier, für die großartige Musik, die du uns hinterlässt.

Ihre Worte kann ich nur dreimal unterstreichen und mit massenhaft Rufzeichen versehen. Danke für die Links! Das erste Lied kannte ich noch gar nicht, gefällt mir außerordentlich gut. Erst mit dem Album Timepeace wurde ich 1998 auf Terry Callier aufmerksam. Sowohl Timepeace als auch Lookin' Out sind als jeweiliges Gesamtwerk einfach nur sensationell. Die Aufnahmen von 1964 sind in ihrer Einfachheit auch unfassbar gut.

Diese Lied war das erste, dass ich jemals von Terry Callier gehört habe (das war auf FM4):

http://www.youtube.com/watch?v=lB_vB-Rgcms

Zum Glück bleibt seine schöne Musik.

danke für diesen schönen nachruf

ich habe terry callier dreimal in wien live gehört ... ganz, ganz wunderbare konzerte ...

wer in die musikalische und gedankliche welt von terry callier eintauchen will, der/dem empfehle ich ein ausgiebiges interview mit ihm, dazwischen werden einige seiner lieder gespielt

http://www.rbmaradio.com/shows/ter... -chat-pt-1

(soll keine firmenwerbung sein, habe das besagte getränk noch nie konsumiert; bin auf den link zufällig gestossen; es zahlt sich wirklich aus diese hörstunde mit terry callier zu genießen; gänsehaut"gefahr" bei seiner stimme und seiner musik)

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